Weihnachten, das Fest der Liebe?

Von Severe_Snape aus Belaqua

Disclaimer: bis auf einige wenige Ausnahmen gehören Personen und Orte dieser Handlung J.K.Rowling



Dumbledore erzählt...

Severus war schon immer ein Einzelgänger. Erst lebte er zurückgezogen in seinem Zimmer und beschäftigte sich mit Büchern über Zaubertränke oder Zauberkunst. Dann kam er als elfjähriger Schüler wie alle anderen nach Hogwarts und wurde nach Slytherin eingeteilt. Er beherrschte bereits mehr Zaubersprüche als die Hälfte der Siebtklässler. Aber auch in Slytherin fand er keine richtigen Freunde und musste sich von James, Sirius, Remus und Peter schikanieren lassen. Schließlich wechselte er auf die Seiten Voldemorts um wenigstens einmal das Gefühl von Gemeinschaft zu erfahren und zu siegen über die, die ihn gequält hatten. Doch auch dieser Versuch schlug fehl und noch vor Voldemorts Untergang wechselte er ein zweites Mal die Seiten und spionierte für uns weiter.
Im Sommer begann Severus in Hogwarts als Zaubertranklehrer und ich sprach ihm mein vollstes Vertrauen aus: „Severus, ich weiß, dass du ein Todesser warst, aber ich weiß auch, dass du nun für den Orden arbeitest, obwohl für dich die Gefahr besteht, dabei zu sterben. Und du bist für mich unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Denn im Gegensatz zum Ministerium glaube ich, dass du wirklich nur für den Orden arbeitest und nicht für Voldemort.“ Severus hatte sich recht schnell entschieden, diesen gefährlichen Weg zu gehen, und ich glaube kaum, dass er es getan hätte, wenn er noch etwas zu verlieren gehabt hätte. Seit gestern waren nur noch wenige Schüler in Hogwarts. Die Weihnachtsferien hatten begonnen und die Schüler wollten sie verständlicherweise bei ihren Familien verbringen. Wie gerne hätte ich Severus über Weihnachten bei mir in Hogwarts gehabt, aber er sollte sich erholen, in den letzten Wochen war zu viel für ihn geschehen. Ich ging also zu ihm und der Zaubertranklehrer öffnete mir die Tür, die durch unzählige Flüche gegen Eindringlinge geschützt wurden.
„Guten Tag, Severus. Wie geht es dir?“
„Danke der Nachfrage, Professor. Warum sind Sie hier?“, fragte der junge Lehrer vorsichtig und doch bewusst.
Er gab mir noch nicht das Vertrauen, dass ich ihm schenkte. „Ich bin der Meinung, dass Urlaub dir gut tun würde. Geh nach Hause und erhole dich von den letzten Monaten, sie waren anstrengend für dich.“
„Warum sollte ich zurück nach Spinner’s End? Um direkt neben einem Auroren zu wohnen, der mir nicht vertraut?“, fragte Severus sarkastisch.
„Severus, Sir Thorwen vertraut dir, genauso wie ich dir vertraue. Er ist Auror, ja, das stimmt, und er weiß auch, dass du Todesser warst. Und doch hat er dich jedes Mal, wenn er dich gesehen hat, am Leben gelassen. Warum also sollte er dich ausgerechnet jetzt, da du vom Zauberergammot nicht verurteilt wurdest, töten? Bitte, fahr nach Hause.“ Ich sagte „Bitte“ und doch war es mehr ein Befehl. Severus schien es bemerkt zu haben, denn er widersprach mir nicht, sondern packte ohne ein weiteres Wort seine Sachen, verließ das Schulgelände und disapparierte.


Snape erzählt...

Warum wollte Dumbledore unbedingt, dass ich Hogwarts über die Ferien verlasse? Ich hätte auch genauso gut in meinem Kerker bleiben können. Aber wenn er darauf besteht, bitte, dann gehe ich halt und verbringe meine Ferien einsam und alleine in meiner Wohnung. Ich sollte nicht so ironisch sein... Einsam und alleine bin ich auch in Hogwarts, und Dumbledore ist ein guter Mensch, der Einzige, dem ich vertrauen kann.

Da war ich also wieder in Spinner’s End. Die verfallenen Backsteinhäuser hatten sich nicht verändert. Ich betrat meine Wohnung, nahm mir liebevoll eines der alten Bücher aus dem Regal und blätterte darin rum.
Plötzlich klopfte es an der Tür. Wer könnte das sein? Ich wusste, dass die Frage, die mir durch den Kopf schoss, unsinnig war. Es gab nur noch zwei andere Bewohner in dieser Siedlung, den Auroren Thorwen und seine Tochter Cornelia. Ich ließ die Tür geschlossen und machte mir gar nicht erst die Mühe aufzustehen. Es klopfte immer wieder und war kurz davor die Nerven zu verlieren, die Tür aufzureißen und „Was willst du Thorwen?“, zu bellen, als von draußen Stimmen kamen: „Onkel Will, mach die Tür auf! Wir sind es.“
Das wird ja immer besser, dachte ich mir. Da stand eine Horde Kinder, wahrscheinlich auch noch Muggel, vor meiner Tür und wollten den alten Thorwen besuchen. Um dem Lärm ein Ende zu setzen, öffnete ich die Tür. Die Kinder erschraken sichtlich, als sie nicht „Onkel Will“ sondern mich sahen. Eine ältere Frau trat vor und sagte errötend: „Entschuldigen Sie die Störung, Sir. Wir dachten Sir Thorwen würde hier wohnen.“
„Der wohnt da hinten und jetzt verschwinden Sie“, sagte ich mit kalter Stimme, während ich auf das gesuchte Haus deutete. Die circa zwanzig Kinder waren auf einmal ganz still.
„Danke, und entschuldigen Sie vielmals die Störung“, entgegnete die Frau und ich schloss die Tür.
Ich widmete mich wieder meinem Buch, einem Zaubertrankbuch.
Am Abend hämmerte wieder jemand gegen meine Tür. Ich war doch erst seit fünf Stunden hier, konnte ich nicht einmal meine Ruhe haben?
„Snape, mach die Tür auf!“, schrie die Stimme von draußen und ich erkannte die Stimme Thorwens. „Ich weiß, dass du da drin bist!“ Dass mit einem Auroren nicht zu scherzen ist, war mir klar, also ließ ich ihn eintreten.
„Sag mal, bist du verrückt? Wie konntest du Mrs. Meilleuse und ihre Kinder so anschreien?“
„Guten Abend, William“, sagte ich ruhig und doch voller Hass. „Die Kinder haben meine Tür fast eingeschlagen, da wollte ich sie nur beruhigen.“
„Jaaa, so legst du das aus. Die Kinder hatten Panik! Sie wollten mir erst gar nicht erzählen, was passiert ist.“
„Aber irgendjemand schien dir ja doch was erzählt zu haben. Also stell dich nicht so an und verlasse bitte mein Haus.“
„Erst, wenn du mir gesagt hast, warum du die Kinder so erschrecken musstest.“
„William, musst du nicht zu deiner kleinen Conny. Sie macht sich bestimmt Sorgen, wenn du so lange wegbleibst.“
Auf einmal wurde William Thorwen still und erbleichte. So etwas hatte ich bei ihm noch nie gesehen und obwohl ich nie ein gutes Verhältnis zu ihm hatte und obwohl ich nicht wusste, warum er plötzlich so anders war, tat er mir leid. Ich wusste gar nicht, dass ich noch so etwas wie Mitleid empfinden konnte. Bis jetzt war immer ich derjenige gewesen, dem es schlecht ging und der anschließend Todesser wurde um andere Menschen zu verletzen, zu quälen, zu töten. Und es hatte mir Spaß gemacht zu sehen, wie andere leiden mussten, aber jetzt war es anders...
„Cornelia ist... sie ist t...tot“, unterbrach William mich in meinen Gedanken. „Avada Kedavra“, fügte er mit Tränen in den Augen hinzu.
Ich konnte es nicht glauben. Warum musste Cornelia sterben? Sie war doch immer so glücklich und lebensfroh, versuchte sogar mit mir Kontakt aufzunehmen.
Ich weiß nicht, ob William noch irgendwas gehört hatte, ich hörte nur noch die Tür ins Schloss fallen.


