VÖLKERKUNDE

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             GLADIATOREN

                      

Um Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. übernahmen die Römer von ihren etruskischen Nachbarn den Brauch, bei Totenfeiern für bedeutende Männer bewaffnete Kriegsgefangene auf Leben und Tod miteinander kämpfen zu lassen. Die Römer jedoch faszinierte daran weniger der fromme Zweck als vielmehr das Spiel mit dem Tod, das Sensationelle. Und so entwickelte sich bei ihnen aus dem religiösen Leichenschaukampf etwas ganz anderes, eine Institution, die in der Geschichte der Menschheit kein Gegenstück hat: das römische Gladiatorenwesen.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine gigantische Vergnügungsindustrie, die schließlich Hunderttausende von Menschen beschäftigte und Unsummen verschlang. Ihre Aufgabe war es, im ganzen Römischen Reich eine Art Zirkusspiele für alle mit einem möglichst abwechslungsreichen Programm zu organisieren: Spiele, deren größte Attraktion der Kampf auf Leben und Tod war. Der erste rein römische Gladiatorenkampf ist für das Jahr 264  v. Chr. bezeugt.

Zu diesem Zweck steckte man Sklaven, Gefangene und Verbrecher später auch Freiwillige ("Auctorati" genannt), in Uniformen, ließ sie von Fechtlehrern zu " Gladiatoren"  ausbilden und  hetzte sie unter den Augen der Zuschauer gegeneinander, bis Blut floß und der Unterlegende sein Leben aushauchte. Diesem römischen Gladiatorenwesen fielen im Laufe der Jahrhunderte Millionen von Männern und Frauen zum Opfer. Sie starben - oft zu Hunderten an einem einzigen Tag - auf öffentlichen Plätzen, in Theatern, in Rennbahnen und in den Arenen der eigens für Gladiatorenkämpfe errichteten Amphitheater. Mit ihnen verendeten unvorstellbare Mengen wilder Tiere, die von einer Armee von Tierfängern angeliefert wurden.

Grundriß der "großen Schule" in Rom

  

Es gab auch weibliche Gladiatoren. Die Römer nannten diese bewaffneten Frauen nach dem kriegerischen Frauenvolk der griechischen Sage: Amazonen. An Mut, Ausdauer und Geschicklichkeit konnten es die Amazonen mit ihren männlichen Berufskollegen durchaus aufnehmen. Die Quellen berichten sogar von einer berühmten " essedaria ": :  einer Amazone, die von einem Streitwagen herab kämpfte. Auch gab es Munera, auf denen Gladiatoren und Amazonen gemeinsam auftraten.  Im Jahre 200  n. Chr. wurden Amazonenkämpfe in Arenen für immer verboten. Diese hatten derart überhand genommen, daß selbst der damalige regierende Kaiser Septimus Severus dem nicht länger tatenlos zusehen mochte.

Berufsgladiatoren erhielten ihre Ausbildung in besonderen Schulen. Bis zum Ende der Römischen Republik waren die Gründung und der Unterhalt solcher Schulen Privatsache von Liebhabern und Geschaäftsleuten. Die erste, von der wir wissen, errichtete ein Unbekannter in Capua, das bis in die Spätzeit das Zentrum des römischen Gladiatorenwesens blieb.  Reste von Gladiatorenschulen hat man bisher in Pompeji und Rom ausgegraben. Die von Pompeji umfasste an die hundert Räume, die um einen Innenhof herum angeordnet waren. Untergebracht waren die Gladiatoren in kleinen Zellen.

   

Die am besten erhaltenste Gladiatorenschule (in Pompeji ausgegraben). Ansicht Innenhof.

  

Zu jeder Gladiatorenschule gehörte auch ein Gefängnis. Das in Pompeji ausgegrabene war so niedrig, daß die dort eingekerkerten darin nicht aufrecht stehen konnten. In den Raum hat man auch eine eiserne Hand- oder Fußfessel gefunden - für 10 Mann. Vier zu Arrest Verurteilte lagen noch angekettet in diesem  vergitterten Loch, als im Jahre 79 n. Chr. der Vesuv ausbrach und die Stadt unter Schutt und Asche begrub.

Die meisten Schüler erduldeten zähneknirschend den harten Drill. Eine Minderheit aber ließ sich immer wieder zu Verzweiflungstaten hinreißen. Darunter war Selbstmord die häufigste. Die Lehrer wußten das und hatten die Schüler im Auge. Nach der Trainingszeit war der Gebrauch und der Besitz von Waffen untersagt. Trotzdem fanden Verzweifelte immer wieder Gelegenheiten, sich selbst zu töten. So hörte man von einem Gladiator, der in seiner Not den Kopf zwischen die Speichen eines rollenden Wagens steckte. Ein anderer rammte sich ein spitzes Holz in die Kehle. Und wieder andere kämpften in der Arena "ohne Haß", d.h. sie ließen sich einfach niederstechen.

Seltener berichtete man von Aufstand oder Flucht. Das lag wahrscheinlich auch daran, daß flüchtige Gefangene in der Regel am Kreuz endeten. Berühmt geworden ist vor allem der sogenannte "Aufstand des Spartacus" (einen entsprechenden Bericht über Spartakus ist hier auf der HP zu finden) der im Jahre 73 v. Chr. begann und die Römer 3 Jahre lang in Atem hielt.

Zusammen mit Schauspielern, ausgestoßenen Soldaten, kleinen Ganoven, Prostituierten und anderen gehörten Gladiatoren zu den sogenannten " i nhonesti  ", den Ehrlosen. Vor dem Gesetz waren sie Menschen zweiter Klasse. Weder durften sie ein öffentliches Amt bekleiden, noch Anklage vor einem Gericht erheben. Gladiatoren, die gefallen oder an einer Krankheit gestorben waren, wurden ohne weitere Umstände in einem Massengrab beigesetzt. Es sei denn, Verwandte bezahlten für eine "angemessene" Beerdigung. Ausnahmen hierbei waren allerdings Selbstmörder und Prostituierte.

Gladiatorenkämpfe wurden nicht nur vor Ort, sondern auch in der näheren Umgebung öffentlich angekündigt. Den Auftrag dazu gab der Veranstalter an eine erfahrene Werbefirma. Bei der Ausgrabung von Pompeji hat man mehr als 80 gemalter Vorankündigungen gefunden. Eine davon lautete so: " Am 31. Mai wird in Pompeji die Gladiatorengruppe des Aedilen Aulus Suettius Certus kämpfen. Es wird eine Tierhetze und Sonnensegel geben. Glück allen Kämpfern aus der Schule Kaiser Neros. - Dies schrieb Secundus; die Wand weißte Victor; geholfen hat Vesbinus; Firma (unleserlich). "

Die  ersten Gladiatorenspiele begannen im Laufe des Vormittags. Eröffnet wurde mit einer "  pompa " : dem feierlichen Ein- und Umzug der Teilnehmer. Angeführt von Fanfarenbläsern und dem Veranstalter. Beschlossen wurde die Pompa von einem Musikzug und den von Stallknechten geführten Pferden der Berittenen, sofern Kämpfe zu Pferde stattfanden. Sobald die Pompa das Amphitheater verlassen hatte, hieß es "Arena frei" . Eröffnet wurde für gewöhnlich von den sogenannten " Paegnariern " - so hießen die Männer, die ungeschützt mit Peitschen, Knüppeln und eisernen Haken aufeinander losgingen.

Die ersten Tierkämpfe sahen die Römer 186 v. Chr.. Vorgeführt wurden Löwen und Leoparden, die man gegen Bären, Stiere, wilde Eber und Hirsche hetzte. Dabei hatten sie eine von vier möglichen Rollen zu übernehmen: die des " Henkers", die des Kämpfers gegen andere Tiere, die des Gegners von Gladiatoren und - am häufigsten - die des Jagdwildes. Die Henker waren die Tiere, die z.B. Verurteilte im Rahmen einer Hinrichtung zerrissen.

Die ersten Gladiatoren waren , wie schon erwähnt, Kreigsgefangene und traten  jeweils in der Rüstung und den Waffen ihres Volkes an. Wo immer es möglich war, wählte man die Gegner in einem Duell auf Leben und Tod so aus, daß sie nach Körpergröße, Körperkraft und Geschicklichkeit einander ebenbürtig waren. Dauerte der Kampf zu lange, konnte der Veranstalter diesen vorzeitig , unentschieden abbrechen. Das Urteil lautete dann für beide Gegner: " stans missus "  (aufrecht stehend entlassen).

Ein Verletzter warf die Waffen von sich und streckte, weithin sichtbar, einen Finger in die Luft, das Zeichen für die Bitte um Schonung. In diesem Fall  beendete der Schiedsrichter das Duell, indem er den Arm des Siegers griff und ihn festhielt.  Es lag auch in seinem Ermessen, ob der Unterlegende begnadigt wurde oder nicht. Meist aber überlies er diese Entscheidung den Zuschauern. Hielten die den Daumen nach oben, hieß das, er solle leben!  Zeigte der Daumen allerdings nach unten, hieß das: Er soll sterben!  Auf ein Zeichen des Veranstalters hin ließ sich der Besiegte, sofern er dazu noch im Stande war, mit gefalteten Händen auf die Knie nieder und senkte in Demutsgeste den Nacken. Im selben Augenblick gab der Schiedsrichter den Arm des Siegers frei, der mit aller Kraft zuschlug oder stach.

Der Sieger erhielt, neben dem Beifall, aus der Hand des Veranstalters einen Palmzweig oder einen Eichenkranz. Dazu kam in der Regel noch eine Geldprämie. Das Leben eines Gladiatoren war alles in allem grausam kurz. Den meisten ereilte das Schicksal schon nach wenigen Kämpfen. Es kam aber auch vor, daß einer zehn, zwanzig oder gar dreizig Siege vorwies. In solchen Fällen war es üblich, ihm die Freiheit zu schenken.. Der erfolgreichste Kämpfer war übrigens der Freiwillige Publius Ostorius aus Pompeji, der in nicht weniger als 51 Kämpfen als Sieger hervorkam.

Die Gladiatorenkämpfe fanden 399 n. Chr. ihr Ende. Der Kaiser in Berytos (heute Beirut) erließ das erste Edikt im  Jahre 326 n. Chr. und bestimmte, daß fortan alle Verbrecher statt zur Arena, zur Zwangsarbeit in den Bergwerken verurteilt wurden. Später taten es ihm andere nach. 365  n. Chr. verschärfte Kaiser Valentinian die Bestimmungen, Verurteilte zur Arena zu schicken Und im Jahre 399  n. Chr. ließ Kaiser Honorius in Rom sämtliche noch bestehende Gladiatorenschulen schließen. Das entgültige Aus für die Munera folgte dann noch einmal 5 Jahre später.  Den Anstoß gab ein Mönch aus Kleinasien, der im Jahre 404  n. Chr. in ein Munus eingedrungen und versucht hatte, die Gladiatoren zur Aufgabe des Kampfes zu bewegen. Diesen frommen Eifer büßte er mit seinem Leben. Doch das Opfer des Mönches war nicht umsonst. Unter dem Eindruck seines Märtyrertodes verbot Kaiser Honorius die Gladiatorenspiele für immer.

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                   DAS ALTE ROM

          

Kultur und Alltagsleben einer faszinierenden Epoche - Der Legende nach wurde Rom 753 v. Chr. von Romulus und Remus gegründet, die Söhne des Kriegsgottes Mars. In der Frühzeit regierten Könige über die auf 7 Hügeln erbaute Stadt am Tiber. 509  v. Chr. stürzten Adlige den grausamen Etruskerkönig Tarquinius: Rom wurde Republik mit zwei jährlich gewählten Konsuln an der Spitze. Die Nachbarstaaten wurden dem Reich einverleibt. Ihre Kultur, vor allem die der griechischen Stadtstaaten Süditaliens, prägte Rom entscheidend.. Um 260 v. Chr. war Rom bereits eine Weltmacht. Nach dem entgültigen Sieg über Karthago 146 v. Chr. , beherrschte Rom  schließlich den gesamten Mittelmeerraum .

