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Der nachfolgende Text stammt aus
Friedrich Benesch,
"Zur Äthergeographie der Erde"
Verlag Urachhaus
ISBN 3-87838-976-0
Dr. Friedrich Benesch hielt 1978 in Dornach, Schweiz, einen Kurs über
die sog. ätherischen Bildekräfte. Diese sind ein merkwürdiges
Zwischengebiet zwischen der äußeren, durch die Sinne erfahrbaren
Welt und der inneren, nur seelisch erlebbaren Welt. Hier wird herausgegriffen
aus dem im Ganzen sehr, sehr lesenswerten Kurs ein Abschnitt, in dem er
beschreibt die stufenweise Erfahrung der ätherischen Welt, wie sie
erlebt werden kann, wenn man die Kräfte des Denkens stärkt,
schult, bewusst beobachten lernt. Zuvor hatte er noch 2 andere Gebiete
bezeichnet, wo sich der Erfahrung auch die Frage stellt nach dem "vermittelnden"
Weltgebiet zwischen der Innerseelischen und dem äußeren. Er
hatte da auf den realen Zusammenhang zwischen innerer, seelischer Wärme
und er da heraus möglicherweise sogar äußerlich erscheinenden
Körperwärme hingewiesen; sodann auch auf das Phänomen,
dass die Vorstellung einer Vase im Bewusstsein wie abtaucht in ein unterbewusstes
Element, um dann real, "dinghaft" auf der Töpferscheibe
wieder zu erstehen. Auch hier die Frage nach dem vermittelnden zwischen
dem "Innerseelischen" und dem äußerlichen, physisch
erscheinenden Phänomen. Sodann wirft er diese Frage für das
Gebiet des Denkens auf: .....
Dr. Benesch ( S. 45 - 57 des o.g. Buches):
".....Ich komme also wieder auf ein merkwürdiges Zwischengebiet,
nun nicht so sehr zwischen dem seelischen Erleben, sondern dem sogar geistigen
Vorstellungswirken und dem Stoff. Wir können also sagen, wir haben
es mit einem unbewussten Element unserer menschlichen Wesenheit zu tun.
Das unbewusste Ätherische ist zwar in unserer Gesamtorganisation
drin, aber schlafend, nicht etwa untätig, aber bewusstseinsmäßig
schlafend. Und nun war ja die große Frage und ist die große
Frage: Kommt man denn an dieses Gebiet nicht doch irgendwo wachend heran?
Kann man irgendetwas versuchen, was nun die Sache von der Innenseite her
berührt oder erreicht?
Wir haben das drittens versucht mithilfe von dem, was ja auch Rudolf Steiner
als Hilfe angibt, also Beobachtungen am Denkvorgang und am Vorstellungs-
und Erinnerungsvorgang zu machen. Und dabei ist ja ungeheuer wichtig,
ganz bewusst zu unterscheiden zwischen dem wesenhaften Inhalt, der bei
der Denktätigkeit eine Rolle spielt und den wir dann den Begriff
oder auch den übergeordneten Begriff, die Idee nennen können,
und den Kräften, aber vielleicht auch nicht nur den Kräften,
sondern sogar den Substanzen, der Substanzialität, mit der wir Gedankeninhalte
fassen. Wobei es dann für das genauere Zusehen einige Überraschungen
gibt, und die erste besteht ja darin, dass diese Tätigkeit des Suchens
nach einem Begriff so eine Art merkwürdiges geistiges, bewusstseinsmäßiges
Tasten ist in irgendeinen geistigen Bereich hinein, wo sich dann mit einem
Mal, im Bruchteil einer Sekunde der Begriff, der Gedanke selbst als Wesenheit
mithilfe einer Worthülle in voller Klarheit, restlos überschaubar
und verstehbar, blitzartig mit dem eigenen Bewusstsein identifiziert.
Sodass man also sehr deutlich sehen kann: Indem ich den Begriff fasse,
also eine Intuition habe - wie es Rudolf Steiner nennt -, erfolgt tatsächlich
so etwas wie ein Eintauchen des Begriffes in mein Bewusstsein und meines
Bewusstseins in den Begriff, also mein Bewusstsein bleibt dann nicht mehr
es selber, sondern wird identisch mit dem Begriff, und der Begriff wiederum
bleibt nicht er selber, sondern wird identisch mit meinem Bewusstsein.