Sir Thorwen erzählt...

Ich verließ Severus’ Haus und ließ ihn allein zurück. Wieder einmal war er allein, wie so oft. Früher wäre Cornelia zu ihm gegangen und hätte versucht ihm, der nie Gefühle gezeigt hat, zu ermuntern. Heute sah Severus schlecht aus, es schien mir, als würde er um sie trauern.
Am nächsten Morgen ging ich wieder hinüber zu Severus, ich wollte sehen, wie es ihm geht. Severus öffnete mir die Tür und ich erschrak. „Severus, wie siehst du aus?“ Seine Haare hingen ihm ins Gesicht, seine Haut war noch blasser als sonst und seine Augenringe ließen vermuten, dass er während der Nacht kein Auge zugemacht hatte. Severus gab mir keine Antwort. Ich kannte ihn nun schon seit seiner Geburt und trotzdem hat er mir noch nie vertraut, wahrscheinlich weil ich Auror bin und seine Eltern immer beobachtete, die sich oft stritten. „Severus, sag doch was! Ich habe dich noch nie so niedergeschlagen gesehen.“
„Darf ich ihr Grab sehen?“, fragte er schon fast flüsternd.
„Ja, natürlich. Ich zeig es dir, aber erst musst du was essen“, sagte ich besorgt. Ich setzte Severus auf sein Sofa und brachte ihm etwas zu essen. Nie hätte ich gedacht, dass ihm der Tod eines Menschen so nah gehen würde. Wie oft hatte er schon Menschen ermordet und sich an ihrem Leid erfreut?
Nachdem er gegessen hatte, begleitete ich ihn zum Friedhof. Auf dem Weg dorthin kamen wir an dem Kinder- und Jugendheim vorbei, dessen Kinder gestern vor Severus’ Tür standen. Einige von ihnen waren draußen und blieben wie angewurzelt stehen, als sie mich mit meinem Nachbarn sahen. Ich lächelte ihnen zu, während Severus ohne sie eines Blickes zu würdigen weiterging.
Schließlich erreichten wir den Friedhof. Vor Cornelias Grab blieben wir stehen. Erst gestern hatte ich neue Rosen vor den Marmorstein, den Grabstein, gelegt, auf dem man an den Jahreszahlen ablesen konnte, dass sie nur zweiundzwanzig Jahre alt wurde.
Der junge Mann fand seine Stimme wieder: „Warum?
Und ich erklärte ihm traurig: „Weil sie die Tochter eines Aurors war. Es war letztes Jahr am Heiligen Abend. Cornelia war im Heim um den Kindern, die übrigens keine Muggel sind, wie du wahrscheinlich gedacht hast, kleine Geschenke zu bringen. Sie kam zurück und ging kam ihr entgegen. Ich hielt die Person für einen Zauberer, da er einen Umhang trug. Ich öffnete die Tür, als ich den grünen Blitzstrahl sah und kurz darauf das Dunkle Mal am Himmel. Ich weiß nur, dass es ein Todesser gewesen sein muss, aber wer genau, das weiß ich nicht, obwohl er mir noch „Wärst du kein Auror, dann würde sie noch leben“ zurief. Aber ich war so geschockt, dass ich nichts machen konnte, sonst würde der Mörder jetzt in Askaban sitzen.“
„Warum hast du mich nie verraten, obwohl du genau wusstest, dass ich ein Todesser war?“
„Weil ich daran glaubte, dass du nur aus Verzweiflung zu Du-weißt-schon-wem gegangen bist.“ Und leise fügte ich hinzu: „Und weil ich Angst hatte, dass ich jemanden sehr damit verletzen würde, wenn du in Askaban sitzen würdest.“
„Meine Eltern hätte es nicht interessiert“, sagte Severus kalt und hasserfüllt.
„Ich meinte auch nicht deine Eltern. Hier, nimm das.“ Ich gab ihm etwas, das aussah wie ein Kalender, doch es war ein Tagebuch, ihr Tagebuch. Severus sah mich fragend an, doch ich sagte nichts und ließ ihn alleine am Grab stehen.


Snape erzählt...

Was meinte William mit „Außerdem hatte ich Angst, dass ich jemanden sehr damit verletzen würde, wenn du in Askaban sitzen würdest“? Warum gab er mir diesen Kalender? Ich verließ den Friedhof und ging nach Hause. Ich kam wieder am Heim vorbei, sah, wie glücklich die Kinder waren. Ich blieb stehen und beobachtete sie. Nach einigen Minuten entdeckten sie mich und rannten in das Gebäude. Und wieder war ich allein. Ich erinnerte mich an den Kalender, nahm ihn aus meiner Tasche im Umhang und sah ihn mir an. Jemand hatte ihn angemalt, in gelb und grün. Die Farbe strahlte Wärme und Geborgenheit aus, das, was in meinem Leben fehlte. Ich schlug den Kalender auf und entdeckte, dass es eine Tagebuch war, das Tagebuch von Cornelia! Schnell steckte ich es wieder in die Tasche und lief nach Hause. Dort wollte ich einen zweiten Bick in das Tagebuch werfen.


Das Tagebuch erzählt...

Liebes Tagebuch,
endlich Ferien! Ich meine, ich gehe gerne zur Schule, aber Ferien bedeuten, dass Severus wieder nach Spinner’s End kommt. Ich wäre auch so gerne auf Hogwarts, aber als Squib hatte ich keine Chance die Schule zu besuchen, eigentlich schade ;-)
Schade auch, dass Severus nie auf mich achtet. Er ist jetzt sechzehn und seit Jahren versuche ich ihm ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, er sieht doch immer so traurig und alleingelassen aus. Wenn ich doch nur mehr über ihn wüsste...

Severus Snape blätterte weiter.

Liebes Tagebuch,
es sind nun drei Jahre her, seit ich das letzte Mal in dieses Buch schrieb, Severus ist nun 21 Jahre alt. Und ich muss leider sagen, dass ich von ihm enttäuscht bin. Vater sagte mir letztens, dass Severus seit langem ein Todesser ist! Warum nur? Wenn er meine Liebe zu ihm schon nicht erwiderte, so hatte ich doch gehofft, dass ich ihn als Freund gewinnen könnte. Vergeblich. Aber was will ein Todesser auch schon mit einer Squib?
Hoffentlich tötet er keine Menschen. Ach, diese Hoffnung ist so schwachsinnig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er töten wird, schließlich ist es die Aufgabe eines Todessers. Aber wie konnte es so weit kommen? Wie kann ein Mensch zum Todesser werden? War Severus so verzweifelt? Ich kann es mir nicht anders erklären. Hätte ich ihm doch nur helfen und ihn davon abbringen können, die Seiten zu wechseln...
Vater hat mir versprochen, Severus nicht zu verraten, obwohl es auch für ihn eine große Gefahr ist. Was würde das für Schlagzeilen geben: Auror deckt Todesser! Aber ich kann Vater nicht darum bitten, Severus zu verraten. Ich könnte es nicht ertragen, erfahren zu müssen, dass er den Kuss bekommen hat. Aber was, wenn herauskommt, dass Vater einen Todesser nicht ausgeliefert hat? Ich würde mir ewig Vorwürfe machen, dass er sich für mich dieser Gefahr ausgesetzt hat und schließlich doch in Askaban landet. Warum musste Severus mich vor diese Entscheidung stellen?