Nicht immer wurde Rom von Kaisern regiert. Jahrhundertelang war es eine Republik. Die Zeit dieser Staatsform ging jedoch in den Bürgerkrieg vor und nach Caesars Tod, als verschiedenen Heerführer um die Alleinherrschaft rangen, zu Ende. Caesar war den stolzen Senatoren zu Machthungrig geworden. Sein Adoptivsohn Octavian (später Augustus), der einzige Überlebende der Machtanwärter, stellte die Ordnung wieder her. Als brillianter Politiker reformierte er den Staat und brachte der Welt den römischen Frieden zurück. Obwohl er als Alleinherrscher das Heer hinter sich wußte, vergaß er nicht die Abneigung der Römer gegen die Königsherrschaft. So rief er die alte Republik mit sich selbst als "ersten Bürger" aus. Eine Täuschung, denn schließlich wurde Augustus der erste Kaiser und vererbte bei seinem Tod (14 n. Chr.) den Thron an seinen Adoptivsohn Tiberius. Von da an wurde Rom 400 Jahre lang von Kaisern regiert.

                       

Das römische Reich verdankte seine Macht den Legionen, dem vielleicht erfolgreichsten Heeren der Geschichte. Jede Legion bestand aus etwa 5.000 Fußsoldaten (Infanterie), römischen Bürgern, die als Freiwillige 20 - 25 Jahre dienten. Die Legionäre bildeten das "Herz " der Armee und trugen den Hauptanteil der Schlachten aus. Um Meutereien zu vermeiden, behandelten die Kaiser ihre Soldaten bevorzugt. Die Ausrüstung der Legionäre bestand aus: Kopfschutz - ein Helm, der Gesicht und Hals gleichermaßen schützte; unter der Rüstung trugen sie wollene Tunkas, die bis oberhalb des Knies reichten, darüber der Brustpanzer aus Metallbändern, die an der Innenseite durch Lederstreifen verbunden waren (ähnlich einem Korsett) , ein Gürtel, (eine Lederschürze) wurde um die Tunika gewickelt und diente so als zusätzlicher Schutz; gutes Schuhwerk war unerläßlich, sie trugen  feste, aber leichte Ledersandalen. Die Sohlen waren mit Eisennägeln beschlagen (wie etwa Fußballschuhe) ; zusätzlich trugen sie noch Schwert und Dolch,ein Wurfgerät, ein Schild und Marschgepäck - Rucksack, mit Werkzeug, Schüssel und Pfanne, eine Wolldecke ,Verpflegung und eine Lederflasche für Wasser oder Wein. Annähernd um die 40 kg mußten die Soldaten tragen.

Uniform eines römischen Legionärs, rechts Gürtel für die Tunika

  

                        

Schmuck wie diesen aus Glasperlen trug fast jede Frau

  

Von römischen Frauen erwartete man(n) traditionell, daß sie hingebungsvolle Ehefrauen und Mütter waren. Mädchen erhielten bestenfalls eine niedere Schulbildung - wenn überhaupt. Die Freiheit, die eine Frau genoß, hing wesentlich von ihrem Vermögen  und ihrem sozialen Status ab. Reiche Frauen waren unabhängig. Viele Römerinnen gebrauchten Schminke. Den modischen blassen Teint erhielten sie durch Auflegen von gemahlener Kreide oder weißer Bleiverbindung. Aus rotem Ocker wurden Rouge und Lippenfärbemittel hergestellt. Augenschminke aus einer Mischung, die Asche und Antimon enthielt. Manche dieser Kosmetika waren giftig. Die Frauen trugen eine innere und eine äußere Tunika aus Leinen oder Wolle. Reiche trugen chin. Seide oder ind. Baumwolle. Das Spinnen und Weben gehörte zur Aufgabe der Frau. Ausserhalb von Heim und Geschäft gab es nur wenig Karrieremöglichkeiten für ein Frau. Reiche Damen konnten Priesterinnen der Vesta oder anderer Göttinnen werden. Es gab einige selbstständige Geschäftsfrauen, bekannt ist z.B. Lamperherstellerin, Hebammen, Friseusen und (selten) Ärztinnen.

 

Schmuck reicher Frauen, Ohrringe gefunden in einem Grab.

 

                            

Nur für wenige glückliche Kinder bestand das Leben ausschließlich aus Spielen und Lernen. In der Grundschule konnten Kinder von 7 bis 15 Jahren lesen, schreiben und rechnen lernen. Zum Frühstück suchten sie auf dem Schulweg eine Gaststätte auf (wie noch heute in Italien üblich). Der Unterricht dauerte vom Morgengrauen bis zum Mittag, viel Auswendiglernen und Prügel für schlechte Leistungen. Mädchen erhielten nur eine niedere Schulbildung, danach erlernten sie von ihren Müttern hausfrauliche Fertigkeiten. Die Kinder der Reichen wurden zuerst von einem Hauslehrer unterrichtet, die Söhne nahmen dann, als Vorbereitung auf eine Karriere in Justiz oder Verwaltung, Unterricht in Rhetorik und Grammatik. Das Ingenieurwissen der Römer wurde innerhalb der Handwerksfamilien oder Berufsstände weitergegeben.. Die Armen besuchten meist keine Schule, sie mußten schon früh arbeiten. Manche Eltern setzten sogar Kinder, die sie nicht ernähren konnten, in der Wildnis aus.

Die Familie war den Römern heilig. Doch sie verstanden unter diesem Begriff etwas anderes als wir. Der    "pater familias " , Vater und Oberhaupt der Familie, herrschte uneingeschränkt über die anderen Mitglieder des Haushaltes, von der Ehefrau bis zu den Sklaven. Theoretisch besaß er sogar Macht über Leben und Tod seiner Kinder, er konnte es ablehnen, sie als seine Nachfolger und Erben einzusetzen und sie sogar als Sklaven verkaufen. In der Praxis aber wurden Frauen und Kinder nicht so unterdrückt, wie es den Anschein hat. Die Frau überwachte den Haushalt und die Finanzen und erzog die Kinder bis zum Schulalter.

                           

Die Römer übernahmen die Kunst des Theaterspielens aus Griechenland und die besten Schauspieler waren gewöhnlich Griechen. Bühnenaufführungen waren zunächst Teil religiöser Feiern; später wurden sie von Reichen finaziert, die die Gunst der Massen gewinnen wollten. Der Eintritt war frei - wenn man es schaffte, hineinzukommen. Angehörige aller Klassen gingen ins Theater. Da die Schauspieler einen schlechten Ruf hatten, durften die Frauen nicht in den Reihen direkt vor der Bühne sitzen. Die Römer mochten Komödien lieber als Tragödien. Sie erfanden auch eigene Schauspielformen wie den "Mimus". (Panthomime)

                               

Nur wenige Häuser besaßen eigene Bäder, die meisten Leute besuchten öffentliche Badeeinrichtungen. Diese dienten  nicht nur der Körperpflege. Die Männer trafen sich dort nach der Arbeit um zu spielen, zu plaudern und sich zu entspannen. Die Frauen hatten eigene Badeanstalten oder suchten Thermen schon am Morgen auf. Die Bäder bestanden aus einer Turnhalle (oder eintspr. Platz) und den eigentlichen Baderäumen. Von den Umkleideräumen aus gelangte man zu mehreren Kammern mit abgestufter Temperatur. Man setzte sich trockenenr Hitze aus (Sauna) oder heißem Dampf (türkisches Bad). Seife war kaum bekannt, stattdessen benutzte man Olivenöl. Danach sprang man in ein Kaltwasserbecken, danach folgte meist eine Massage, bevor man zum Essen nach Hause ging.

                             

Dutzende Sprachen und Dialekte wurden im Römischen Reich gesprochen, doch die Hauptverkehrs-und Schriftsprache waren Latein im Westen und Griechisch im Osten. Auch heute noch gebrauchen wir das lateinische Alphabet. Es bestand ursprünglich aus 22 Buchstaben (I und  J wurden ebenso wenig unterschieden wie U und V;  W und Y gab es  gar nicht). Aus Mangel an Schulbildung konnte ein Großteil des Volkes weder lesen noch schreiben. Der Buchdruck war noch nicht erfunden, deshalb waren die von Hand kopierten Schriften selten und teuer. Zum Schreiben benutzte man Rohr-und Metallgriffel mit Federspitzen

                          

Ausgrabungsfunde belegen, wie geschickt die Römer mit den verschiedensten Materialien umzugehen wußten. In manchen Gegenden z.B. blühte die Töpferei als Industriezweig. Viele Töpfer waren Sklaven oder Freigelassene.  Die uns überlieferten Namen zeigen, daß es sich fast ausschließlich um Männer handelte. In Städten wie Pompeji gabe es auch hunderte kleiner Betriebe: Goldschmiede, Elfenbeinschnitzer, Glasbläser und andere.

                           

Die römische Kochkunst kommt uns heute recht fremdartig vor. Ein überliefertes Rezept empfiehlt z.B. Siebenschläfer, in Honig unf Mohnsamen gekocht. Auch waren viele unserer modernen Grundnahrungsmittel noch nicht bekannt. Es gab weder Kartoffeln noch Tomaten. Mehlspeisen waren auch noch nicht erfunden. Wer glaubt, die Römer hätten stets Auserlesenes gegessen, der irrt: Die meisten speisten einfach. Ihre Hauptnahrungsmittel waren Brot, Bohnen, Linsen, Kichererbsen und ein wenig Fleisch. Selbst reiche Römer nahmen tagsüber nicht viel zu sich, denn die Hauptmahlzeit war das Abendessen.

Wohlhabende Römer begaben sich zeitig nach Hause, um die Hauptmahlzeit des Tages zu genießen: das Abendessen. Es begann oft schon um 2 oder 3 Uhr nachmittags und dauerte mehrere Stunden. Oft war es mehr ein gesellschaftliches Ereignis, denn es kamen Gäste und zwischen den einzelnen Gängen gab es Unterhaltung. Gabeln benutzten die Römer nicht, sie nahmen einfach die Finger. Die Römer kannten trockene und süße Weine mit den Bezeichnungen "schwarz", "rot", "weiß" oder "gelb". Man trank den Wein mit Wasser gemischt. Ihn pur zu trinken galt als unfein. Dagegen hielt man Rülpsen für höflich.

                           

Im römischen Reich wurden hunderte verschiedener Götter und Göttinnen, Halbgötter und Geister verehrt. Sie wurden in menschlicher Gestalt dargestellt. Jeder Bürger hatte den wichtigsten Göttern Rom wie Jupiter und Juno sowie dem Schutzgeist des Kaisers zu opfern. Die Menschen fürchteten die Götter, versuchten sie günstig zu stimmen und baten sie um Hilfe. Sie brachten Gaben zu den Tempeln oder versprachen Geschenke,, wenn sie erhört wurden. Die verschiedensten Dinge wurden geopfert. Von Münzen und Broschen bis zu silbernen Statuen. Augustus versprach dem Mars sogar einen neuen Tempel, falls er ihm helfe,  Julius Caesar zu rächen. Noch heute kann man die Ruinen dieses Tempels für "Mars, den Rächer" in Rom bewundern. Auch Speisen und Getränke wurden geopfert. Tieropfer waren üblich.