Es findet also nicht nur ein Eintauchen, eine Durchdringung, sondern eine
richtige Identifikation statt. Es wird Mensch und Begriff identisch. Und
alle Worte, mit denen wir so etwas bezeichnen, haben eigentlich alle diesen
Charakter: Ich begreife den Begriff, ich sehe ihn ein, er leuchtet mir
ein, ich erfasse ihn. Dieses objektiv Subjektive, diese Identifikation
von Menschengeist mit objektivem Gedankengeist ist aber etwas anderes
als die Kraft, die Bemühung, mit der ich nach dem Begriff suche und
mit der ich den Begriff ergreife; diese Kraft ist zunächst wortlos.
Und das Wort ist dann gewissermaßen die Hilfe, mit der diese Kraft
sich konfiguriert gewissermaßen, eine Art Gestalt bekommt, um dem
Begriff adäquat zu sein, den ich da denke.
Und das ist dann noch etwas anderes, wenn ich diesen Begriff, diesen Gedanken
mit einem Wahrnehmungsinhalt zur Vorstellung verbinde. In der "Philosophie
der Freiheit" nennt das Rudolf Steiner die Individualisierung des
Begriffes zur Vorstellung anhand des Wahrnehmungsinhaltes. Das sind ja
alles wunderbar überschaubare Angelegenheiten, und es ist da nichts
Unbewusstes vorhanden, es findet tatsächlich alles vor dem vollen,
wachen Bewusstsein der Individualität statt. Damit kommt man aber
dazu, zu fragen: Was ist das für eine Stofflichkeit, für eine
Kraft, mit der ich das nun machen kann? Die steht mir ja irgendwie zur
Verfügung, und zwar nicht in meinem Bein, nicht in meinem Bauch und
nicht in meinem Herzen, sondern in meinem Kopf. Ich habe also in der Kopforganisation
irgendetwas drin, vielleicht auch drumherum, das mir die Kraft gibt und
die Substanz hergibt, den Begriff einzuhüllen, dem Begriff gewissermaßen
einen Kraftmantel zu geben und dann den Begriff selber noch etwas näher
zu untersuchen, wobei sich dann herausstellt, dass dieser Begriff sogar
ein Eigenleben bekommt: Ich kann ihn also vertiefen in Bezug auf seine
Bedeutung, auf seinen Inhalt. Ich meine, Sie brauchen mir ja nur zuzugucken,
was ich jetzt hier mache: ein Begriff nach dem anderen, und wie leicht
das geht, wie schnell das geht, wie einem das so in einer totalen Selbstlosigkeit
zur Verfügung steht - dass man das überhaupt kann, ist eigentlich
ein maßloses Wunder! Mit was für einer Kraft, mit was für
einer Stofflichkeit?
Nun, wenn man versucht, diese Bewegung, diese Tätigkeit noch etwas
genauer ins Auge zu fassen, dann sieht man ja, dass es schon einer Anstrengung
bedarf, wenn diese Anstrengung auch mit einer gewissen Leichtigkeit vor
sich geht; aber in dem Moment wird sie verstärkt, in dem man sich
etwas Bestimmtes vornimmt zu denken. Also wie ich gestern als Beispiel
gesagt habe, dass man sich vornimmt, alle Begriffe zu denken, die etwas
zu tun haben mit Ausdehnung, mit dem Oberbegriff Ausdehnung, da hat man
schon sozusagen ein vorgefasstes, mehr allgemeines Gefäß, in
das man nun die einzelnen Angelegenheiten wie hereinsammeln kann, und
man sieht, dass die ja alle miteinander verbunden sind durch etwas Gemeinsames.
Also der Begriff ist nicht nur isoliert für sich ein Etwas, sondern
er hat gleichzeitig in sich irgendetwas, was ihn mit anderen Begriffen
verbindet, was ihn zu einer höheren Einheit mit anderen Begriffen
zusammenschließt.