Snape erzählt...

Ich konnte es nicht glauben. War ich die ganze doch nicht so alleine wie ich immer gedacht habe? Es gab wirklich einen Menschen, der mich liebte, obwohl ich nie etwas von ihr wissen wollte. Und dann wurde sie von einem Todesser getötet, nur weil sie die Tochter eines Aurors war, des Aurors, der mich nicht den Dementoren auslieferte. Wie sehr muss er seine Tochter geliebt haben, dass er selbst jetzt sein Geheimnis dem Ministerium nicht preisgeben will.
Conny hat ja recht, wenn sie schreibt, dass ich verzweifelt war. Ich habe ihr immer die kalte Schulter gezeigt, wenn sie mal wieder bei mir vorbeikam. Aber doch nur, um zu verbergen, wie sehr ich mich nach Wärme sehnte. Meine Eltern haben sich doch nur gestritten. Mein Vater konnte es nicht haben, dass seine Frau eine Hexe war und sie es ihm erst nach der Hochzeit erzählt hat. Was konnte ich denn dafür, dass es ihm nicht gefiel? Warum musste ich darunter leiden, die meiste Zeit in meinem Zimmer verbringen und zuhören, wie sie sich wieder streiten mussten? Es ist doch seine Schuld, dass ich die meiste Zeit damit verbrachte, Zaubersprüche zu lernen und neue zu erfinden. Ebenso mit Tränken. Nicht umsonst bin ich der Meister der Zaubertränke geworden. Ich musste dafür mit einer sorgenfreien Kindheit bezahlen.
Und ein Fläschchen tödliches Gift hatte ich noch in meinem Haus hier in Spinner’s End, das letzte, das noch nicht nach Hogwarts gekommen war. Ich habe es aus Sicherheitsgründen hier gelassen. Bevor ich zu den Dementoren käme, würde ich eher mein eigenes Gift zu mir nehmen, zu dem ich noch kein Gegengift erfunden habe. Aber jetzt brauchte ich auch keine Dementoren oder ein Gegengift. Ich wollte nur noch tot sein, und das Fläschchen mit dem grünen Gift sah verlockend aus. Und was hatte ich noch zu verlieren?


Sir Thorwen erzählt...

Mir war unwohl bei dem Gedanken, dass Severus das Tagebuch hatte. Warum habe ich es ihm überhaupt gegeben? Ich hätte es ihm doch auch so sagen können, dass Conny ihn geliebt hat.
Gedanken rasten durch meinen Kopf und ich dachte mir auch, dass Severus alt genug sei, um nichts Dummes anzustellen, aber ich machte mir dennoch Sorgen. Und wie würde es aussehen, wenn ich jetzt mitten in der Nacht zu einem dreiundzwanzig Jahre alten Mann gehen würde, nur um zu sehen, ob es ihm gut geht? Ich sollte mir nicht so viele Gedanken machen.
Ich versuchte also meinen Kopf frei von Gedanken zu bekommen und legte mich ins Bett. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Severus ist doch kein kleines Kind mehr! Aber er hatte keine liebevolle Kindheit, wahrscheinlich hatte er mit dem Tagebuch das erste Mal gemerkt, dass man ihm auch Liebe schenken konnte.
Ich grübelte und grübelte, bis ich schließlich in einen unruhigen Schlaf fiel. So kam es, dass ich auch schon sehr früh wieder wach war und um halb neun ging ich dann doch hinüber zu Severus, meine Sorgen um ihn waren zu groß. Ich klopfte an die Tür, doch niemand öffnete mir. ‚Severus“, dachte ich mir, ‚bitte, mach diese verdammte Tür auf!’ Doch nichts geschah. Mein Herz begann immer schneller zu schlagen, hatte er sich doch etwas angetan? Nein, dass kann nicht sein, Severus ist ein kluger und intelligenter Mensch. Aber er war so verzweifelt. Gestern Morgen sah er doch schon so schlecht und mitgenommen aus.
Also versuchte ich die Tür mit einem Zauberspruch zu öffnen, von dem ich nie dachte, dass er hier funktioniert. Wenn ich bei Severus mit „Alohomora“ eine Tür öffnen kann, dann ist wirklich etwas schlimmes passiert, schoss mir durch den Kopf. Ich rnnte in die Wohnung und da lag er, auf dem Boden seines Wohnzimmers, in der Hand Scherbein eines Glasfläschchens, an denen noch Reste eines grünen Trankes auszumachen waren. „Severus“, rief ich und schüttelte seinen leblosen Körper. „Severus, das kann nicht wahr sein! Ich habe doch Conny erst vor einem Jahr verloren, warum musstest du dich jetzt auch noch vergiften?“
Das konnte doch nicht wahr sein, wäre ich doch nur gestern noch einmal vorbeigegangen. Ich war so in Gedanken und machte mir Vorwürfe, dass ich gar nicht merkte wie Mrs. Meilleuse die Wohnung betrat und sich neben mich stellte.


Mrs. Meilleuse erzählt...

Ich war spazieren, als ich auf einmal den Schrei von Sir Thorwen aus Sapes Haus hörte. Ich rannte sofort hin, klopfte an die Tür und da niemand etwas sagte, trat ich ein. Und da lag Snape und Sir Thorwen kniete neben ihm und rüttelte verzweifelt an dem leblosen Körper. Ich stellte mich neben den Sir und legte meine Hand auf seine Schulter. Er erschrak: „Was... was machen Sie hier?“
„Ich kam nur vorbei und hörte Sie schreien.“
„Severus... er hat sich vergiftet“, sagte er mit zittriger Stimme. „Könnten Sie nach Hogwarts apparieren und Professor Dumbledore bescheid sagen? Ich... ich möchte bei Severus bleiben...“
„Ja, natürlich. Ich werde ihn sofort benachrichtigen. Warten Sie hier, Sir“, sagte ich und verließ das Haus. Wenn ich ehrlich bin, es tat mir überhaupt nicht leid, dass Snape tot war. Ich konnte ihn noch nie leiden. Er war schon als Kind so seltsam, immer in seine dunklen Bücher vertieft.
Ich apparierte also nach Hogwarts und fünf Minuten späterstand ich vor Dumbledores Büro bzw. vor dessen Wasserspeier, zu dem ich kein Passwort hatte. Filch hatte mich bis hierhin begleitet, nachdem er mir das Tor geöffnet hatte, aber weiter wollte er mir nicht helfen. Und da weit und breit kein Lehrer zu sehen war, die Schüler waren auch nicht zu finden, blieb mir nichts anderes übrig als zu warten. Und so vergingen zehn Minuten, zwanzig Minuten, eine halbe Stunde und schließlich sogar eine Stunde, bis Dumbledore aus seinem Büro kam und mich verwirrt ansah. „Was machen Sie denn hier, Mrs. Meilleuse?“
„Sir Thorwen schickt mich. Es ist wegen Professor Snape.“
„Was ist mit ihm? Hat Severus etwas angestellt?“, fragte Dumbledore und klang dabei besorgt, aber auch wütend.
„Nun ja, so könnte man es ausdrücken. Sir Thorwen hat den Professor heute morgen tot in seinem Haus aufgefunden. Er hat sich vergiftet.“
„Severus, tot?“ Dumbledore sah geschockt aus. So eine Nachricht hatte er wahrscheinlich nicht erwartet, was ich ja eigentlich auch verstehen kann. „Das kann unmöglich so sein. Severus hätte sich doch nie selbst umgebracht.“
„Sind Sie sich sicher, Sir?“ Professor Snape war schon immer etwas, na ja wie soll ich sagen... seltsam. Und er war...“
„Ja, ich weiß, dass er Todesser war“, unterbrach er mich, doch ich wollte gar nicht sagen, dass er Todesser war. Dessen war ich mir nie sicher. „Ich werde nach Spinner’s End gehen. Kommen Sie mit zurück?“
„Natürlich komme ich mit, Sir. Ich muss doch zurück zu meinen Kindern.“
Und so gingen wir vor das Schulgelände, disapparierten und waren kurz darauf in Spinner’s End. Dumbledore ging sofort in Snapes Haus und ich musste schnell zu meinen Schützlingen zurück. Sie machten sich bestimmt schon Sorgen.