                               

Die medizinische Wissenschaft steckte zur Römerzeit noch in den Kinderschuhen. Die Ursache vieler Krankheiten war unbekannt. Viele glaubten, Krankheit werde durch den Zorn der Götter, Hexenwerk oder Flüche verursacht. Die meisten griechischen Ärzte waren teuer, manche waren Betrüger. Und auch die geschicktesten von ihnen konnten Patienten nicht retten, die heute durch Antibiotika oder ähnlichem geheilt werden. Eine Blinddarmoperation, heute Routine, ging damals immer tödlich aus. Die Römer kannten Betäubungsmittel, aber keine echten Narkotika. Daher waren chirurgische Eingriffe gefährlich und schmerzhaft. Kein Wunder, daß die Leute lieber Hilfe von Göttern erbaten!

Die Römer standen dem Tod näher als die meisten heutigen Menschen - ihre Lebenserwartung war gering. Schlechte Ernährung, mangelnde medizinische Versorgung und harte Lebensbedingungen waren Schuld daran. Nur etwa 2 von 3 Kindern erreichten das Erwachsenenalter. Frauen starben oft im Kindbett. Etwa die Hälfte der Bevölkerung wurde nicht einmal 50 Jahre alt, nur wenige erreichten das greise Alter von 80 und mehr Jahren. So überrascht es nicht, daß der Tod nicht verdrängt, sondern von vielen Riten begleitet wurde. Lange war die Feuerbestattung üblich, später wurden die Toten im Sarg beigesetzt. Archäologische Untersuchungen römischer Grabstätten geben zahlreiche Aufschlüsse über das Leben der damaligen Menschen. Die Christen Roms begruben ihre Toten in den Katakomben, einem System unterirdischer Gänge und Kammern mit Wandnischen für die Särge. Zur Verringerung der Seuchengefahr verbot das römische Gesetz Bestattungen innerhalb der Stadt.

                        

Nach dem Jahr 200 n.Chr. wandelte sich das Römische Reich. Ständige Konflikte mit den "Barbaren" im Norden und den kriegerischen Persern im Osten, wirtschaftliches Chaos und andauernde Bürgerkriege zwischen rivalisierenden Heerführern begründeten den Niedergang Roms. Zeitweise gelang es Diokletian und seinen drei Mitregenten, den Frieden wieder herzustellen, doch um welchen Preis! Das Reich stöhnte unter der Last einer sich aufblähenden korrupten Bürokratie und die Armee verlor zusehends an Macht. Um das Jahr 400 n. Chr.  wurde das Heidentum mehr und mehr unterdrückt. Schließlich teilte man das Reich in zwei Staaten (395 n. Chr.)  Ost- und Westrom. Beider Geschichte sollte sehr unterschiedlich verlaufen.

        - ENDE -                                                     Back to top

 

 

 

 

 

 

        DAS ALTE GRIECHENLAND

       

Kultur und Alltagsleben einer faszinierenen Epoche -  Griechenland, ein gebirgiges Land mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern. Ackerland ist rar und war schon bei den ersten Siedlungsgemeinschaften Anlaß für kriegerische Auseinandersetzungen. Griechenland brachte eine Kultur hervor, die die westliche Zivilisation durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tag stark beeinflußt hat. Die Griechen setzten Maßstäbe in Literatur, bildeneKunst, Theaterwissenschaft, Philosophie, Politik, Sport und vieles andere. Ihren Höhepunkt erreichte die griechische Kultur im Athen des 5. vorchristl. Jahrhunderts.

Die erste Hochkultur der Ägäis entwickelte sich auf Kreta. Diese Insel, die schon seit etwa 6.000 v. Chr. besiedelt ist, erreichte ihre Blütezeit zwischen 2200 und 1450 v. Chr. und verdankt ihren Reichtum dem florienden Handel mit Ägypten, Syrien und anderen. Der fruchtbare Boden brachte Früchte im Überfluß. Diese friedliche kretische Kultur wird nach dem legendären König Minos als minoisch bezeichnet (minoische Kultur). Um 17000 v. Chr, wurden Knossos und die anderen Paläste durch Feuer zerstört, danach aber noch prunkvoller wieder aufgebaut. Diese Kultur erlebte noch einmal einen Aufschwung, der etwa bis 1500 v. Chr. dauerte.

In der Bronzezeit gab es mehrere politische und wirtschaftliche Zentren in Griechenland. Eines davon war Mykenä, die Stadt des Agamemnon, eine nahezu uneinnehmbare Festung. Der König oder Stammesfürst lebte in einem Palast mit vielen Räumen, die gleichzeitig als militärisches Hauptquartier und als Verwaltungszentrum diente. Die Mykener waren Krieger, in ihrem Gräbern fand man Waffen und Rüstungen. Außerdem betrieben sie einen intensiven Handel. Um 1600 v.Chr. erreichte die mykenische Kultur ihren Höhepunkt und stellt sogar die minoische K. in den Schatten. Sie bauten Verteidigungswälle um alle großen Städte. Doch um 1200 v. Chr. wurden die Städte verlassen oder zerstört. Innerhalb von 100 Jahren waren die mykenischen Festungen eingenommen. Eine Periode, die oft das " Dunkle Zeitalter " genannt wird, begann.

Im 12. Jahrhundert v. Chr. verloren die einst so reichen mykenischen Städte und Paläste an Bedeutung oder wurden zerstört, der Handel im Osten stagnierte. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde die untergegangene mykenische Kultur in Sagen und Mythen verklärt, die von Generation zu Generation in Gedichtform überliefert wurden. Zwei dieser Heldengedichte, " Ilias" und " Odyssee " sind auch heute noch bekannt. Im 8. Jhd. v. Chr. wurden sie von Homer aufgeschrieben.

                         

Athen, das Zentrum der Künste und Wissenschaften war der Mächtigste unter den griechischen Stadtstaaten. Schutzherrin der Stadt war Athene. Sie war die Göttin der Weisheit und des Krieges.  Im Parthenon stand eine riesige Gold-Elfenbein-Statue der Göttin Athene. Im Jahre 480 v. Chr. griffen die Perser Athen an und zerstörten die Tempel auf der Akropolis. Später betrieb Perikles den Wiederaufbau der Stadt .

Das alte Griechenland bestand aus vielen unabhängigen Stadtstaaten, die von reichen Adligen, sogenannten Tyrannen, geführt wurden. Diese waren nicht immer grausame Unterdrücker, wie das Wort nahelegt. Doch schlechte Herrscher prägten die negative Bedeutung des Namens und gaben Anlaß zum Sturz der Tyrannis. So auch in Athen, wo eine Volksherrschaft entstand, die man Demokratie nannte. Diese Versammlung war Mittelpunkt des politischen Lebens. Jeder Bürger hatte das Rede- und Wahlrecht in der Versammlung, die nur stattfand, wenn mind. 6000 Männer anwesend waren. Zehn jährlich  gewählte militärische Befehlshaber hatten im Kriegsfall über die Verteidigung der Stadt zu entscheiden. Der athenische Staatsmann Solon (640 - 558 v. Chr.) erließ viele neue Gesetze. So schaffte er z.B. die Schuldknechtschaft ab, d.h. Bauern durften nicht mehr als Sklaven verkauft werden, wenn sie ihre Schulden nicht abzahlen konnten. Für die allgemeine Rechtssprechung führte Solon Geschworenengerichte ein.

 

                         

Die Griechen glaubten, daß alle Götter Nachkommen von Gaia (der Erde)  und Uranos (dem Himmel) waren. Sie schrieben den Göttern menschliche Eigenschaften zu: Ihre Götter verliebten sich, heirateten, stritten, hatten Kinder und musizierten.  Den bekanntesten Göttern weihte man Tempel und Heiligtümer, die man mit Geld und Kunstgegenständen füllte. Die  meisten bis heute erhaltenen griechischen Prachtbauten sind Tempel. In ihnen brachten die Menschen ihre Dank-und Bittopfer dar.      

        

                         

Wie andere Völker glaubten auch die Griechen mit ihren Göttern handeln zu können. Sie brachten ihnen Gold, Silber und Tiere als Opfer dar und veranstalteten ihnen zu Ehren Feste und Spiele. Als Gegenleistung erhofften sie vor Krankheiten bewahrt zu werden und um gute Ernteerträge. Eines der wichtigsten Heiligtümer in Griechenland war das des Apoll in Delphi. Apoll war der Gott des Lichtes, der Dichtung, der Musik und der Heilkunst. Er konnte weissagen und in Delphi sagte er den Menschen die Zukunft voraus. Seine Priesterin fungierte dabei als Sprachrohr. Das Orakel (so nannte man die Weissagunsstätte und die Weissagung selbst) blieb in Delphi bis in christliche Zeiten erhalten.

                               

Die Häuser der Griechen hatten kleine, hoch oben sitzende Fenster. Die Wände bestanden aus ungebrannten, an der Sonne getrockneten Lehmziegeln und waren daher nicht besonders hart. Die Häuser hatten einen Innenhof oder Garten, in dem sich häufig ein Brunnen befand.. Die Fenster waren ohne Glas, die Fensterläden aus Holz.

                           

In kretisch-minoischer Zeit hatten die Frauen noch verhältnismäßig große Freiheiten, doch später bestimmten die Ehemänner, Väter und Brüder zunehmned über ihr Leben. Ohne männliche Begleitung durften Frauen zu Perikles´s Zeiten kaum aus dem Haus gehen. Politische Betätigung war reine Männersache. Darüber hinaus waren Frauen meist nicht erbberechtigt und hatten kaum eigenes Geld. Im Alter von 13 oder 14 Jahren wurden sie mit einem viel älteren Mann verheiratet, den ihr Vater ausgesucht hatte. Wichtigste Funktion der Ehe war es, Kinder, vorzugsweise Jungen, das Leben zu schenken, um den Erhalt der männlichen Linie zu garantieren. Trotzdem gab es glückliche Ehen. Grabsteine mit zärtlichen Widmungen trauernder Männer deuten darauf hin. (Viele Mütter starben bei der Geburt eines Kindes.) Mit ihren Spinn- und Webarbeiten leisteten sie einen wichigen Beitrag zum Unterhalt der Familie.

                       

Die Zukunft eines Kindes lag ganz in der Hand seines Vaters. Sobald es geboren war, übergab die Mutter es dem Vater, er entschied, ob es am Leben bleiben und in der Familie aufwachsen durfte. Wenn er sich nicht dazu in der Lage sah, ein weiteres Kind zu ernähren, wenn das Baby nicht kräftig genug, behindert oder ein unerwünschtes Mädchen war, konnte er es aussetzen. Manche ausgesetzte Kinder fanden als Sklaven Aufnahme in fremden Familien. Wurde ein Kind aber von seiner Familie angenommen und hatte 10 Tage nach der Geburt einen Namen erhalten, war man sehr fürsorglich mit ihm. Spiele und Spielzeug der Kinder von damals kennen wir zum Teil heute noch, etwa Rasseln, Wippen, Drachen und Bälle. Im Alter von 7 Jahren gingen die Jungen zur Schule, die Mädchen blieben zu Hause. Das Alter von 12 oder 13 sah man als Ende der Kindheit an; dann wurde das Spielzeug Apollo oder Artemis geweiht.

                          

Reiche Griechen, insbesondere die Städter, hatten viel Freizeit, die sie gern mit Gesprächen und Festmählern sowie dem Besuch von Sportstätten und jeder Art von Spiel ausfüllten. Musik hatte einen besonderen Stellenwert

In Athen und anderen griechischen Städten veranstalteten die Männer oft Bankette und Trinkgelage für ihre männlichen Bekannten. "Ehrbare Frauen"  waren nicht zugelassen. Sklavinnen, die Hetären, unterhielten die Männer mit Tanz, Flötenspiel und akrobatischen Darbietungen. Der Abend begann mit dem Trankopfer (meist Wein) für die Götter, dazu sang man Lieder zu ihren Ehren. Die Gäste trugen Girlanden und waren parfümiert. Während früh am Abend häufig über Politik und Philosophie gesprochen wurde, ging man später zu Witzen, Rätseln und Geschichte über. Nachdem gut gegessen und getrunken wurde, schliefen die Gäste manchmal auf ihren bequemen Liegen ein. Aufräumen mußten die Frauen und Sklaven.