Und wenn man diese Untersuchung immer weiter und weiter treibt, dann stellt
man schließlich fest, dass überhaupt alle Begriffe mit allen
Begriffen zusammenhängen, dass man eigentlich, von jedem Begriff
ausgehend, alle anderen Begriffe gewissermaßen entwickeln, ableiten
kann, und der große Meister dieser Tätigkeit war Hegel. Wenn
Sie die "Logik" von Hegel aufschlagen, gleich in den ersten
Kapiteln, dann finden Sie, dass Hegel von einem Begriff ausgeht, nämlich
von dem Begriff "Sein", und wie er diesen Begriff innerlich
bewegt und durchschaut und ihm im anschauenden Wahrnehmen allmählich
abringt das Nicht-Sein, also das Gegenteil von Sein, das Nichts, und wie
er daraus dann den Begriff Werden entwickelt und aus dem Begriff Werden
die gesamte Begriffswelt ableiten kann.
Man sieht also, dass diese Begriffe etwas merkwürdig Gemeinsames
haben, wie eine gemeinsame Welt, eine Verbindung untereinander, wie sie
also etwas Zusammenhängliches miteinander zeigen. Ich lehne mich
mit diesem Wort an etwas an, was Goethe in etwas anderer Variation auch
gebraucht, indem er sagt, das Übergängliche, also, dass da etwas
da ist, was in dem einen drinsteckt, aber die Eigenschaft hat, nicht bei
diesem Begriff Sein zu bleiben, sondern in ihm selber sich in Bewegung
zu setzen und zu dem Begriff Nicht-Sein herüberzugehen. Das Übergängliche
von Begriff zu Begriff, das Einheitliche, Zusammenhängliche, das
alle Begriffe miteinander in Verbindung hält - wir sind da tatsächlich
in einem Bereich, den wir wie selbstverständlich betätigen,
der uns zur Verfügung steht für unser Ich, für unser Subjekt,
sodass wir voll bewusst in diesem Bereich nicht nur leben, sondern auch
erwachen können, indem wir ihn genauer beobachten und das tun, was
Rudolf Steiner schon in der "Philosophie der Freiheit" dringend
geraten hat: Beobachtung der Denktätigkeit.
Nun möchte ich diese Frage nach dem Wesen der Gedankenwelt, der Begriffswelt
noch etwas schärfer fassen in Bezug auf den Anteil, den unsere Seele
bei der Begriffstätigkeit hat. Ich darf erinnern an diesen interessanten
Vortrag "Praktische Ausbildung des Denkens", darin steht nun
etwas sehr Bedeutungsvolles, was doch von den Menschen, die sich mehr
für die Übungen interessieren, die in diesem Vortrag enthalten
sind, leicht überlesen wird. "Wenn der Mensch denkt über
die Dinge, so denkt er nur über das nach, was zuerst in sie hineingelegt
worden ist. Der Glaube, dass die Welt durch Denken hervorgebracht worden
ist und sich noch fortwährend so hervorbringt, der erst macht die
eigentliche innere Denkpraxis fruchtbar." Das heißt, dass das
menschliche Bewusstsein zur Denktätigkeit eine Beziehung hat, die
Rudolf Steiner Glaube nennt. Man mache sich das doch einmal ganz scharf
bewusst, was damit gesagt ist. Denn er fährt fort: "Es ist immer
der Unglaube gegenüber dem Geistigen in der Welt, der selbst auf
wissenschaftlichem Boden die schlimmste Unpraxis des Denkens hervorbringt."
Praktische Ausbildung des Denkens heißt also, nicht einfach nur
Denkübungen zu machen, wie sie hier in dem Vortrag alle aufgereiht
sind und auch sonst vorgeschlagen werden können, sondern zu diesem
ganzen Vorgang ein Verhältnis zu haben, das Glaube genannt wird,
und sich mit den Inhalten der Denktätigkeiten, der Gedankenübungen,
der Gedankenschulung so zu verbinden, dass die Glaubenskraft der menschlichen
Seele sich damit identifiziert. Das heißt Praxis! Praktisch wird
ein Denken erst dann, wenn es nicht theoretisch gemacht wird und rein
theoretisch angeschaut wird, sondern wenn sich mit ihm eine allerintensivste
innere Haltung des Seelenlebens verbindet, und die heißt Glaube.