Dumbledore erzählt...

Was war da vor sich gegangen? Ich konnte nicht glauben, dass Severus tot sein sollte und so rannte ich in sein Haus. Und tatsächlich, da lag Severus, Sir Thorwen hatte ihn inzwischen auf sein Bett gelegt, die Hände über der Brust gefaltet, und saß nun daneben. Das muss ein böser Traum sein, dachte ich, aber Sir Thorwen sagte ohne aufzublicken: „Professor Dumbledore, ich konnte nichts mehr für ihn tun.“
„Es ist doch nicht Ihre Schuld, Sir Thorwen“, sagte ich mit kaum hörbarer Stimme. Ich fühlte mich wie um Jahre gealtert, als ich mich auf die Bettkante neben ihn setzte.
Sir Thorwen ließ mich mit Severus alleine. Er ging ins Wohnzimmer, denke ich. Meine Hände waren eiskalt als ich über seine Hände strich. Auch seine Hände waren kalt. Natürlich mussten sie kalt sein, Severus war seit mehreren Stunden tot. Ja, er war wirklich tot.
Ich wollte Severus eine Strähne schwarzen Haares aus dem Gesicht streichen, da merkte ich, dass seine Haut etwas wärmer war als meine Hände! Wie konnte das sein? Der junge Mann war irgendwann in der Nacht gestorben und konnte jetzt unmöglich noch Wärme in sich haben. Meine Hand glitt vom Gesicht an seinen Hals und ich bemerkte, dass man noch einen schwachen Puls fühlen konnte.
„Severus“, flüsterte ich, „du lebst ja noch!“
Wie konnte das sein? Severus hatte doch Gift zu sich genommen, und ich denke mir, dass es eines seiner eigenen Gifte gewesen sein musste. Und die wirkten innerhalb von Minuten.
„Sir Thorwen“, rief ich, „kommen Sie schnell!“
Er kam angerannt und fragte: „Was ist los? Warum haben Sie mich gerufen?“
„Severus, er lebt noch.“
„Das ist noch unmöglich. Seine Gifte wirken so schnell und hundertprozentig. Und das Gift, dessen Reste noch neben ihm lagen, waren mir unbekannt.“
„Es ist ja nicht gesagt, dass er gerade diesen Trank zu sich genommen hat“, meinte ich, „aber auf jeden Fall lebt er noch, und wir sollten schnell etwas unternehmen.“
Sir Thorwen schlug vor: „Dann sollten wir Severus ins St.-Mungo bringen.“
„Das wäre das Beste für ihn, in der Tat, wenn man auf die medizinische Versorgung achtet. Aber Severus würde niemals freiwillig ins St.-Mungo gehen.“
„Er hat keine Wahl und wir haben sie auch nicht, wenn wir wollen, dass er überlebt.“
„Doch“, sagte ich und hoffte, dass es überzeugend klang. „Wir können ihn nach Hogwarts bringen. Madam Pomfrey kann sich dann um ihn kümmern.“
„Entschuldigen Sie, aber sind Sie verrückt? Severus braucht professionelle Hilfe, und die würde er im St.-Mungo bekommen.“ „Vielleicht bin ich verrückt, ja. Aber ich bezweifle, dass man ihn im St.-Mungo gut behandeln würde. Er ist für die Leute dort nur ein Todesser, der Selbstmord begehen wollte.“
„Sie haben recht. Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Aber wenn Madam Pomfrey ihm nicht helfen kann, dann bringen wir ihn ins St.-Mungo.“
Ich versprach ihm, dass wir es so machen würden, murmelte „Levicorpus“ und ließ ihn vor mir nach draußen schweben. Dort fassten wir jeder einen seiner Arme und apparierten bis kurz vor das Schulgelände. Dann ließ ich ihn wieder schweben und wir brachten ihn in den Krankenflügel. Glücklicherweise waren die wenigen Schüler, die noch in Hogwarts waren, in der Großen Halle und aßen zu Mittag.
Madam Pomfrey war in ihrem Zimmer und sah uns kommen. „Was ist passiert?“, fragte sie mit einem besorgten Blick auf Severus.
„Er hat irgendein Gift zu sich genommen. Entweder war es eines seiner eigenen, aber dann hätte er einen Fehler bei der Herstellung machen müssen, so dass er jetzt noch lebt. Und das bezweifle ich. Oder, und darauf würde ich tippen, er hat den Trank der lebenden Toten zu sich genommen.“
„Ok, aber ich muss Sie bitten, draußen zu warten, damit ich mir Professor Snape in aller Ruhe genauer ansehen kann“, sagte unsere Krankenschwester und begleitete Sir Thorwen und mich zur Tür.
Und dann begann das Warten. Um Severus später peinliche Fragen zu ersparen, gingen wir in mein Büro. Fawkes brannte gerade, gelbe Flammen loderten auf und ein Häufchen Asche blieb zurück. Natürlich würde mein Phönix gleich wieder auferstehen.
„Setzen Sie sich, Sir Thorwen.“
„Danke.“
Wir saßen uns gegenüber, aber niemand sprach. Ich überlegte, was geschehen war, ob ich es hätte verhindern könne, wenn ich Severus nicht nach Spinner’s End geschickt hätte. Plötzlich sagte Sir Thorwen: „Es ist meine Schuld.“
„Es ist nicht Ihre Schuld, dass Severus sich vergiften wollte. Niemand kann etwas dafür. Severus ist für sein eigenes Leben verantwortlich.“
„Aber ich habe ihm dieses Tagebuch gegeben.“
„Welches Tagebuch?“ Ich war irgendwie verwirrt. Wie konnte eine Tagebuch jemanden zum Selbstmord treiben?
„Cornelias Tagebuch. Ich habe es ihm gegeben, nachdem wir an ihrem Grab waren. Severus wird es wahrscheinlich gelesen haben.“ „Und was hat Ihre Tochter da reingeschrieben?“
„Zu viel. Ich hätte es Severus nicht geben sollen. Er muss so verzweifelt gewesen sein, als er es las. Ich glaube, er mochte Conny.“
Ich versuchte weiterhin herauszufinden, was in diesem Tagebuch stand, aber Sir Thorwen wollte nichts mehr dazu sagen.
Stattdessen erzählte er mir von dem Kinder- und Jugendheim, in dem junge Hexen und Zauberer heranwuchsen, und wie glücklich sie waren, obwohl sie die meiste Zeit nur im Heim verbrachten, kaum Ausflüge machten und nur selten Besuch bekamen. Wenn, dann nur von ihm, den sie „Onkel Will“ nannten, und der ihnen Geschichten von Hogwarts erzählte.
Auf einmal klopfte es an meine Bürotür und Madam Pomfrey trat ein.
„Und, was ist mit Severus?“, fragte ich besorgt.
„Er hat tatsächlich nur eine Überdosis vom Trank der lebenden Toten zu sich genommen. Aber ich bezweifle, dass ich ihm hier helfen kann.“
„Was soll das heißen, Sie können ihm nicht helfen“, fragte Sir Thorwen geschockt, „geben Sie ihm doch ein Gegengift, oder... oder einen Bezoar. Aber tun Sie doch was!“
„Beruhigen Sie sich, Sir. Ich würde ihm ja gerne helfen, und ich habe es ja auch schon mit einem Bezoar versucht, aber er zeigt keine Wirkung. Ich möchte nicht wissen, wie viel Professor Snape getrunken hat.“
„Haben Sie kein Gegengift?“, fragte ich.
Madam Pomfrey antwortete traurig: „Ja, ich habe ein Gegengift, aber es ist uralt. Professor Snape wollte mir nach den Ferien ein neues Gegengift mischen.“
Musste ich es nun doch zulassen, dass Severus ins St.-Mungo kommt? Aber das wollte ich nicht und Severus, das wusste ich, wollte es auch nicht. Doch Madam Pomfrey schien davon überzeugt: „Professor, es wäre das beste für ihn, wenn er ins St.-Mungo kommt. Man kann ihm dort helfen.“
„Kann man es nicht mit dem alten Gegengift versuchen? Eine Chance, dass es wirkt, besteht doch noch, oder nicht?“
Die Krankenschwester schüttelte den Kopf: „Nein, Sir. Es wäre zu gefährlich diesen Trank zu benutzen, und das wissen Sie.“
„Aber es muss doch noch eine andere Möglichkeit geben. Ich möchte nicht, dass Severus ins St.-Mungo kommt.“
„Es gibt noch eine andere Möglichkeit“, meldete sich Sir Thorwen zu Wort. „Ich könnte ins St.-Mungo gehen und einen der Ärzte holen, und mit ihm das Gegengift.“
„Und Sie glauben, dass das so einfach geht?“, meinte Madam Pomfrey, „ es wäre viel einfacher, wenn wir Professor Snape ins St.-Mungo bringen würden.“
„Natürlich wäre das viel einfacher, aber Sie haben doch gehört, dass Professor Dumbledore es nicht möchte. Außerdem kenne ich dort einige Leute. Das bringt ein Leben als Auror so mit sich.“
Madam Pomfrey gab sich schließlich doch damit einverstanden und mir war es nur recht. Und so machte der Auror sich auf den Weg.