Griechische Theater gehören zu den beeindruckensten Bauwerken des Altertums. In Städten wie Athen oder heiligen Orten wie Delphi und Epidaurus strömten die Menschen zusammen, um sich Dramen zu Ehren der Götter anzusehn. Die Ursprünge des Schauspiels liegen in Dankfesten, die in Athen zu Ehren des Weingottes Dionysos mit Tänzen und Gesängen gefeiert wurden. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. veranstaltete man Dramenwettbewerbe. Ab dem 5. Jhd. v. Chr. wurden Komödien und Tragödien aufgeführt. Die Schauspieler waren ausschließlich Männer, sie trugen Masken und Perücken, der Chor kommentierte das Geschehen und wandte sich direkt an die Zuschauer.

                             

Die Griechen legten großen Wert auf Schönheit und Sauberkeit. Junge Männer trainierten ihren Körper, um gute Sportler und Soldaten zu werden. Nacktheit galt bei jungen Männern als normal, ihre sportlichen Wettkämpfe trugen sie immer nackt aus. Nach dem Sport rieben sich Jungen und Männer mit Olivenöl ein, um die Haut geschmeidig zu halten. Frauen bedeckten Körper und Kopf, wenn sie das Haus verließen. Ihre Sommerkleidung aus zarten Stoffen war allerdings manchmal nahezu durchsichtig. Sie parfümierten sich mit ätherischen Ölen und setzten ihre Haut möglichst wenig der Sonne aus, da Sonnenbräune als unschön galt. Wohlhabende Frauen trugen kunstvoll gearbeiteten Gold-und Silberschmuck.

                          

Die heimische Schafzucht lieferte den wichtigsten Rohstoff für die Kleidung. Die Schafwolle wurde sehr fein versponnen, sodaß die Gewänder dünner und leichter waren. Außerdem baute man Flachs an, den man zu Garn für kühle Leinenkleidung verspann. Die Reichen kauften teure Seide aus dem Osten, leuchtende Farben waren beliebt. Die Farbstoffe gewann man aus Pflanzensäften, aber auch aus Tieren, z.B. Purpurrot aus Meeresschnecken. Die Kleidung von Mänenrn und Frauen unterschied sich kaum und blieb über Jahrhunderte nahezu unverändert.

                          

Für die Griechen war Sport zugleich Götterverehrung und Übung für den Kriegsfall. Es gab viele regionale Wettkämpfe. Das bedeutenste waren die Olympischen Spiele, die zu Ehren des Gottes Zeus alle vier Jahre in Olympia veranstaltet wurden. Die sportlichen Regeln waren streng und jeder Verstoß wurde hart bestraft.

                            

In der Philosophie (Liebe zur Weisheit) versuchten die Griechen das menschliche Dasein und die Beschaffenheit der Welt zu ergründen. Viele Philosophen glaubten an die Wiedergeburt in einem anderen Körper. Manche hielten sogar Bohnen für einen Aufenthaltsort der Seele und lehnten es daher ab, dieses Gemüse zu essen. Es bestand ein enger Zusammenhang zwischen Philosophie, Kunst und Religion. Obwohl Sokrates (469 - 399 v. Chr.) einer der bekanntesten Philosophen Griechenlands ist, gibt es keine von ihm selbst verfassten Schriften. Philosophen wurde als Statuen oft mit nackter Brust gezeigt.

                            

Krieg war bei den Griechen nichts Außergewöhnliches. Die Stadtstaaten bekämpften sich häufig. Freie Männer mußten Kriegsdienst leisten und für ihre Rüstungen und Waffen selber aufkommen. In Athen bereiteten sich die jungen Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren auf den Kriegsdienst vor, erst danach wurden sie einberufen. In Sparta begann die militärische Ausbildung sehr viel früher. Das Rückrat der griech. Armee bildete die Infanterie. Ärmere Soldaten dienten als Bogenschützen oder Steinschleuderer. Die Fußsoldaten nannte man "Hopliten" (grich. Wort für "hoplon" = Schild)

                           

Die alten Griechen beschäftigten sich eingehend mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Sie griffen Erkenntnisse ägyptischer und babylonischer Gelehrter auf und verstanden es, eine theoretische Basis für angewandte Wissenschaft wie Biologie, Mathematik, Astronomie und Geographie zu schaffen. Ein wichtiges Gebiet war die Medizin. Die Griechen glaubten, daß Krankheit eine Strafe der Götter sei und deren Anbetung zu Heilung führe. Heiligtümer gab es in ganz Griechenland. Viele Kranke verbrachten dort die Nacht im Tempel. Sie glaubten, daß Asklepios ihnen im Traum erscheinen und Behandlungen verordnen würde. Am nächsten Tag fürhrte ein Priester die Behandlungen durch.

Im Altertum starben die Menschen meist recht früh, denn das Leben war hart. Junge Männer fielen im Krieg und junge Frauen starben bei er Geburt eines Kindes. Vom Leben nach dem Tod gab es unterschiedliche Vorstellungen. Am weitesten verbreitet war der Glaube an ein Totenreich in der Tiefe der Erde. Deshalb wurden die Toten meist begraben. Es gab aber auch Totenverbrennungen auf Scheiterhaufen. Die Seele wurde manchmal als winzige geflügelte Person dargestellt und manche glaubten, daß sie den Körper verlasse, sich zum Himmel aufschwinge und als Stern darauf wartete, in einem neuen Körper wiedergeboren zu werden.

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                         INDIANER

                      

Wer Indianer nur aus Karl-May-Büchern oder Western Filmen kennt, hat oft ein falsches Bild von ihnen. Vor der Ankunft der Weißen lebten in Nordamerika einige hundert verschiedene Indianerstämme, die in Europa meist unbekannt sind. Seit Jahrtausenden schon beherrschten die Ureinwohner die Jagd auf mächtige Bisons, erlegten Wale, pflanzten ertragreichen Mais an und bauten mehrstöckige Häuser aus Stein. Aufgrund ihrer Religion lebten sie in Harmonie mit Himmel und Erde, Tieren und Pflanzen.

Als die Weißen ab dem 16. Jahrhundert den Kontinent eroberten und besiedelten, veränderte sich das Gleichgewicht. Zwar blühten dank der aus Europa eingeführten Pferde in der Prärie neue Kulturen auf, doch letztendlich überwogen die Nachteile: Krankheiten, die die Eoropäer eingeschleppt hatten, rafften die Bevölkerung ganzer Dörfer dahin. Überall forderten die Weißen Land von den Indianern oder nahmen es ihnen mit Gewalt. Schließlich blieben den Ureinwohnern nur noch Reservationen.

Drei Millionen Indianer leben heute in Nordamerika. Ihre Zahl wächst, ihr Selbstbewußtsein steigt , und sie sind stolz darauf, daß ihre Vorfahren die ersten Amerikaner gewesen sind. Sie fordern zu Recht Teile des Landes zurück, daß ihnen die Weißen geraubt haben. Und sie versuchen, ihre überlieferten Sprachen und ihre so unendlich vielfältigen Kulturen vor dem Vergessen zu bewahren.

                              

Aber fangen wir doch einfach mal ganz von vorne an: Der berühmteste Entdecker Amerikas ist Christoph Kolumbus (1451 - 1506), ein Italiener aus Genua, der im Dienste des spanischen Königshauses einen neuen Seeweg nach Indien suchte. Als er nach einer beschwerlichen Seefahrt von Spanien westwärts über den Atlantischen Ozean  am 12. Oktober 1492 auf der Bahamainsel San Salvador an Land ging, glaubte er fest, in Indien zu sein. Dehalb nannte er die Bewohner " Ios indios " , zu deutsch. " Inder ". Viel später erkannten andere Entdecker, daß sich nördlich der Inseln ein riesiger, gänzlich unbekannter Kontinent erstreckte und daß Indien noch weit entfernt dahinter liegen mußte. Schließlich unterschied man auch zwischen den Indern in Indien und den Indianern in Amerika.

Kolumbus war - genaugenommen - der letzte, der Amerika entdeckte. Schon Jahrhunderte vor ihm waren die Wikinger in Nordamerika gelandet, und vermutlich hatten irische Mönche und bretonische Fischer die Ostküste gesichtet.. Doch erst nach der Reise des Kolumbus erfuhren allmählich alle Europäer von der Existenz dieser "Neuen Welt".

Bald verbreitete sich das Gerücht, die Ureinwohner Amerikas hätten eine rote Hautfarbe, und man nannte sie darum meist abfällig die " Roten" oder " Rothäute ". Doch eine rote Haut hatten scheinbar nur jene Indianer, die sich auf Kriegszügen oder bei religiösen Anläßen ihre Gesichter oder Körper mit Zinnoberfarbe  anmalten. In Wirklichkeit ist ihre Hautfarbe hell- bis dunkelbraun., und viele sehen den Menschen in Asien ähnlich: Ihre Haare sind schwarz und glatt, sie haben dunkle Augen, und die Haut ist nur spärlich behaart. Diese Ähnlichkeit ist kein Zufall, denn tatsächlich kamen die Vorfahren der Indianer ursprünglich aus Asien, und insofern hatte Kolmbus nicht ganz unrecht.

                          

Schon vor etwa 30. 000 Jahren wanderten Menschen , die seit Generationen in der Arktis Asiens lebten, in den noch menschenleeren nordamerikansichen Erdteil ein. In dieser Zeit lag die Nordhalbkugel unter einer gewaltigen Eisdecke. Die ausgedehnten Gletscher banden so viel Wasser, daß der Spiegel des Pazifiks und des Nordpolarmeeres beträchtlich unter dem von heute lag. So entstand eine Landbrücke zwischen Asien (Sibirien) und Amerika (Alaska), die Beringstarße. Mehrere tausend Jahre war die Beringstrße trockenes Land.

Viele Jägergruppen gelangten während dieser Eiszeit auf den anderen Kontinent. Als Großwildjäger folgten sie den Mammuts, Großhornbisons und Rentierherden (Karibu). Später zogen sie auch den Wildpferden nach, fingen Biber, Kaninchen, Opossum und Waschbär, nutzten den Fischreichtum der Seen und Flüße und sammelten Wildfrüchte.

In den tausenden von Jahren seit der Erstbesiedlung wuchs die Bevölkerung Amerikas stetig an, neue Völker entstanden und siedelten in bisher unbewohnten Gebieten. Als die Europäer ab dem 16. Jahrhundert den Kontinent erforschten, trafen sie von Alaska im hohen Norden bis nach Feuerland, dem südlichen Zipfel Südamerikas, überall Ureinwohner. Wie viele Indianer damals in Nordamerika lebten, weiß niemand genau, vielleicht waren es zehn Millionen, vielleicht auch nur 2 Millionen. Ob es 250 oder mehr Indianerstämme gegeben hat, ist ebenfalls ungewiß, denn der Übergang von einem Stamm zum nächsten und von einer Sprache zur anderen war oft fließend. Ihre Sprachen werden in Sprachfamilien zusammengefasst. Zu den wichtigsten zählen:

                          

Algonkin (wohl die am weitesten verbreitete Sprachfamilie): Arapaho, Blackfoot,Cheyenne, Cree, Delaware, Mahican, Montagnais, Naskapi, Ojibwa, Ottawa, Shawnee.Athapaskisch: Apache, Chiewyan, Dogrib, Navajo, Kutchin, Yellowknife. Irokesisch: Cayuga, Cherokee, Erie, Huron, Mohawk, Oneida, Onondaga, Seneca, Tuscarora. Sioux : Assinbioin, Crow, Dakota, Hidatsa, Mandan, Winnebago. Muskogee: Chickasaw, Choctaw, Creek, Natchez, Seminole. Uto-Aztekisch: Comanche, Hopi, Kiowa, Paiute, Shoshone, Ute.