Es geht ja leider aus der Entwicklung der letzten Jahrhunderte immer wieder
diese verrückte Anschauung hervor, dass Wissen und Glauben nichts
miteinander zu tun hätten. Das haben schon die mittelalterlichen
Philosophen erfunden, aber man hat es dann immer weitergetragen, und ich
muss schon sagen, auch in unseren anthroposophischen Kreisen ist das oft
ein bisschen so: Nun ja -glauben, das hat etwas mit Religion zu tun, aber
mit Denken und Erkennen hat das gar nichts zu tun. Im Gegenteil! Ein wirklichkeitsgemäßes
Denken, ein praktisches Denken entsteht überhaupt erst dann, wenn
ich mit meiner Seele diesen Beobachtungen, die ich an den Denktätigkeiten
vollziehen kann, etwas zuspreche, was mit meiner eigenen geistigen Existenz
zusammenhängt, nämlich, dass ich ihnen Seins-Charakter zuspreche,
Objektivität zuspreche, und das heißt, an sie glauben. Dadurch
wird nämlich sowohl das Denken selber wie auch die Beobachtung des
Denkens zu etwas anderem, dadurch steigt nämlich nicht nur mein Ich
und mein Bewusstsein, sondern auch meine Seele in den Gedankenprozess
ein, und die Gedankenschulung, die Gedankenübung, die Denktätigkeit
und die Denkbeobachtung bekommen einen Realitätscharakter. Sie verlieren
den Charakter des Abstrakten, des Gespensterhaften, des Leichnamhaften,
sie werden lebendig durch die Kraft des Glaubens an das Denken selber
und seine Inhalte und an die Kraft, mit der ich diese ganze Tätigkeit
ausübe. Ich greife jetzt auf eine Schrift zurück von Rudolf
Steiner, "Die Schwelle der geistigen Welt", wo diese Bedeutung
des Glaubens an das Denken, des Vertrauens zum Denken, die entscheidende
Rolle spielt im Ansatz. "Das gesunde Seelenleben hört auf, wenn
der Zweifel an dem Denken beginnt. [...] Wer das hier angedeutete Gefühl
in Bezug auf das Denken in sich entwickelt, der empfindet in diesem nicht
allein etwas, das er in sich als Kraft der menschlichen Seele ausbildet,
sondern auch etwas, das ganz unabhängig von ihm und seiner Seele
eine Welt-Wesenheit in sich trägt." Solange ich diesen Glauben
an das Denken nicht habe, solange ich dem Denken nicht objektiven Charakter
zuspreche, bleibe ich in der Stimmung: Ja, das ist meine subjektive Angelegenheit,
was ich da mache, eine Wirklichkeit ist das nicht, objektiv ist das nicht.
"Das Leben in Gedanken ist ein Loskommen der Seele von sich selbst,
wie das Fühlen, Empfinden und Affektleben ein In-sich-selbst-Sein
sind." Aus dieser Empfindung, dieser Stimmung der Seele folgt dann
eine Stärkung, die die Seele so empfindet, als ob sie ihr von den
Weltenmächten selbst zukäme. Bitte sehen Sie, wie das langsam
in das Objektive hinübergleitet aus dem Subjektiven! Also ich habe
nicht nur das Erlebnis der Objektivität in dem Gedankeninhalt, der
unabhängig von meinem Zutun als solcher in meinem Bewusstsein blitzartig
erscheint, sondern es geht noch weiter: die Stärkung, die die Seele
so empfindet, als ob sie ihr "von den Weltmächten selbst nach
weisen Gesetzen zugekommen wäre. Von dieser Empfindung ist dann nicht
mehr weit zu dem Schritt, nach welchem die Seele sagt: Nicht ich denke
bloß, sondern es denkt in mir; es spricht das Weltenwerden in mir
sich aus; meine Seele bietet bloß den Schauplatz, auf dem sich die
Welt als Gedanke auslebt" -als Gedanke, das heißt aber als
Weltmitteilung an das Subjekt des Menschen, als objektive Übergabe
eines Weltinhaltes an die menschliche Seele, und zwar so, dass dieser
Weltinhalt in der menschlichen Seele er selber ist. Ich empfinde mich
denkend eins mit dem Strom des Weltgeschehens.