Madam Pomfrey erzählt...

Mir wäre es viel lieber gewesen, wenn Professor Snape ins St.-Mungo gekommen wäre, aber Professor Dumbledore war nun einmal der Direktor.
Nachdem Sir Thorwen gegangen war, wollte auch ich gehen, doch Professer Dumbledore sagte: „Madam Pomfrey, darf ich zu ihm?“
„Ja, aber nur kurz“, entgegnete ich und ging. Er folgte mir.
Professor Snape lag noch immer leblos in seinem Krankenbett. Wenn ich doch nur wüsste, wie viel er getrunken hatte. Auf jeden Fall mehr als genug, so viel stand für mich fest.
„Wird er wieder gesund werden?“ Unser Schulleiter sah schlecht aus, sehr schlecht. Die ganze Sache schien ihn sehr mitzunehmen, was ich auch verstehen konnte. Er vertraute Professor Snape und hatte nicht damit gerechnet, dass dieser sich das Leben nehmen wollte.
„Es kommt darauf an, wie lange Sir Thorwen braucht. Mit jeder Minute verlieren wir wertvolle Zeit. Wir wollen hoffen, dass es nur der Trank der lebenden Toten war und dass er nichts darunter gemischt hat.“
„Sie machen mir Hoffnungen.“ Professor Dumbledore setzte sich neben das Krankenbett und streichelte sanft über die linke Hand des Lehrers. Da ich ihm ein Engelshemdchen hatte anziehen müssen, sah man das Dunkle Mal auf seinem Unterarm. War dies der Grund, warum er sich hatte umbringen wollen?
Die Zeit verging und nichts geschah. Professor Dumbledore wurde zusehends nervöser. Ich hatte ihm erlaubt, bei ihm sitzen zu bleiben. Vielleicht würde seine Anwesenheit Professor Snape helfen gegen das Gift anzukämpfen. Ich hatte Angst um den Lehrer, seine Körpertemperatur sank immer weiter und wenn nicht langsam jemand vom St.-Mungo kommen würde, dann würde Professor Snape mir unter den Händen wegsterben und ich könnte nichts tun außer zusehen. Aber ich traute mich nicht, Professor Dumbledore davon zu erzählen.
Und dann, nach zwei Stunden kam Sir Thorwen endlich zurück. Und er brachte jemanden mit. „Darf ich vorstellen, das ist Doktor Austen, Spezialist für Vergiftungen.“
„Guten Tag, Doktor Austen. Der Patient liegt dort hinten. Kommen Sie mit.“
Der Spezialist folgte mir, Professor Dumbledore stand auf, begrüßte ihn und gab die Sicht auf Professor Snape frei. Dr. Austen ging auf ihn zu und erblickte das Dunkle Mal. Er sah mich an: „Das ist ein Todesser.“
„Professor Snape war ein Todesser. Aber er hat noch vor Voldemorts Sturz die Seiten gewechselt. Bitte, helfen Sie ihm, Dr. Austen. Ich kenne ihn seit seiner Geburt, er hat es nicht verdient, so zu sterben“, flehte nun auch Sir Thorwen.
„Sie sind Auror. Gerade Sie sollten alles daran setzen, dass solche wie er ausgerottet werden.“
„Natürlich ist es gut, wenn das Ministerium Todesser findet. Aber Professor Snape wurde vor dem Zauberergamot freigesprochen“, meinte Professor Dumbledore.
„Wenn selbst das Ministerium meint, dass jemand mit dem Mal von Du-weißt-schon-wem auf dem linken Unterarm unschuldig ist, dann stimmt im Ministerium etwas nicht. Ich werde ihn nicht behandeln.“
„Dann geben Sie uns das Gegengift, nur ein Fläschchen. Bitte“, sagte Professor Dumbledore.
„Das ist es nicht wert“, sagte der Spezialist, verließ den Krankenflügel und lief die Treppen hinunter. Sir Thorwen folgte ihm. „Bitte, geben Sie mir etwas von dem Gegenmittel. Sie sind doch dazu verpflichtet Leben zu retten“, konnte ich ihn noch sagen hören.
„Ich kann ihm nicht mehr helfen, Professor.“
Niedergeschlagen ließ er sich auf den Stuhl fallen und flüsterte: „Warum, Severus, warum?“