                       

Im Norden Kanadas und in Alaska erstreckten sich unterschiedliche Nadelwälder aus Fichten, Tannen, Kiefern, Lärchen und Lebensbäume, in die vereinzelt Birken und Pappeln eingestreut sind. Kurze, heiße Sommer und bitterkalte schneereiche Winter bestimmen das Klima der Subarktis (lateinisch: sub = unterhalb, also unterhalb der Arktis). Durch das Dickicht der Wälder gab es für Menschen kaum einen Weg - sie nutzten Wasserwege, um in ihre Jagdgründe zu gelangen. Hier fingen sie mit trickreichen Fallen Biber, Luchse, Marder, Nerze und den Vielfraß, erlegten aber auch Elche und Karibuhirsche. Die Subarktischen Jäger gehörten vornehmlich den weitverzweigtesten Sprachfamilien Nordamerikas an: Im Osten wohnten die Algonkin, im Westen die Athapasken.

Dort, wo Europäer verhungern würden, lebten die "Birkenrindindianer", die Naskapi und Montagnais. Der Wald gab ihnen alles. Aus Ahornsaft kochten sie Ahornsirup und als Notnahrung für den Winter Pemmikan, eine Mischung aus getrocknetem Fleisch, Fett und Beeren. Sie bauten leichte Birkenrindenkanus und deckten ihre kegelförmigen Zelte im Sommer mit Birkenrinde und im Winter mit Karibuhäuten ab. Auch der kufenlose Toboggan, ein leichter Schlitten der von Hunden gezogen wurde, bestand aus Birkenholz. Unentbehrlich waren im Winter Schneeschuhe. In einem breit-ovalen oder kreisrunden Rahmen aus Birkenholz flochten die Naskapi Karibu-Lederriemen. Die westlich wohnenden Cree und Beaver (Biber) besaßen eher längliche Schneeschuhe, die sie wegen ihrer Form Biber - oder Schwalbenschwanz nannten.

 

Südlich der Hudsonbucht siedelte die große Gruppe der Wald-Cree, ihre nördlichen Nachbarn waren die Chipewyan, der stärkste Stamm der Athapasken. Zu ihnen zählten auch die Yellowknife (Gelbmesser) und Dogrib (Hunderippen). Als Nachbarn der Eskimo (Inuit) lebten die Kutchin, sie ernährten sich vor allem von Lachsen und übernahmen den arktischen Kufenschlitten und den Kajak.

                        

Das geographische Gebiet "Nordosten" erstreckt sich vom Mississippi (Großer Fluß) über die Großen Seen bishin zur Atlantikküste im Osten. Vor Ankunft der Europäer war dieses Gebiet bis hinunter in den Süden mit Kiefer, Eiche, Buche und Ahorn bewaldet. In diesem Raum entwickelte sich eine Vielfalt von Lebensweisen indianischer Stämme. Die Heimat der mächtigen und berühmten Irokesen lag am Ontariosee und im Tal des St.-Lorenz-Stromes. Sie waren seßhaft, und in ihren umfriedeten Dörfern wohnten sie in Lagerhäusern. Auf den Feldern bauten sie Mais, Kürbis und Bohnen an. Sie ergänzten ihren Speisezettel durch Fisch, Kräuter, Pilze und Beeren. Zu ihrer bevorzugten Jagdbeute zählten Hirsche und Bären, Hasen und wilde Truthähne.

Von den an den Großen Seen lebenden Indianerstämmen - die Huron am Huronsee und die Erie am Eriesee - sind vor allem die Ojibwa (Chippewa) am Oberen See bekannt. Man bezeichnet sie als "Erntevolk", weil sie jedes Jahr große Mengen an wildem Wasserreis ernteten. Dabei handelt es sich um eine hohe Grasart, die im Wasser wächst und von Booten aus geerntet wird. Der Wasserreis regelte das gesamte Leben der Ojibwa, er war ihnen heilig.

Tiefer im Südosten lag das Gebiet der Natchez und der "zivilisierten" Stämme, zu denen sie Creek, Cerokee, Choctaw und Seminole zählten. Zivilisiert nannte man sie, weil sie sich im 19. Jahrhundert ganz an die Kultur der Weißen anpassten und sogar eigene Staatswesen schufen.

Die Natchez hingegen überlebten den Ansturm der Weißen nicht. In mehreren Kriegen im 18. Jahrhundert töteten und versklavten die Franzosen die Natchez, weil  sie deren fruchtbares Land besitzen wollten. Die Überlebenden flohen zu ihren Nachbarn, den Creek. Im Jahre 1940 starben die letzten Natchez in Oklahoma.

                        

Prärie und Plains nennt man die unendlich weite Grasfläche im Herzen Nordamerikas zwischen dem Mississippi im Osten und dem Felsengebirgen im Westen, den Rocky Mountains. Sie erstreckt sich über 3.000 Kilometer von Kanada quer durch die USA bis nach Mexiko hinein. Vor der Ankunft der Europäer lebten Indianer im östlichen Teil der Prärie und an den Ufern der Flüsse, die in den Mississippi münden. Denn hier war der Boden fruchtbar, und sie pflanzten Mais und Bohen in ihren Gärten. In den Flußauen standen Eiche, Ahorn und Walnußbaum. Der Regen brachte so viel Feuchtigkeit, daß das Gras der Prärie mehr als einen Meter hoch wuchs. Die hier lebenden Prärie-Indianer jagten vor allem Rehe, Wapiti-Hirsche, Gabelböcke und Bisons.

Im westlichen Teil hielten die Rocky Mountains die vom Pazifik heranziehenden Regenwolken zurück. Daher breitete sich dort eine gewaltige Trockensteppe mit nur niedrigem, teils sogar spärlichem Grasbewuchs aus, die Große Ebene oder Great Plains genannt. Das kurze Büffelgras war für viele Tiere eine lebenswichtige Nahrungsquelle, vor allem für die gewaltigen Herden von Bisons. Für Menschen allerdings war dieser Landstrich zu karg. Nur zur Jagd suchten die Indianer die Plains auf. Stämme wie Hidatsa und Mandan siedelten lieber im Flußtal des Missouri, wo sie Mais, Bohnen, Sonnenblumen und Tabak anbauten. Im Sommer, wenn auf den Feldern die Früchte heranreiften, gingen die Männer wochenlang auf die Jagd, die früher sehr mühsam war. Sie folgten den langsam ziehenden Bisonherden durch die wasserarme Steppe und schlichen sich vorsichtig an die grasende Herde heran. Hatten sie - oft weit entfernt vom Lager - einige Tiere erlegt, so konnten sie nur so viel Fleisch zurückbringen, wie sie zu tragen vermochten.

Nach der Ernte zogen sie in die felsigen " Badlands " , um dort Adler zu erbeuten, deren Federn sie zu Federhauben verarbeiteten. Alle Indianer legten Wert auf verzierte Kleidung . Die Lebensweise der halbseßhaften Prärie-Indianer änderte sich erst, als sie Pferde kennenlernten.  Die Spanier, die im 16. Jahrhundert von Mexico aus nach Nordamerika vordrangen, hatten sie aus Europa mitgebracht. Anfangs fürchteten sich die Indianer vor diesen " Großen Hunden ", aber bald bemerkten sie, wie nützlich sie waren. Aus gestohlenen und verwilderten Pferden, den Mustangs, züchteten Apache und Comanche ab 1630 selbst Pferde, und bald konnten sie besser reiten als die Spanier. Im Laufe von gut hundert Jahren breitete sich das Pferd dank indianischen Tauschhandels allmählich immer weiter Richtung Norden aus.

Nun konnten die Jäger viel leichter den Bisons folgen, die Kolosse vom Pferderücken aus mit Pfeil und Bogen erlegen, große Mengen Fleisch ins Lager schaffen - und so in den kargen Plains überleben. Um 1750 besaßen die meisten Indianer der Plains und Prärie Pferde., wie Cheyenne, Sioux (von den Weißen so genannt, sie selber nennen sich Lakota, Nakota und Dakota), Crow (Krähen), Comanche und Kiowa. Und 1775 hatten auch die im Norden lebenden Blackfoot (Schwarzfuß) und Plains-Ojibwa größere Herden. Zwischen 1750 und 1850 blühte die Kultur der Prärie- und Plains-Indianer, wie wir sie aus Filmen kennen: Reiter mit wehendem Federschmuck, die mit Gewehren und Tomahawks bewaffnet gegen die Weißen kämpfen, in Tipis wohnen und von der Bisonjagd leben.

                          

Das riesige langgestreckte Gebiet zwischen Felsengebirge und den die Küste abriegelnden Bergzügen heißt im Norden Hochebene oder Plateau, im Süden Großes Becken. Der Süden ist eine wüstenähnliche Landschaft, in der Dornenbüsche und gelegentlich lichte Nadelwälder wachsen. Nur Sammler und Jäger konnten hier überleben - Ute, Paiute und Shoshone beispielsweise. Sie ernährten sich von Wurzeln und Samen wilder Pflanzen. Am begehrtesten waren die nahrhaften und lange haltbaren Pinyon-Nüsse, eigentlich Samen großer Kiefernzapfen.

Zur Jagdbeute gehörten Schlangen, Eidechsen und Heuschrecken. Kaninchen und Antilopen lieferten außer Fleisch auch wertvolle Felle und Leder. Aus Faserpflanzen flochten Ute und Paiute Körbe, Sandalen und sogar Boote.

Von der Natur besser bedacht waren die Indianer des Plateaus, die Chinook, Salish, Nez Percé (Durchbohrte Nasen), Flathead (Flachkopf) und Kutenai. Hier im Norden mit wildreichen Wäldern und großen Flüssen litten die Menschen nur selten Hunger. Zu bestimmten Zeiten wimmelte es von Lachsen, die zum Laichen die Flüsse hinaufstiegen, und man mußte sie nur mit Speeren oder mit Netzen herausholen. Eine besondere Rolle für ihre Ernährung aber spielte die Zwiebel der Kamas-Pflanze, eine blaublühende Hyazinthenart.

Stellvertretend für die Leidensgeschichte aller Indianer kann das Schicksal der Nez Percé (sie nannten sich selbst Tsutpeli) angesehn werden. Diese Plateau-Indianer galten als hervorragende Züchter des getüpfelten Appaloosa-Pferdes, und sie führten einen heldenhaften Kampf mit ihrem Häuptling Joseph gegen die Weißen. Diese zerstörten die Kamasgründe der Indianer und zwangen sie 1877 ihre Heimat Oregon zu verlassen und sich in ein winziges Reservat in Idaho anzusiedeln. Auch die Zucht ihrer Pferde wurde ihnen untersagt. Sosehr sich  die Nez Percé auch wehrten - die Weißen waren in der Überzahl. Häuptling Joseph starb 1904 an "gebrochenem Herzen".  Häuptling "Looking Glass" wurde bereits 1877 von den Weißen getötet.

                         

An der wald- und regenreichen Nordwestküste war das Leben recht geruhsam. Da die Indianer nicht dem Wild folgen mußten, konnten Kwakiutl, Tlingit und Haida in großen, festen Plankenhäusern aus Zedernholz wohnen. Sie waren 10 - 15 Meter lang und boten Platz für mehrere Familien. Die Flüsse und das Meer vor der Küste wimmelten von Fischen: Riesige Mengen Lachs, Heilbutt, den "Kerzenfisch" Eulachon, Hering, Kabeljau und Schellfisch brachten die Fischer heim, außerdem jagten sie Robben, Delphine und Seelöwen. Die Nootka und Makah waren große Walfänger.