Woher kommt der Zweifel an das Denken? Die Antwort ist sehr überraschend
und findet sich in dem dritten Kapitel dieser Schrift: "So kommt
es, dass die Seele vor diese geistige Welt gestellt sein könnte und
in ihr ein vollkommenes >Nichts< sähe. Die Seele könnte
sich fühlen, wie in einen unendlichen, leeren, öden Abgrund
hineinblickend. - Ein solches Gefühl ist nun in den zunächst
unbewussten Seelentiefen tatsächlich vorhanden. Die Seele hat dieses
Gefühl, das der Scheu, der Furcht verwandt ist; sie lebt in demselben,
ohne dass sie davon weiß." Also die Grundparadoxie unserer
heutigen intellektuellen Bewusstseinsseelenverhältnisse besteht darin,
dass das, wonach wir uns am meisten sehnen, genau das ist, wovor wir Angst
haben. Aber diese Angst ist eben unbewusst und bewirkt, dass man fortwährend
wie zurückzuckt davor, nun weiter in die Realität der Kräfte
dieses Bereiches einzudringen. Man überwindet eben diese Furcht dadurch,
dass man wirklich Vertrauen hat auf das, was sich im Denken offenbart,
und dieses Vertrauen richtig zu einem Glauben an die Wirklichkeit verstärkt
und sich das zur Wirklichkeit selbst macht und nicht zur Unwirklichkeit.
Das heißt ja nicht, dass man die Gedankeninhalte vergewaltigt, sondern
im Gegenteil, man lässt sie gerade dadurch, dass man sie zur Wirklichkeit
macht, in der eigenen Seele erst voll sich entfalten. Das führt aber
dazu, dass irgendetwas an dieser Stelle auf das innere Erleben, das sich
mit den Denkinhalten befasst, wartet, und das nun so ist, dass der Mensch
da tatsächlich an einen Abgrund zwischen sich und der Welt kommt,
auch wenn er noch so sehr die Erfahrung hat, der Begriff ist objektiv;
aber die Wirklichkeit dieses Objektiven ist noch nicht ganz real, ist
noch nicht ganz vollständig durchgeführt.
Und da kommt es eben darauf an, dass die entscheidende Frage entsteht
im Beobachten der Denktätigkeit: Wo spielt sich eigentlich mein Denken
ab? Man bemerkt nun, dass man dem Denken mehr und mehr Wirklichkeit zuspricht,
sodass man mehr und mehr das Gefühl hat, indem ich etwas denke und
denkend betrachte, kommt eine objektive Welt in mich herein, und sie entfaltet
sich in mir zu dem, was sie selber ist. Je mehr man das tut, desto mehr
bemerkt man, dass das Denken sich tatsächlich von der Gebundenheit
an den Kopf löst in die Kräfte hinein, die nicht gebunden sind,
die zwar um den Kopf herum sind, aber nicht gebunden sind an das Gehirn
des physischen Leibes, an die Stofflichkeit des physischen Leibes, sondern
dass sie diesen physischen Leib nur deshalb brauchen, um sich davon gerade
abzustoßen und dadurch voll bewusst zu werden. Dass also plötzlich
die Kräfte - ich spreche indirekt immer von den ätherischen
Kräften, ohne sie zu nennen -, diese Kräfte, die ich da beim
Denken betätige, tatsächlich so sind, dass sie zunächst
gewissermaßen verbunden sind mit dem Kopf, sich aber dann lösen,
ja sogar abstoßen und dadurch erst voll bewusst, aus dem Schlaf
erweckt werden. Was ich vorhin beim Wärmespektrum erleben musste,
dass ich im Übergang von der seelischen Wärme zur körperlichen
Wärme in ein schlafendes Nichts untertauche und wieder auftauche,
was ich bei der Tätigkeit mit der Töpferscheibe beobachten musste,
dass etwas, was gedanklich Vorstellung oder Idee ist, schlafend untertaucht
und dann in meinen Händen wieder als Gestaltungskraft zum Vorschein
kommt, das erwecke ich jetzt zum Bewusstsein, ich lebe jetzt innerlich
bewusst mit den Kräften, mit denen ich denke, weil ich sie von der
Bindung an die Kopforganisation, an das Gehirn losgelöst habe und
nur noch am Gehirn sich abstoßen lasse - so wie ein Mensch, der
geht, sich von der Erde abstößt, damit er gehen kann - und
dadurch natürlich, darauf hat Rudolf Steiner immer hingewiesen, das
Gehirn abbaue, zerstöre bis zu einem gewissen Grad.