Einige Zeit später kam Sir Thorwen zurück, mit einem Lächeln.
„Ich habe ein Fläschchen bekommen. Hier, Madam Pomfrey.“
Er gab mir das Gegengift und ich bemerkte, dass Professor Dumbledore sagte: „Es gibt noch Hoffnung, Severus. Du wirst das überleben.“
Ich gab Sir Thorwen ein Zeichen und er verstand es. „Professor Dumbledore, kommen Sie mit raus. Severus braucht jetzt Ruhe.“
„Nein, ich möchte bei ihm bleiben.“
„Madam Pomfrey wird uns bestimmt benachrichtigen, sobald eine Änderung eintritt. Kommen Sie.“
Ich nickte Professor Dumbledore zu. Sir Thorwen ergriff seinen Arm und zog ihn liebevoll nach draußen, so dass ich die Tür abschließen konnte.
Ich nahm das Fläschchen und öffnete es, während ich zu Professor Snape ans Bett ging.
Hoffentlich funktioniert es und das Gegenmittel wirkt. Aber eine andere Wahl hatte ich nicht. Also flößte ich Professor Snape einige Tropfen der goldgelben Flüssigkeit ein. Und von nun an hieß es warten. Warten, wie der junge Lehrer darauf reagieren würde. Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit nicht vergehen würde und ständig klopfte entweder Professor Dumbledore oder Sir Thorwen an die Tür des Krankenflügels, doch ich konnte ihnen nichts neues berichten. Und so setzte ich mich wieder an das Krankenbett.
Es muss so nach zwei oder drei Stunden gewesen sein, als Professor Snapes Temperatur wieder anfing zu steigen. Das Gegengift zeigte Wirkung!
Sofort schrieb ich auf ein Stückchen Pergament, dass Professor Dumbledore und Sir Thorwen zum Krankenflügel kommen sollten. Auf einen Ruf hin kam meine Eule aus meinem Zimmer angeflogen, nahm den Brief und brachte ihn zum Schulleiter.
Es dauerte nicht lange und die beiden standen vor der Tür. „Ist was passiert?“, fragte Professor Dumbledore und stürzte zu Professor Snape.
„Ja, das Gegengift scheint Wirkung zu zeigen. Sein Körper wird wärmer und auch sein Puls lässt sich nun gut fühlen.“
„Er ist also über dem Berg?“, fragte Sir Thorwen.
„Das kann ich noch nicht sagen“, erklärte ich, „die Nacht könnte noch kritisch werden. Aber ich glaube, dass er es schafft.“
„Kann ich während der Nacht hier bleiben?“
„Ich glaube, dass das keine so gute Idee ist, Professor.
Entschuldigen Sie, wenn ich es so sage, aber Sie sehen sehr schlecht und mitgenommen aus. Legen Sie sich lieber schlafen. Sie können morgen früh direkt vor dem Frühstück hierher kommen.“

Ich blieb die ganze Nacht über wach, einmal in der Stunde musste ich ihm wieder einige Tropfen einflößen. Professor Snapes Zustand besserte sich und am frühen Morgen, so gegen fünf Uhr, wachte er das erste Mal wieder auf. „Wo... wo bin ich?“, fragte er verwirrt und sah sich um.
„Guten Morgen, Professor. Sie sind im Krankenflügel.“
Ich glaube, dass er es nicht wirklich registriert hat. Er schlief sofort wieder ein.


Snape erzählt...

Ich wachte auf und wusste nicht, wo ich war. Professor Dumbledore lächelte mich an: „Guten Morgen, Severus.“
„Professor, was ist passiert?“ Ich war verwirrt. Wie war ich in den Krankenflügel gekommen? Und warum trug ich dieses seltsame Hemd? Und dann auch noch weiß!
„Du hast versucht dich umzubringen. Sir Thorwen hat dich gestern in deinem Haus gefunden.“
„William... Cornelia... das Tagebuch... die Kinder vom Heim... das Gift... der Trank der lebenden Toten. Ja, ich erinnere mich.“ Mir fiel gar nicht auf, dass ich es laut ausgesprochen hatte, bis ich Dumbledores Lächeln sah.
„Erzählst du mir, was passiert ist?“, fragte Dumbledore mich. Wir waren alleine im Krankenflügel.
Ich atmete tief durch. Sollte ich ihm von den Geschehnissen erzählen? Sonst erzählte ich doch auch niemandem von meinem Leben. Es ging niemanden etwas an, was ich dachte oder fühlte. Aber ich spürte das Verlangen, dass ich davon sprechen musste, und Dumbledore konnte ich vertrauen.
„Ich weiß nicht... Ja, ich erzähle es Ihnen, Sir. In Spinner’s End erzählte William mir, dass seine Tochter, Cornelia, letztes Jahr umgebracht wurde. Wir gingen zu ihrem Grab und William gab mir ihr Tagebuch.“ Ich machte eine Pause und sah aus dem Fenster, wandte mich von Dumbledore ab.
„Was stand in dem Tagebuch?“, fragte er ruhig.
„Obwohl sie wusste, dass ich Todesser war, hat sie mich geliebt.“ Ich unterbrach wieder und überlegte, was ich weiter sagen sollte.
„Und ich nehme an, sie hat ihren Vater darum gebeten dich nicht zu verraten?“ Woher wusste Dumbledore das? Na ja, er kannte William, vielleicht hat er es ihm mal erzählt
„Ja, und er hat diese Gefahr auf sich genommen, weil er seine Tochter so sehr geliebt hat.“ Ich konnte nicht weiter erzählen. Warum konnte Cornelia mich lieben? Ich verstand es nicht.
„Und darum wolltest du dich umbringen?“
„Ich weiß nicht. Ich weiß überhaupt nicht was ich da gedacht habe. Doch, ich dachte mir, wenn ich nicht mehr lebe, dann müsste William keine Angst haben, dass jemand hinter sein Geheimnis kommt, und der Dunkle Lord würde mir nichts antun können, wenn er irgendwann zurückkommen sollte.“
„Aber warum hast du den Trank der lebenden Toten gewählt, obwohl du tödliches Gift zu Hause hattest?“
„Ich wollte das Gift nehmen, aber ich war mir auf einmal nicht mehr sicher, ob ich das wirklich wollte...“ Ich wandte mich Dumbledore wieder zu und spürte, wie warme Tränen über mein Gesicht liefen. Aus Hass? Aus Wut? Aus Verzweiflung? Ich konnte es nicht glauben, wie weit war es gekommen, dass ich weinte? Das war mir seit meiner frühen Kindheit nicht mehr passiert. Und sonst zeigte ich doch auch niemandem meine Gefühle. Dumbledore legte seine Hand auf meine. „Und dann habe ich den Trank der lebenden Toten genommen, der neben dem Gift stand, dessen Fläschchen ich schon in der Hand hatte. Der Trank der lebenden Toten war höher konzentriert als normal und ich trank mehr als nötig war um mit einem Bezoar die gegenteilige Wirkung zu erzielen.“
„Du musst keine Angst haben, dass Voldemort dir etwas antut. Außerdem steht ja auch gar nicht fest, dass er wiederkommt. Aber bis dahin bist du auf jeden Fall sicher und danach werden wir weitersehen. Und glaube mir, Severus, ich werde dich verteidigen, wenn es sein muss, dann auch mit meinem Leben. Und um Sir Thorwen musst du dir auch keine Sorgen machen. Ich habe mit dem Zaubereiministerium gesprochen.“
„Was?“ Wie konnte Dumbledore dem Minister sagen, dass William die ganze Zeit von mir wusste?
„Er hat gesagt, da du freigesprochen wurdest, ist es nicht ganz so schlimm. Sir Thorwen darf seinen Beruf als Auror jedoch nicht weiter ausüben und steht nun unter verschärfter Beobachtung.“
Madam Pomfrey betrat die Krankenstation und sah mich verblüfft an: „Nanu, der Professor hat geweint? Das kenne ich gar nicht von Ihnen.“
„Ich auch nicht, Madam Pomfrey“ und das erste Mal lächelte ich, und es war ehrlich gemeint.
„Professor Dumbledore, ich möchte Sie bitten Professor Snape nun ausruhen zu lassen. Er hat eine harte Nacht hinter sich.“
Dumbledore verließ den Krankenflügel und Madam Pomfrey meinte: „Wie geht es Ihnen, Sir? Ich hoffe, dass Sie mir so etwas nie wieder antun. Und wenn, dann geben Sie mir bitte vorher ein Gegengift.“
Ich muss wieder eingeschlafen sein und wachte erst gegen Mittag wieder auf. Madam Pomfrey brachte mir gerade etwas zu essen. „Wenn Sie gegessen haben, dann dürfen Sie für ein paar Stunden aufstehen, aber am Abend hätte ich Sie gerne wieder hier im Krankenflügel.“
„Wo finde ich denn meinen Umhang und den Rest?“
„Ich bringe sie Ihnen gleich. Sie sollten Ihre Kleidung mal waschen und was haben Sie da überhaupt in den Taschen?“
„Das geht Sie überhaupt nichts an!“ Was erlaubte sich die Frau eigentlich? Es ist doch wohl meine Sache, wie ich mit meiner Kleidung umgehe. Ich spürte, wie Wut in mir hochstieg, nahm die Sachen, die Madam Pomfrey mir brachte und zog mich um. Wo sollte ich jetzt hingehen? In den Kerker? Zu Dumbledore? Nach Spinner’s End? Sollte ich überhaupt nach Spinner’s End zurückkehren oder den Rest der Ferien hier verbringen?
Ich entschied mich, erst einmal in meinen Kerker zu gehen.