Im Frühjahr pflückten die Indianer jungen Klee und aßen ihn sofort, später im Jahr sammelten sie frische Pflanzensprößlinge, Beeren und Wurzeln. Im Winter lebten sie von all den üppigen Vorräten an gedörrtem Fisch, getrockneten Beeren und Fischöl. Da sie seßhaft waren, hatten sie Zeit für andere Beschäftigungen. Sie schnitzen kunstvolle  (Tanz-) Masken, Truhen, Löffel und reich geschmückte Totempfähle. Zur Erinnerung an wichtige Ereignisse errichteten sie solche Haus- oder Gedenkpfosten, auf denen sie Wal, Biber oder die doppelköpfige Schlange Sisiutl darstellten. Diese Tiere galten als Urahnen der Menschen und waren eine Art Familienwappen, darum spricht man statt von Totempfählen besser von Wappenpfählen.

Ganz entgegengesetzt zum feuchten Norden ist das heiße und trockene Klima im Südwesten. Der größte Teil des Landes ist eine 2.000 Meter hohe Hochebene, in die sich Flüsse wie der Colorado mit tiefen Schluchten (Canyons) eingegraben haben. Auf der Hochebene wachsen nur wenige Pflanzen, vor allem Kakteen, Yuccas, Büsche und Gräser, in Berghängen auch Nadelwälder. Dennoch lebten hier Indianer, die eine hoch entwickelte Kultur besaßen .Die Pima in Arizona legten von den Flüssen aus Kanäle und Dämme an, um ihre Felder mit Mais, Bohnen und Kürbissen zu bewässern. Hopi und Zuni nutzten statt dessen Regenwasser das von den Tafelbergen herabfloß. Ihre Dörfer bestanden aus mehrstöckigen Häusern , die aus Lehmziegeln oder Steinen gebaut waren.

Vor etwa 600 Jahren wanderten verschiedene Jägergruppen aus dem Norden in dieses Gebiet ein. Sie nannten sich selber Dineh, erst die Spanier gaben ihnen später die Namen Navajo und Apache. Von ihren seßhaften Nachbarn lernten die Navajo zwar den Bodenbau kennen, doch Jagd und später auch Schaf -  und Pferdezucht spielten in ihrem Leben immer eine wichtige Rolle.

Manche Apache wollten hingegen nicht seßhaft werden. Auf der Suche nach Früchten, Pinyon-Nüssen, ´Agavewurzeln, Kaktusfrüchten und Grassamen schweiften sie in diesem dürren Gebiet umher, und zur Bisonjagd zogen sie in die Prärie. Die Bisonfelle tauschten sie bei den seßhaften Bauern gegen Mais. An der Küste Kaliforniens und in den Tälern der Flüsse lebten die " Eichelernter" , die Pomo, Salina, Wintun und Maidu. Die Eichel lieferte ihnen das tägliche Brot, sie war ihnen ebenso heilig wie der Wasserreis den Ojibwa. Da die Eichel sehr bitter schmeckt, mußte das Mehl erst mehrere Male mit heißem Wasser übergossen werden, um die Bitterstoffe auszuwaschen.  Die Natur gab ihnen so viel Nahrung, daß sie keinen  Hunger litten.

                             

Je nachdem, ob die Indianer als Jäger ständig dem Wild folgten oder als Bauern seßhaft waren, bauten sie unterschiedliche Behausungen. Auch die Umwelt prägte ihren Baustil: Im Wald nutzten sie Holz, im baumlosen Südwesten Lehm. Die Irokesen im Nordosten bauten ihre Langhäuser (bis zu 25 Meter lang) aus Ulmenstämmen und - rinde, in denen 5 bis 20 Familien lebten. Und an der Nordwestküste - im " Land der Totempfähle " - wohnten die Indianer in riesigen Plankenhäusern aus Zedernholz. In den Sümpfen Floridas standen die mit Palmenblättern gedeckten Hütten auf Pfählen. Der Hogan der Navajo im Südwesten war ein mit Erde gedeckter Kuppelbau, andere Indianer errichteten hier auch Häuser aus Lehmziegeln.

Die seßhaften Indianer der Plains bauten in den Boden eingesenkte Erdhäuser. Die Indianergruppen, die ständig den Bisons folgten, wohnten in Zelten aus Stangen, die sie mit Bisonhäuten bedeckten, den Tipis. "Tipi" ist ein Wort aus der Sprache der Sioux und bedeutet " In ihm zu leben " .

Bevor die Indianer das Pferd kannten, mußten Hunde alle Lasten ziehen. Auf zwei miteinander verbundenen Stangen (Travois) schleppten sie Häute; Felle, Decken und anderen Hausrat zum nächsten Rastplatz. Aber Hunde sind schwache Zugtiere, und daher bauten die Indianer nur kleine und leichte Tipis. Erst als sie kräftige Pferde besaßen, wohnten sie in geräumigeren Tipis mit Durchmessern von 5 bis 6 Metern.

In einem Tipi ließ es sich recht gemütlich leben. In der Mitte des Zeltes brannte ein Feuer, dessen Rauch durch eine bei Regen verschließbare Öffnung abzog. Der Eingang des Tipi zeigte immer nach Osten. Aus der Richtung des Sonnenaufgangs kam auch das Leben und die Weisheit. Das Tipi war für die Indianer nämlich auch ein Abbild des Kosmos, Die kreisförmige Grundfläche stellte die Erde dar, die Zeltdecke den Himmel.

Bei Gefahr brachen die Indianer ihre Zelte blitzschnell ab. Die Frauen rollten die Felle, die als Bett dienten, und die großen Bisonhäute zusammen und bündelten die Zeltstangen . Innerhalb von nur 15 Minuten hatten die Frauen ein großes Tipi zerlegt und auf die Stangenschleifen geladen.

Auch die dem Wild folgenden Jäger der Subarktis in Kanada zogen viel umher und brauchten daher Behausungen, die sie leicht auf - und abbauen konnten. Die verbreitetste Form ihrer Unterkünfte war ein tipiähnliches Zelt, dessen Gerüststangen die Indianer in der fast baumlosen Tundra mit Elch- oder Karibuhäuten und in den Waldgebieten im Sommer mit aneinandergenähten Streifen aus Birkenrinde bedeckten.

Für Cree, Ojibwa und die meisten Waldlandindianer im Nordosten war jedoch der Wigwam (Algokin-Sprache: das runde Haus) typisch - eine kuppelartige Hütte aus kreisförmig in die Erde gesteckten gebogenen und zusammengebundenen Stangen als Gerüst und mit Birken- oder Ulmenrinde umkleidet. Später bezeichneten die Europäer alle indianischen Behausungen als Wigwams.

                           

Die im Südwesten lebenden Pueblo-Indianer gehören ganz unterschiedlichen Stämmen mit eigenen Sprachen an  -  Hopi, Zuni und Tano. Ihren gemeinssamen Namen erhielten sie von den spanischen Eroberern. Als diese 1539 durch Mexiko und weiter Richtung Norden zogen, entdeckten sie im Tal des Rio Grande ganz ungewöhnliche Dörfer, in denen Häuser terrassenförmig übereinander standen. Einige waren 5 oder 6 Stockwerke hoch. Die Spanier nannten alle diese Siedlungen "  Pueblo " , das bedeutet " Dorf " oder " Volk ". Nicht nur in Flußtälern ,auch auf den 2.000 Meter hohen Tafelbergen am Colorado, den Mesas, errichteten die Indianer diese Häuser. Als Baumaterial verwendeten sie Steine oder aus Lehm geformte und in der Sonne getrocknete Backsteine, Adobe genannt.

Der Eingang zu einer Wohnung befand sich oben auf dem flachen Dach. Über eine Leiter, früher ein Baumstamm mit Kerben, stieg man zuerst nach oben und dann über eine zweite Leiter durch ein Loch ins Innere des Hauses. Nahten Feinde, wurden alle Leitern hochgezogen.

Jedes Dorf  besaß in der Mitte unterirdische Kult-Räume,  die Kivas , wo Feiern für den Mais und die Ahnen stattfanden. Meist wohnten einige hundert Menschen in einem Pueblo - Dorf, manchmal sogar über tausend Menschen.

Es hat in Amerika auch richtig Städte gegeben. Im Tal des Mississippi fanden Archäologen Reste der Stadt Cahokia. Vor 700 Jahren lebten hier etwa 10.000 Indianer. Das religiöse Zentrum war ein Tempel, der auf einer 33 Meter hohen Erdpyramide stand. Die Stadt war von einem tiefen Graben und Palisaden umgeben, Wachtürme und Tore schützten die Menschen vor feindlichen Angriffen.

                          

Die wichtigste und älteste Nahrungspflanze in Amerika ist der Mais. Schon vor mehr als 6.000 Jahren bauten Indianer in Mittelamerika (Mexiko) die damals noch ganz unscheinbare Pflanze an - der Maiskolben war nur fingerlang. Aber indem die Bodenbauer für die neue Aussaat stets die dicksten Körner aussäten, züchteten sie im Laufe von jahrhunderten einen immer ertragreichenern Mais. Heuter werden die Maiskolben etwa 25 Zentimeter lang. Die Vorfahren der Pueblo-Indinaer übernahmen den Maiskolben schon vor einigen taisend Jahren, und schließlich breitete er sich bis in das Waldland im Nordosten aus.

In der Küche bereiteten die Frauen aus den gelben Körnern schmackhafte Gerichte zu. Die Mandan in der nördlichen Prärie zerstampften den Mais in einem hölzernen Mörser mit einem Stößel und kochten aus dem Mehl eine Suppe mit Fleisch und Gemüse.

Die Hopi im Südwesten zerrieben die Maiskörner auf Steinplatten zu Mehl und buken auf heißen Steinen hauchdünne, tellergroße Fladen. Dazu aßen sie Bohnen, Zwiebeln, Kürbis und Fleisch von Kaninchen, Antilopen oder Schafen. Eine Delikatesse war Puffmais, eine Maissorte, die beim Rösten laut aufplatzt. Wir kennen ihn heute als Popcorn.

Dem Mais galt alles Tun und Denken der Indianer - Gebete und Tänze um Regen sollten eine gute Ernte sichern. Er stand im Mittelpunkt ihres Weltbildes. Die ihn umgebenen anderen Nutzpflanzen wurden aber mit einbezogen. Sie pflanzten 60 verschiedene Bohnen - und 8 Kürbisarten an, dazu Sonnenblumen, Artischocken, Pfirsiche und Baumwolle. Die Blätter der Tabakpflanze sammelten sie meist von wildwachsenden Arten.

                            

Viele Maisbauern sammelten gelegentlich auch Wildpflanzen, die Jäger hingegen brauchten unbedingt Pflanzen für eine gesunde Ernährung. Ob in der Subarktis, in der Prärie, im Großen Becken oder in Kalifornien, überall sammelten Frauen Beeren, Früchte, Kräuter, Knollen, Samen, Wurzeln und Pilze. Die Indianer kannten einige hundert eßbare Pflanzen. An manchen Stellen wuchsen bestimmte Arten so massenhaft, daß man sie nur zur gegebenen Zeit ernten, aber nicht säen oder den Boden pflegen mußte.

Die westlich der Großen Seen lebenden Ojibwa sammelten im Herbst den wilden Wasserreis. Sie fuhren mit Booten über die Seen, bogen die reifen Rispen über den Bootsrand und schlugen mit einem Holzstab die Körner heraus.

Ebenso einfach war das Ernten der Zwiebeln der Kamas-Pflanze., die im Westen auf der Hochebene wächst. Diese blaublühende Hyazinthenart kann sich zu einem richtigen Blumenmeer ausbreiten. Die Nez Percé brauchten nur zur Reifezeit die begehrten Zwiebeln auszugraben. Frisch schmeckten sie wie Eßkastanien, man röstete sie, kochte sie wie Kartoffeln oder bereitete aus ihnen eine Suppe.