Dieses Erlebnis der Befreiung eines Teiles unserer Lebenskräfte von
ihrer Bindung an den physischen Leib, wo sie schlafend tätig sind,
hinein in das Bewusstsein, oder man kann auch sagen herauf in das Bewusstsein,
leuchtet jetzt innerlich und zeigt mir seinen eigentlichen Charakter,
nämlich den, dass diese Kräfte das Gewand für die Begriffe
sind, in das sie selbst als objektive Wirklichkeit hereinleuchten und
dadurch diese ätherischen Kräfte zum Bewusstwerden bringen.
Das Einleuchtende, das Übergängliche und Zusammenhängliche
der Begriffswelt erscheint mir jetzt von innen gesehen als die ätherische
Welt im Denken. Und es sind genau dieselben Kräfte, die vorher den
Gehirnorganismus aufgebaut haben, die ich jetzt in aller Ruhe freilösen
kann und in ihrem eigenen Wesen als leuchtende Übergangskräfte,
Verbindungskräfte und Hüllkräfte für den Begriff,
für das rein Geistige erleben kann. Die Furcht ist weg, und ich habe
zwar noch nicht die Schwelle überschritten, aber ich habe sie betreten.
Wenn ich nun innerhalb der Schwelle beginne, nicht einfach nur zu denken
und das Denken zu beobachten - und das ist das, was wir bis jetzt angeschaut
haben -, sondern wenn ich jetzt beginne zu üben, das heißt
den gleichen Vorgang zu wiederholen, wird er mir nicht etwa durchsichtiger
- das ist er von Anfang an -, aber er wird mir vertrauter, ich bekomme
ihn immer mehr und mehr in die Hand, und ich kann diese Kräfte, die
zunächst ganz leicht und frei das Übergängliche, das Verbindende,
Hüllenhafte der Begriffe darstellen, konzentrieren und verdichten.
Ich beginne vielleicht noch nicht zu meditieren, aber meditativ zu denken.
Und es ist auch hier wichtig, zu unterscheiden zwischen Meditation und
meditativem Denken, das ist nämlich der gesunde Übergang des
einen zu dem anderen. Ich darf vielleicht eine Zwischenbemerkung machen.
Wenn man zum Beispiel so etwas wie eine Meditation aus der "Praktischen
Ausbildung des Denkens" zu machen versucht oder meinetwegen etwas
so Umfassendes und Tiefgreifendes wie die Rosenkreuzmeditation aus der
"Geheimwissenschaft" oder die Samenkornmeditation aus "Wie
erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?", muss man aufpassen.
Es ist nämlich günstig, wenn man das nicht gleich so direkt
anfängt. Es ist besser, man liest sich den Wortlaut des Eingeweihten
meditativ vor, und zwar eine ganze Zeit lang regelmäßig immer
wieder, weil man durch den Wortlaut, den der Eingeweihte gibt, in die
Wirklichkeit viel selbstloser und freier eintauchen kann, indem man eben
nicht gleich voll meditiert, sondern indem man meditativ liest, meditativ
denkt. Die Sache hat auch noch den anderen großen Vorteil, dass
man nämlich auch die anthroposophischen Vorträge meditativ lesen
lernt und dadurch eben diese frei gewordenen, von der Leiblichkeit gelösten
ätherischen Kräfte nicht nur zum Aufleuchten bringt, dahin bringt,
dass sie die Begriffe in Bewegung bringen, dass sie Begriff mit Begriff
verbinden können, dass sie Hülle und Übergängliches
und Zusammenhängliches der Begriffe sind, sondern dass sie sich verstärken
und dass der innere Freiheitsgrad des Bewusstseins gegenüber der
Seele und der Leiblichkeit wächst.