Sam erzählt...

Ich kam gerade vom Mittagessen aus der Großen Halle und wollte in meinen Gemeinschaftsraum gehen, als Snape mir entgegen kam. Er sah anders aus als sonst, irgendwie wütender. Und das bekam ich auch zu spüren.
„Was schleichst du dich hier rum?“, fragte er mich mit seiner leisen, zischenden Stimme.
„Ich wollte nur hoch in den Gemeinschaftsraum“, antwortete ich. „Zehn Punkte Abzug für Gryffindor, weil du im Schloss rumschleichst.“
„Ich komme gerade vom Mittagessen“, entgegnete ich.
„Noch mal zehn Punkte Abzug wegen Widerspruch.“ Und damit ging Snape in Richtung Kerker. Sollte er doch da unten verrecken! Ich würde nie um ihn trauern. Zwanzig Punkte Verlust für Gryffindor. Warum machte er das überhaupt? Ich wusste, dass wir auf dem letzten Platz waren, und mit einem Blick auf die Punkte, sah ich, dass es wirklich kein böser Traum war. Slytherin hatte inzwischen 947 Punkte, und wir Gryffindors hatten gerade mal 163 Punkte! Und das nur wegen Snape! Warum kann er sich nicht mal aus Versehen mit seinen eigenen Tränken vergiften? Dann wären wir ihn für immer los und Gryffindor hätte eine Chance auf den Hauspokal! Und außerdem könnten wir dann einen neuen Lehrer für Zaubertränke bekommen. Bis zum Anfang des Jahres war Zaubertränke mein Lieblingsfach, aber seit Snape hier ist, kann man das Fach ja nicht mehr aushalten. Ich muss zugeben, Snape versteht sein Kunstwerk, aber als Lehrer ist er ein totaler Versager.
Warum war Snape eigentlich schon wieder hier? Ich dachte, er wäre über die Ferien außerhalb von Hogwarts. Da kann man noch nicht einmal Weihnachten in Ruhe feiern. Aber morgen war ja erst Heilig Abend. Vielleicht geht er ja wieder. Hoffentlich.


Dumbledore erzählt...

Ich wollte Severus noch einmal besuchen, doch als ich im Krankenflügel war, hatte er die Station schon verlassen. Wo könnte er hingegangen sein? Ich ging weiter nach unten und sah Sam, einen Viertklässler aus Gryffindor, der sich die Punkte seines Hauses scheinbar verärgert ansah. „Da müsst ihr wohl noch einiges aufholen, wenn ihr den Hauspokal gewinnen wollt“, sagte ich.
Der arme Schüler erschrak und antwortete enttäuscht: „Ja, Professor Snape hat mir gerade zwanzig Punkte abgezogen, die muss ich erst mal wieder zurückbekommen.“
„Kannst du mir sagen, wo Professor Snape hingegangen ist?“
„Nach unten, ich denke mir mal, dass er in seinen Kerker gegangen ist.“
„Danke.“ Und mit einem Schlenker meiner Hand gab ich Gryffindor die zwanzig Punkte zurück. So wie ich Snape kenne, hat er die Punkte nur abgezogen, weil er schlechte Laune verbreiten will. Und Sam hat noch nie gegen Regeln verstoßen.
Ich ging hinunter in den Kerker und klopfte an die Tür seines Büros, die kurz darauf geöffnet wurde. Severus ließ mich ohne ein Wort zu sagen eintreten. Er setzte sich hinter seinen Schreibtisch und sah sich die Tischplatte an. Sie schien äußerst interessant zu sein.
„Wie geht es dir, Severus?“, fragte ich.
Er gab mir keine Antwort. Ich wollte ihm so gerne helfen, aber er wollte sich nicht helfen lassen. Ich hatte überhaupt Glück, dass er mir erzählt hat, warum er sich umbringen wollte und dass er Gefühle gezeigt hat.
„Was wirst du jetzt machen? Willst du hier bleiben oder zurück nach Spinner’s End?“
„Heute muss ich ja noch hier bleiben, Sir.“ Severus fand die Tischplatte anscheinend immer noch sehr interessant.
„Brauchst du noch irgendetwas aus Spinner’s End? Sir Thorwen wird es dir bestimmt holen.“
„Meine Güte, nein, und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe, Sir“, sagte Severus.
„Severus, ich will dir doch nur helfen.“
„Niemand kann mir helfen. Gehen Sie, Sir.“ Es war wirklich kaum zu glauben, selbst wenn Severus so am Boden zerstört war, achtete er darauf mich „Sir“ zu nennen. Ich ließ den jungen Mann alleine in seinem Kerker zurück. Wenn ich doch nur wüsste, wie ich ihm helfen könnte.
Ich ging hoch in den Krankenflügel und wollte Madam Pomfrey fragen. Sie saß in ihrem Zimmer neben dem Krankenflügel.
„Professor Dumbledore, guten Tag“, begrüßte Sie mich.
„Guten Tag, Madam Pomfrey. Wissen Sie vielleicht einen Rat, wie man Severus helfen könnte? Ich kann es nicht haben, ihn so niedergeschlagen zu sehen.“
„Nein, Sir, ich weiß auch keinen Rat. Ich glaube, er muss da selber durch.“
„Aber man muss ihm doch irgendwie helfen können.“ Ich stand völlig hilflos da. Gab es denn wirklich nichts?
„Professor, ich glaube, Sie müssen einsehen, dass Sie Professor Snape hier nicht helfen können.“


Sam erzählt...