Ebenso reichlich wuchsen hier besondere Kiefernarten. In den Zapfen der Nußpinie saßen dicke, große Samen, auch Pinyon-Nüsse genannt. Körbeweise sammelten die Nez Percé diese Samen, die sie roh oder als Brei aßen. Für den Wintervorrat buken sie aus dem Mehl eine Art Kuchen, den sie trockneten und in Erdgruben für Notzeiten aufbewahrten.

Weiter südlich, in Kalifornien, wuchsen große Mischwälder aus Kiefer, Ahorn, Roßkastanie, Mammutbaum und Eiche. Das Mehl der Eicheln aßen die Indianer als Suppe, Brei oder als eine Art Brot. Eicheln enthalten viel Stärke, aber auch Zucker, Fett, Eiweiß und bitter schmeckende Gerbstoffe. Deshalb mußten die Indianer die Eicheln zuerst schälen, trocknen und auf Steinplatten zu Mehl reiben. Das Mehl füllten sie in Körbe und übergossen es mehrmals mit heißem Wasser, damit es die Bitterstoffe ausschwemmte. Dann trockneten sie das Mehl wieder und konnten es nun lagern.

Im Nordosten spendete der Wald den Ojibwa und Irokesen auch noch nahrhaften Zucker. Im Frühjahr zapften Frauen die Ahornbäume an und fingen den Saft in Eimern aus Birkenrinde auf - pro Baum etwa 3 Liter. Es war ziemlich mühsam, daraus Zucker zu gewinnen, denn in jedem Liter waren nur 3 Gramm Zucker enthalten. Die Frauen kochten die Flüssigkeit so lange, bis sie einen konzentrierten Sirup erhielten, der sich gut lagern ließ. Mit dem Ahornsirup süßte man Maisbrei oder trank ihn mit Wasser verdünnt.

                           

Für den Winter und für Notzeiten mußten die Indianer Vorräte anlegen, die wie der Ahornsirup gut haltbar waren. Besonders günstig war Mais. Wer ihn anbaute, litt selten Hunger, denn diese Pflanze brachte reiche Ernten, und die Kolben oder Körner ließen sich außerdem einfach lagern. Die Irokesen flochten Maiskolben zu Zöpfen und hängten sie in den Vorratskammern im Lagerhaus auf. Jede Familie bediente sich nach Bedarf, nur wenn Mangel herrschte, teilte man die Vorräte genau ein. Die Mandan in der Prärie droschen die trockenen Maiskolben, füllten die Körner in große Lederbehälter und bewahrten sie in tiefen Vorratsgruben in der Erde auf. Überall kannten Indianer das Trocknen von Beeren, Kräutern, Obst und Gemüse. In Tontöpfen oder Holzkisten blieben die Vorräte so monatelang haltbar.

Auch die Jäger brauchten dringend Vorräte. In Prärie und Subarktis ist es im Winter wochenlang bitter kalt, und furchtbare Schneeestürme verhindern die Jagd. Im Sommer hingegen konnte die Jagdbeute durch die Hitze schnell verderben. Ihre Notnahrung war Pemmikan. Dazu schnitten die Frauen die Jagdbeute in lange, dünne Streifen und trockneten sie an der Luft. Dann zerstampften sie das Fleisch zwischen Steinen und mischten es mit Trockenfrüchten und Tierfett. Abgepackt in Falttaschen aus Rohleder, den Parfleches, besaß die Familie einen Vorrat, der sich sogar jahrelang aufbewahren ließ. Ob roh oder gebraten, Pemmikan schmeckte natürlich nicht so gut wie frisches Fleisch, doch in Hungerzeiten konnten die Jäger nur damit überleben.

                          

Bevor die Spanier das Pferd nach Amerika brachten, jagten Blackfoot und andere Plains-Indianer den Bison, indem sie sich als Tiere verkleidet unter eine Herde schlichen oder die Bisons über eine Klippe in den Abgrund trieben. Zu jener Zeit gab es nur wenige Nomaden, die den Herden ständig folgten.

Erst dank des Pferdes konnten die Jäger der Plains den Bisonherden auf ihren Wanderungen folgen und dann auch große Mengen Fleisch zum Lager transportieren. Der Bison bildete von nun an ihre Lebensgrundlage. Fast alles, was die Indianer für Haushalt, Jagd  und Kleidung brauchten, lieferte ihnen dieses Tier.

Der männliche amerikanische Bison (oft tatsächlich Büffel genannt) ist doppelt so groß und schwer wie unser Rind - fast 2 Meter hoch, bis zu 3 Meter lang und 900 Kilogramm schwer. Die weiblichen Bisons sind kleiner und waren die bevorzugte Jagdbeute. Hatten die Jäger ein Tier erlegt, so weideten sie es gründlich aus und verwerteten im Lager Haut, Hörner, Haare und Knochen. Über 80 Arten von Gegenständen stellten die Indianer aus dem getöteten Bison her. Aus der ungegerbten Haut schnitten sie sich Riemen und Gurte, sie nutzten das Fell als Bett und Zudecke und das gegerbte Leder als Zeltplane für ihr Tipi.

Bisonhörner trugen sie als Schmuck, vor allem aber schnitzten sie aus ihnen Becher und Löffel, Knochen verarbeiteten sie  zu Messern, Pfeilspitzen, Nähnadeln und Schabern. Die Haare wurden zu Seilen oder Gürteln geflochten oder verzierten Keulen und Tipis. Der Magen diente als Wassereimer, die rauhe Seite der Zunge als Haarbürste, der Schwanz als Fliegenwedel. Sogar der Dung wurde gesammelt - getrocknet lieferte er guten Brennstoff für das Feuer.

Die Männer fertigten ihre Waffen, vor allem die stabilen Schilde, selber. Die Frauen nähten aus Bisonleder Taschen, schwere Wintermäntel und kostbare Roben. Für Röcke, Kleider und Hemden nahmen sie aber lieber das weichere, anschmiegsame Leder von Bergschaf, Hirsch und Gabelbock. Als Nähfaden dienten Tiersehnen. Ihre Festgewänder verzierten sie mit Hirschzähnen, Stachelschweinborsten oder europäischen Glasperlen. Männer trugen Hemden und Leggins, das sind Beinlinge, die von den Hüften bis zu den Knöcheln reichen und am Gürtel befestigt sind.. Auch ihre Schuhe, die Mokassins,waren aus Leder.

                            

Die Indianer der Nordwestküste (Haida, Tlingit, Kwakiutl, Chinook) , dem " Land der Totempfähle " , litten im Winter selten Hunger. Sie fingen im Frühjahr große Mengen des "Kerzenfisches" Eulachon und gewannen daraus ein nahrhaftes Öl. Das Öl bewahrten sie in Holzkisten auf. Zusammen mit in Fischtran gekochten Beeren, getrocknetem und geräuchertem Lachs und getrocknetem Heringsrogen hatten die Indianer damit immer Nahrungsvorräte für Herbst und Winter.

Das gefährlichste Unternehmen der Fischer, vor allem der Nootka und Makah, war die Jagd auf Wale wie Nordkaper und Schwertwal. Nur ein erfahrener Mann durfte das Vorhaben leiten, der Wal - Häuptling. Zuvor bereitete er sich außerhalb der Siedlung an einem einsamen Ort  auf seine verantwortungsvolle Aufgabe vor. Er fastete und bat mächtige Tiergeister um Beistand.. Am frühen Morgen stieg die Mannschaft ins Kanu und fuhr hinaus aufs Meer. Ganz genau beobachteten sie, wo ein Wal Atemluft ausstieß und wieder tauchte. Der Anführer berechnete, wo der Meeresriese wieder auftauchen mußte, und die Männer ruderten das Kanu längsseits des Wales, damit der Häuptling das Tier mit seiner Harpune treffen konnte.

Erst nach ihm durften die anderen Jäger ihre Harpunen und Lanzen werfen. Gleichzeitig mußte das Kanu aus der Reichweite des angegriffenen Tieres herausmanövriert werden - ein Wal konnte mit einem Schlag seiner kräftigen Schwanzflosse das Kanu umwerfen oder sogar zertrümmern. Die Harpunen trugen lange Leinen aus Walsehnen, an denen Schwimmer aus aufgeblasenem Seehundsfell hingen; sie verhinderten, daß der geschwächte Wal abtauchte. Eine erfolgreiche Jagd lieferte so viel Nahrung, daß man gewöhnlich benachbarte Gruppen einlud, am Festschmaus teilzunehmen.

Ein außergewöhnliches Fest der Indianer  der  Nordwestküste war das Potlatch. Dabei verteilte ein wohlhabender Häuptling seinen Reichtum an Lebensmitteln, Booten, Decken und vielen anderen Gegenständen an Verwandte und Nachbarn. Der eigentliche Anlaß für ein Potlatch konnte eine Hochzeit sein, die Geburt eines Kindes, der Bau eines Hauses oder der Tod eines berühmten Mannes. Je mehr Geschenke ein Häuptling verteilte, desto höher war sein Ansehen.

                             

Ein Kind, daß bei den Jägern der Subarktis aufwuchs, hatte zahlreiche Verwandte - Onkel, Tanten und Cousins. Es war nicht nur mit den Eltern und Geschwistern seines Vaters verwandt, sondern ebenso mit denen der Mutter. Das bot einen wichtigen Vorteil, denn in Zeiten des Mangels konnten Eltern mit ihren Kindern sowohl bei Angehörigen der väterlichen als auch der mütterlichen Familie Hilfe erwarten.

Im Süden Kaliforniens, bei den Serrano und ihren Nachbarn, kannten Kinder die Verwandten der Mutter hingegen kaum. Ein Junge lernte das Jagdrevier seines Vaters kennen, und wenn er später heiratete, blieb er bei seinem Vater wohnen. Seine Frau mußte also ihre eigene Familie verlassen und zu ihrem Mann ziehen.

Die Männer, die alle von einem gemeinsamen Ahn abstammten, bildeten eine Sippe und zusammen mit ihrem Ehefrauen einen Klan. Oft glaubten sie, daß ihr Ahn in einer engen Beziehung zu einem Tier stand oder gar selber ein Tier war - das war ihr Totem. Bei den Serrano gehörte man entweder zum Klan der Kojoten oder der Wildkatzen. Ein Junge aus dem Klan der Kojoten mußte später eine Frau aus dem Klan der Wildkatzen heiraten.

Bei vielen Indianerstämmen bestimmte aber die Abstammung von der Mutter die Verwandtschaft, vor allem bei den Maisbauern: den Irokesen und Huron im Nordosten, den Hopi und Zuni im Südwesten oder den Mandan und Hidatsa in der Prärie.

Bei den Irokesen gehörten Kinder zur Sippe der Mutter. Der Vater hatte nur wenig Einfluß auf die Erziehung seiner Söhne, dafür war der Bruder der Mutter zuständig.

In einem Langhaus wohnten bis zu 20 Familien - eine Großmutter mit ihren verheirateten Töchtern und deren Familien und die Schwestern der Großmutter mit ihren Nachkommen. Die Familien mehrerer Langhäuser bildeten einen Klan, dem wiederum eine Frau vorstand. Jeder Klan trug den Namen des Tieres, das für seine Schöpfungsgeschichte verantwortlich war, wie Wolf, Bär oder Schildkröte. Mehrere Klane wiederum bildeten einen Stamm.

Haus, Boden und Ernte waren das " Eigentum " der Frauen. Sie trugen die Verantwortung für Aussaat, Ernte und für alle Nahrungsvorräte. Wenn die Familie Wald roden mußte, um ein neues Feld anzulegen, dann war das Aufgabe der Männer: So wie sie im Krieg Menschen töteten, so gehörte auch das " Töten " von Bäumen zu ihren Aufgaben.