Es wächst aber auch das Vertrauen. Wer nicht mit Vertrauen meditativ
lesen und meditieren lernt, dem nützt das gar nichts, der landet
immer in Zusammenbrüchen. Das ist einfach eine notwendige Konsequenz
dieser ganzen Bemühungen. In dem konzentrierenden, meditativen Leben
an der Schwelle, in dem Übergang vom Physischen zum Geistigen, vom
Seelischen zum Geistigen, in dem Leben an dieser Schwelle und auf dieser
Schwelle kann man eben die ätherischen Kräfte von innen her
ergreifen und verdichten. Das nennt man ja Konzentration. Und es wachsen
die Wachheit, die Aufmerksamkeit, die Freiheit und das Vertrauen. Und
es keimt noch innerhalb der Schwelle etwas ganz Neues im Menschen auf,
wenn er eben die Welt des Ätherischen von innen her versucht zu erfassen,
es entsteht das Erlebnis, dass das eigene Bewusstsein nicht identisch
ist mit dem Leib, also eine Art Leibbefreiung. Das hat aber immer diesen
Furchtcharakter, und der Furchtcharakter entsteht eben gleichzeitig als
notwendige innere Konsequenz der Loslösung der Ätherkräfte,
mit denen wir denken, von der Gebundenheit an die Leiblichkeit. Das ist
immer eine ganz leise, feine Todesfurcht, und darum schreckt man immer
wieder zurück an dieser Stelle, und dann erlahmt man eben, vor allem
dann, wenn man zu schnell vorankommen will, wenn man also schon ich weiß
nicht wie gewaltig meditiert und immer wieder erleben muss, es hat überhaupt
keinen Effekt als höchstens den, dass man ganz geschwind von der
Schwelle wieder herunterpurzelt in das normale, reflektierende, abstrakte
Gedankenleben. Das ist alles, was dabei herauskommt.
Also man sieht, ein solcher Übergang kann auch leicht etwas mit einem
ganz feinen Loslösungserlebnis von der physischen Leiblichkeit zu
tun haben, mit einem feinen leisen Sterbevorgang innerhalb der Seele.
Nun, weiter braucht man vielleicht als normaler Sterblicher nicht unbedingt
zu kommen. Man kann natürlich weiterkommen, man kann sich jetzt von
dieser Schwelle weg durch die immer stärkere Konzentration und Loslösung
dieser Ätherkräfte, dieser Ätherwelt der Gedankentätigkeit
immer mehr und mehr der objektiven Ätherwelt nähern. Aber ich
sage noch einmal, man braucht das nicht. Man kann schon in diesem Bereich
mit aller Seelenruhe jahrelang verweilen, man hat das Notwendige dabei
ohne weiteres getan, weil man eben die objektive geistige Welt in sich
zum Denken bringen kann, und das ist schon entscheidend für das moderne
Bewusstsein. Aber dann heißt es hier: "Diese Anstrengungen
können dazu führen, das innere Erleben kraftvoller, energischer
zu machen, als es im gewöhnlichen Dasein ist" ("Ein Weg
zur Selbsterkenntnis des Menschen").
Also man wird schwach, wenn man Angst hat. Man wird stark, wenn man glaubt,
wenn man Vertrauen hat zu dem, was man da tut, obwohl es zunächst
so ganz dünn ist, dünnflüssig, aber hellwach, durchsichtig.
Das ist das Entscheidende dabei, dass man nichts tut, was man nicht voll
überschaut, wo man nicht mit dem Bewusstsein vollständig dabei
ist. "Im gewöhnlichen Leben hat der Mensch eine gewisse Stärke
seiner inneren Erlebnisse, seines Empfindungs- und Gedankenlebens. Er
hegt zum Beispiel irgendeinen Gedanken so oft, als sich ein äußerer
oder innerer Anlass dazu ergibt. Es kann aber irgendein Gedanke aus der
Zahl der anderen herausgenommen werden und ohne äußeren Anlass
immer wieder durchdacht, in intensiver Art innerlich durchlebt werden.
Man kann einen solchen Gedanken wiederholt zum einzigen Gegenstand des
inneren Erlebens machen" und das Seelenleben daran hindern, dass
es den Gedanken sofort in die Vorstellungen und in die Assoziation hereinreißt.
Dann "kann ein Augenblick eintreten, dass die Seele aus dem Schlafe
wie zu einem Traume sich belebt". Ich nehme jetzt die nächste
Beschreibung nur, um nachher daran anzuknüpfen, nicht um zu sagen:
Wollen wir das doch gleich einmal machen, denn das kann man nicht. "Man
fühlt sich etwa allseitig von Gewitterstürmen umgeben. Man hört
Donner und vernimmt Blitze. Man weiß sich in einem Zimmer eines
Hauses. Man fühlt sich durchsetzt von einer Kraft, von welcher man
vorher nichts gewusst hat. Dann vermeint man, Risse um sich her in den
Mauern zu sehen [...] Man weiß dann unmittelbar, dass man etwas
durchgemacht hat, was man durch keinen leiblichen Sinn und auch nicht
durch den gewöhnlichen Verstand durchmachen kann" ("Ein
Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen"). Jetzt ist man in der ätherischen
Welt selber drin. Jetzt ist man, mithilfe des eigenen Ätherischen,
das man denkend, meditativ verstärkt hat, durchgebrochen, man kann
auch umgekehrt sagen, das objektiv Ätherische bricht durch, und was
erlebt man? Ein Gewitter! Wie war das bei der einfachen Gedankenbildung?