Ich ging in die Große Halle zum Abendessen und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, die Halle war bereits voll, aber Snape war nicht da! Entweder kommt er später, er hat Hogwarts verlassen, also für den Rest der Ferien, oder er ist in seinem Kerker verreckt. Aber das war nur ein Traum, warum sollte ausgerechnet Snape verrecken, er ist ja schließlich erst dreiundzwanzig Jahre alt. Auf jeden Fall standen die Chancen gut, dass wir Weihnachten ohne ihn feiern würden.
Auch während des Essens kam Snape nicht und ich wagte zu hoffen, dass er nicht mehr kommen würde. Und es geschah wirklich nichts und ich ging hoch in den Gemeinschaftsraum.


Professor Snape erzählt...

Abends war ich pünktlich im Krankenflügel, legte mich in das Bett und wechselte kein einziges Wort mit Madam Pomfrey, die immer wieder versuchte, irgendetwas aus mir herauszubekommen.
Obwohl es mir besser ging, konnte ich nicht einschlafen. Ich lag die halbe Nacht wach und überlegte, was ich morgen machen würde. Und so schlief ich ein, in Gedanken an den nächsten Tag.
Am nächsten Morgen, es hatte bereits während der ganzen Nacht geschneit, durfte ich den Krankenflügel verlassen und brauchte auch nicht mehr zurückzukommen. Ohne jemandem bescheid zu geben, verließ ich das Schulgelände und apparierte nach Spinner’s End.
Ich ging erst noch einmal zum Friedhof um mir Connys Grab ein zweites Mal anzusehen. Die Rosen waren schon am welken, ich hatte leider keine frischen dabei. Dann ging ich zurück zu meinem Haus und kam am Kinderheim vorbei. Einige Mädchen und Jungen waren draußen und spielten im Schnee. Schnellen Schrittes ging ich weiter, doch nicht schnell genug. Auf einmal traf mich ein Schneeball am Arm, am linken Unterarm. Ich schrie auf und blieb stehen. Die Kinder erschraken. Ein Mädchen, ich schätze mal, dass sie zehn Jahre alt war, kam schüchtern an den Zaun, hielt jedoch großen Abstand zu mir. „Es... es tut mir Leid, Sir. Ich wollte Sie nicht treffen.“
Ich schenkte ihr einen bösen Blick und ging weiter. Vor einem Jahr war Cornelia auch hier gewesen und hatte den Kindern kleine Geschenke gebracht. Die Kinder hatten sich bestimmt gefreut.
Madam Meilleuse war zwar eine Hexe, aber Geschenke, die ewig hielten, konnte auch sie nicht herzaubern, sie würden sich wieder in Luft auflösen. Genauso war es mit einem Weihnachtsbaum.
Ich kam zu Hause an und nahm mir noch einmal das Tagebuch zur Hand. Wie gerne hätte ich noch etwas Gutes für Conny gemacht, aber es gab nichts mehr, was ich für sie machen könnte. Oder doch, es gab noch etwas. Ich könnte ihr Werk fortsetzen. Nein, dass würde gegen meinen Ruf gehen, die Kinder kommen schließlich später einmal nach Hogwarts. Aber Conny hat mich auch geliebt, obwohl ich Todesser war und ihren Vater darum gebeten, nichts zu sagen. Ich war es ihr schuldig, ihr Werk fortzusetzen.
Ich packte meine Sachen und apparierte zurück nach Hogwarts. Dort brachte ich meinen Koffer in den Kerker und machte mich auf die Suche nach Hagrid. Ich fand ihn am Rande des Verbotenen Waldes, er fällte gerade eine riesige Tanne.
„Professor, was kann ich für Sie tun?“, fragte er gut gelaunt wie er immer war.
„Ich bräuchte eine Tanne“, sagte ich, wie so oft mit meiner kalten, ruhigen, leisen Stimme.
„Natürlich, Sir. Wie gefällt Ihnen diese hier?“ Er zeigte auf den Baum, den er gerade gefällt hatte.

Am Nachmittag nahm ich die große Tanne und ließ sie mit „Mobiliarbus“ schweben. So wie Hagrid konnte ich sie nun nicht hinter mir herziehen. Dazu fehlte mir selbst bei bester Gesundheit die Kraft. Als ich das Schulgelände verlassen hatte, apparierte ich gemeinsam mit dem Baum nach Spinner’s End. Dort stellte ich die Tanne ab, mit einem Zauberstabschwenker wurde der Baum geschmückt und mit einem weiteren Zauber hing ein Pergamentzettel an der Tanne, auf dem „Merry Christmas! Professor S. Snape“ stand. Ich ließ grüne Funken in die Luft steigen und verschwand. Ich ging zum Grab um Conny noch einmal Auf Wiedersehen zu sagen. Auf dem Weg dorthin hörte ich noch, wie die Kinder den Baum bestaunten und sich über die Überraschung freuten.
Es war inzwischen dunkel, als ich gelbe Rosen auf Cornelias Grab legte. Die Blumen hätten ihr bestimmt gefallen. Ein letztes Mal ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Es war zu spät um noch etwas rückgängig zu machen. Cornelia war tot und sie würde nie wieder leben.


Professor Dumbledore erzählt...

Severus kam spät am Abend zurück. Ich begegnete ihm, als ich durch das Schloss ging. „Severus, da bist du ja. Wo warst du?“ „Ich war in Spinner’s End, Sir“, antwortete er mir nur knapp. Aber er sah besser aus, als gestern.
„Du siehst so zufrieden aus. Hast du mit Cornelia und der Vergangenheit abgeschlossen?“
„Ich glaube, ja. Professor, entschuldigen Sie, aber ich würde gerne in mein Büro gehen.“
„Natürlich, Severus.“ Ich ließ ihn gehen. Jetzt bestand keine Gefahr mehr für ihn. Er hatte es hinter sich gebracht und musste sich jetzt keine Vorwürfe mehr machen. Ich merkte, wie es auch mir wieder besser ging. Die letzten Tage hatten mich wohl doch ziemlich mitgenommen.
In dem Moment hörte ich, dass jemand draußen vor dem Tor stand.
Ich ging hinaus und sah Madam Meilleuse. „Guten Abend, was machen Sie denn hier?“
„Professor, heute... ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll... ich glaub ich habe Snape gesehen... nein, das kann nicht sein...“
Ich lachte, die arme Frau war ganz verwirrt. „Machen Sie sich keine Sorgen, Madam. Professor Snape lebt noch. Er hatte nur den Trank der lebenden Toten getrunken. Und heute war er in Spinner’s End.“
„Dann war es wirklich Snape, der den Weihnachtsbaum aufgestellt hat?“
„Das kann gut möglich sein, ja.“
„Das hätte ich ihm nie zugetraut, dass er zu so etwas fähig ist. Den Kindern eine Freude zu machen, das ist ihm doch noch nie eingefallen.“
„Ja, das ist wirklich das erste Mal. Was Liebe nicht alles bewirken kann.“
„Sie meinen, Snape ist verliebt? Dann nimmt man doch kein Gift zu sich.“ Madam Meilleuse war verwirrt.
„Nein, er ist nicht verliebt. Ich meine, Liebe anderer Menschen ist doch viel stärker als der Tod. Erst beschützt die Liebe einer Mutter, Lily Potters Liebe, ihren Sohn vor dem Tod, und dann entdeckt ein Mann seine gute Seite, nur weil er erfährt, dass er geliebt wurde. Und wie kann man das besser ausdrücken als an Weihnachten, dem Fest der Liebe?“

- Ende -
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