Ein ganz feiner Blitz zuckt herein in mein Bewusstsein, ich ergreife den
Begriff und verstehe ihn blitzartig, sofort, im Augenblick. Wie ist das
hier, wenn man über die Schwelle kommt in die ätherische Welt,
in die Wahrnehmung und das Erleben des objektiv Ätherischen: Blitz
und Donner!
Also damit eröffnet sich gewissermaßen der Ausblick darauf,
dass man eine Erkenntnishilfe für das Verständnis des Ätherischen
zunächst dadurch finden kann, dass man das eigene Ätherische
- aber nur im Denkvorgang - löst von seiner Gebundenheit an die Kopf-Organisation,
an den physischen Leib, aber auch im gewissen Sinne an die Sinnesorgane,
und dann erleben kann, wie das eigene Ätherische diese wunderbare
Eigenschaft hat, die Aufnahmefähigkeit für die objektiven Gedanken,
aus denen die Welt hervorgegangen ist und hervorgeht, in das eigene Bewusstsein
hereinzunehmen und darin aufleben zu lassen. Die objektiven Weltgedanken
leben auf in dem eigenen Ätherleib des menschlichen Hauptes, sie
leben darin auf und offenbaren die Gesetzmäßigkeiten. Denn
wir kommen jetzt tatsächlich an die elementarische Welt, in die Welt
der Gesetzmäßigkeiten, und das ist ja die Welt der Elemente,
die elementarische Welt. Wir kommen in die Welt der Gesetzmäßigkeiten
und erleben dort, dass die Weltwesen dem Menschen die Gedanken schenken,
dass die Weltwesen dem Menschen für seinen Ätherleib mit seinen
Stoffen und Kräften zur Verfügung stellen die Gedankeninhalte,
die nicht der Mensch erfunden hat, sondern die Weltwesen, das sind aber
geistige Wesenheiten, geistige Iche. Die geistige Welt besteht nämlich
letzten Endes aus nichts anderem als aus Ichwesen, aus Individualitäten,
aus Persönlichkeiten, zu denen natürlich auch der Mensch gehört.
Und wenn vielleicht auch die Elementarwesen da draußen in der Natur
nicht ohne weiteres das sind, was der Mensch ist als selbstständige
autonome Individualität, so gehören sie ganz bestimmt hierarchischen
Wesen an, die ihre Gruppenseelen, ihre Iche sind.
Es gibt eigentlich in der so genannten geistigen Welt überhaupt nichts
anderes als Individualität, Ichheit. Und diese Ichheit ist charakterisiert
durch Bewusstheit, es muss nicht unbedingt das volle Wachbewusstsein sein,
es kann auch ein Schlafbewusstsein sein, aber es ist immer bewusst. Ein
Selbstbewusstsein und ein Weltbe-wusstsein charakterisiert die geistige
Ichheit. Und diese geistige Ichheit ist immer auch etwas, was will. Denn
das Wesen einer Individualität ist, dass sie Wille ist, im Grunde
genommen nichts anderes als Wille, nämlich dass sie sich will und
die Welt will." ....
Im Nachfolgenden geht nun Dr. Benesch weiter der Frage nach, wie die
schon erfahrene geistige Welt in verinnerlichender "Gebärde"
als astralische Welt erscheint, als Weltenseele, als Weltenrhythmus und
damit als Quell alles Zeitartigen und wie diese geistige Welt, sich veräußerlichend,
räumlich wird, jedoch nicht physisch-räumlich, sondern ätherisch
räumlich, wobei den Begriff des Ätherraumes auszuführen,
den Rahmen hier sprengen würde. Hier sollte nur diese ausgezeichnete
Darstellung des Weges der Denkerfahrung in die geistige Welt hinein dargestellt
werden.
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