Jeder Klan besaß eine Anführerin und einen von den Frauen gewählten Klan-Häuptling. Gemeinsam schlichteten sie Zank und Streit im Klan und organisierten wichtige Feste. Die Häuptlinge aller Klane bildeten gemeinsam den Stammesrat. Auch besonders angesehene Krieger hatten hier einen Sitz, das waren die Friedenshäuptlinge oder " Pine Tree Chiefs " . Die Männer traten zwar nach außen hin als Häuptlinge auf, doch letzlich waren sie den Frauen verantwortlich. Ohne die Einwilligung ihrer Mütter und Tanten durften die Männer keine Kriege führen. Eine Mutter konnte ihrem Sohn sogar verbieten, sich an einem Kriegszug zu beteiligen.

                             

Bei Indianerstämmen, die in Klane eingeteilt waren, durfte ein junger Mann keine Frau heiraten, die aus seinem eigenen Klan war, doch sonst konnte er frei wählen. Um seiner Geliebten einen Heiratsantrag zu machen, schenkte ein Sioux ihr einige Pferde. Führte sie die Pferde zur Tränke, willigte sie damit in die Ehe ein. Der junge Mann war bei der Heirat etwa 17 Jahre alt, das Mädchen 2 Jahre jünger. Die Hochzeit wurde mit einem großen Festmahl begangen, danach zog das Paar in ein neues Tipi.

Indianische Kinder hatten es meist gut bei ihren Eltern, denn statt zu tadeln, versuchten Vater und Mutter es zunächst mit gutem Zureden. Schon von klein auf hielten sie ihre Kinder dazu an, die Erwachsenen nachzuahmen und ihnen zu helfen. Bearbeitete die Mutter ein Fell, so erhielt ihre Tocvhter ein kleines Schabermesser und half der Mutter, so gut sie konnte. Holte die Mutter Wasser, so trug auch die Tochter einen kleinen Beutel mit Wasser.

Nähte ein Mädchen ihre ersten Mokassins und schossen Jungen zum erstenmal mit Pfeil und Bogen, dann wurde ein Fest veranstaltet. Eltern erzogen ihe Kinder auch zur Nächstenliebe und Großzügigkeit: Der Vater schickte sie beispielsweise mit einem Stück Fleisch zu einem ärmeren oder kranken Nachbarn. So lernten die Kinder, mit anderen zu teilen.

Bei den Sioux und anderen Plains-Stämmen war es üblich, Jungen mit Fichtenzweigen zu schlagen. Das war aber keine Strafe, denn Indianer schlugen ihre Kinder nur selten. Die Jungen sollten vielmehr lernen, Schmerzen tapfer zu ertragen. Und mitten im Wald badeten sie täglich im eiskalten Fluß. Um später von allen geachtete Krieger zu werden, mußten sie schon früh üben, schrecklichen Hunger und quälenden Durst, bittere Kälte und große Hitze zu ertragen.

                           

In ihren Spielen übten die Kinder alles, was sie später als Erwachsene können mußten. Sioux -Jungen lernten ganz genau auf ein Ziel zu schießen. Sobald sie reiten konnten, spielten sie " Angriff " und versuchten, sich gegenseitig vom Pferd zu werfen. Beim Jagd-Spiel war ein Junge der Bison, den die anderen fangen oder zum Schein töten mußten. Beliebt waren auch Wettrennen. Die Mädchen trainierten gleichfalls schnelles Laufen, denn bei einem feindlichen Angriff auf ihr Lager mußten sie sehr schnell sein. Alle indianischen Mädchen spielten natürlich mit Puppen, die liebevoll aus Stroh, Holz oder Leder gefertigt waren.

Trafen sich einige Plains-Stämme zu einem Fest, so veranstalteten sie immer Pferderennen. Dabei wetteten die Zuschauer eifrig, wessen Pferd als erstes durchs Ziel gehen würde. Manchmal besaß ein Indianer ein Pferd, das zwar häßlich aussah, in Wirklichkeit aber unglaublich schnell laufen konnte. Damit gewann sein Besitzer zahllose Wetteinsätze und viel Anerkennung. Wer jedoch immer wieder aufs falsche Pferd setzte, konnte seinen gesamtn Besitz innerhalb eines Tages verspielen.

Weit verbreitet im Südosten war ein Ballspiel, daß die Franzosen Lacrosse nannten. Bei den Cherokee durfte es nur zu religiösen Feiern gespielt werden. Zwei Parteien standen sich gegenüber, die die beiden Dorfhälften darstellten. Jede Gruppe versuchte, mit zwei tennisähnlichen Schlägern einen Lederball ins gegnerische Ziel zu schlagen. Handspiel war streng verboten. Bis zu 200 Mitspieler rannten auf dem Spielfeld umher und schlugen sich um den kleinen Lederball.

In langen Winternächten, wenn es draußen kalt und dunkel war, vertrieben sich die Indianer die Zeit mit allerlei Ratespielen. Bei den Blackfoot verbarg ein Mitspieler ein markiertes Hölzchen oder ein bemaltes Holzstück in seiner Hand, und die Gegenpartei mußte herausfinden, in welcher es war.

Auch Würfelspiele waren bei den Indianern Nordamerikas beliebt. Würfel formten sie aus Stein oder Knochen, aus Pfirsich- oder Pflaumenkernen, aus Holz oder Wurzeln. Sie kannten unzählige Würfelspiele. An langen Winterabenden kamen auch Geschichtenerzähler zu Wort. Nun fand der Großvater Zeit, Märchen und Legenden von der Entstehung der Welt, der Tiere und der Menschen zu erzählen. Er erklärte seinen Enkeln beispielsweise, warum der Wolfsklan den Wolf zum Totem hat, woher der Donner kommt oder warum der Adler ein heiliges Tier ist.

                           

Im Winter nutzten die Stämme der Nordwestküste ihre freie Zeit, um allerlei Gegenstände aus Holz zu schnitzen - wunderschöne Masken, die sie bemalten, Becher, Teller und andere Haushaltsgegenstände. Die Natur bot Holz im Überfluß und sie fertigten alles, was sie brauchten, aus Holz. Sie zimmerten sogar wasserdichte Kisten, in denen sie Fischöl aufbewahrten oder mit Hilfe heißer Steine kochten. Für den Bau der Kisten nahmen sie ein dünnes Brett, erhitzten es über heißem Wasserdampf und bogen dann das aufgeweichte Holz zu einem rechteckigen Rahmen und befestigten ihn auf einem Holzboden. Für ihre Holzarbeiten besaßen sie einfache Werkzeuge aus Stein, Knochen oder Muschelschalen.

Während die Männer mit Holz arbeiteten, war es Aufgabe der Frauen, zu flechten und zu weben. Für den Winter benötigten sie warme Decken, die sie aus weichem Zedernbast und Wolle von Bergziegen oder Hunden herstellten. Eine Untergruppe der Tlingit, die Chilkat, fertigten die schönsten und kostbarsten Decken, die nur Häuptlinge als Umhang trugen. Sie waren fünfeckig, mit Fransen versehen und in den Farben Weiß, Gelb, Blau und Schwarz gehalten. das gewünschte Muster malten die Männer den Frauen auf ein Holzbrett auf. Es dauerte viele Monate, bis eine Chilkat-Decke fertig war. Die Arbeitstechnik war eher ein Flechten als ein Weben, denn die langen Kettfäden waren nur oben an einem Balken befestigt. Durch diese Fäden wurden die Querfäden ohne Weberschiffchen geflochten.

Weit verbreitet an der Nordwestküste waren verzierte Hüte und wasserfeste Körbe aus Wurzelfasern und Rindenbast, Schilf und Binsen. Die schönsten Körbe in ganz Nordamerika fertigten jedoch die Indianer in  Kalifornien. Die Pomo - Frauen flochten trichter- oder glockenförmige Tragkörbe. Lebhafte geometrische Muster und aufwendige Verzierung mit Muschelschalen und bunten Federn machten aus diesen Körben auch wertvolle Geschenke. Hüte, Matten und flache Teller trugen bei jedem Stamm eigene Muster.

Richtiges Weben an Webstühlen war eine Kunst, die in ganz Nordamerika nur die Indianer im Südwesten beherrschten. Bei den Pueblo - Indianern webten die Männer, bei den Navajo hingegen die Frauen. Die Navajo hatten vor Jahrhunderten von den Pueblo - Indianern gelernt, wie man aus Baumwolle Kleidung webt. Als die Spanier dann Schafe ins Land brachten, verwendeten die Navajo Schafwolle zum Weben von mit geometrischen Mustern verzierte Decken als Schultertuch, Schlafdecke oder Türvorhang.

Die Pueblo-Indianer waren dagegen für ihre Töpferwaren berühmt. Jedes Dorf hat - auch heute noch - seine besondere Tradition und seine eigenen, wunderschönen Muster und Farben. Das Grundmaterial ist Lehm, den die Töpferin zu Wülsten formt, spiralförmig übereinanderlegt und glattstreicht.. Eine Töpferscheibe besaßen die Indianer ursprünglich nicht, denn in ganz Amerika war in voreuropäischer Zeit das Rad unbekannt. Nach dem Brennen bemalten die Frauen ihre Töpfe farbig, manchmal mit Vögeln und Hirschen, manchmal mit geometrischen Mustern.

Überall, wo die Indianer Leder für ihre Kleidung und Zelte verwendeten, verzierten sie es. Tipis wurden farbig bemalt, Hemden und  Hosen schmückten die Frauen mit Muscheln, Federn, Zähnen, bunten Glasperlen oder kostbaren Hermelinpelzen. Weit verbreitet war die Sitte, Leder mit den gefärbten Borsten des Stachelschweines zu verschönern. Huron, Cree und Ojibwa liebten gestickte Blätter, Blüten und Knospen auf ihren Kleidern.

                                

Einzigartig waren die Bisonroben der Sioux- und Kiowa-Häuptlinge. Innen, auf der glatten Seite, hielten sie in einer Bilderschrift geschichtliche Ereignisse fest. Jeden Winter zeichneten sie ein wichtiges Ereignis auf. Bisonspuren vor einem Tipi hieß: Es gab so viele Bisons, daß sie bis zu den Zelten kamen. Mit Punkten übersäter Kopf und Rumpf bedeutete: Pockenepidemie. Auf einem einzigen Bisonfell  "schrieben" sie so alle wichtigen Ereignisse von 50 bis 100 Jahren auf. Immer wieder erzählten Väter und Großväter von diesen Ereignissen. sodaß die Kinder ihre Stammesgeschichte kennen lernten.

Eine ähnliche Gedächtnisstütze kannten die Irokesen und ihre Nachbarn. Beim Abschluß wichtiger Verträge tauschten sie Wampumgürtel aus. Sie bildeten eine Art Urkunde, die jeder Stamm sorgfältig aufbewahrte. Aus Farbe und Muster " lasen" die Häuptlinge ab, ob es dabei um Friedensschluß oder eine Kriegserklärung ging. Ein Wampumgürtel bestand aus weißen und violetten Zylinderperlen aus der Schale einer Meeresschnecke und der Venusmuschel.

Eine Schrift wie unser Alphabet besaßen sie nicht. Erst ab 1820 verfügte ein Stamm im Südosten darüber. Entwickelt hatte sie der Cherokee Sequoya (1760 - 1843), der im heutigen Tennessee lebte. Bald konnten Erwachsene und Kinder lesen und schreiben. Ein Lehrbuch, das Neue Testament und eine Zeitung, der   "Cherokee Phoenix " erschienen.

Trafen Angehörige von Stämmen aufeinander, deren Sprachen nicht miteinander verwandt waren, benutzten sie eine Art Zeichensprache. Weit über hundert verschiedene Gesten mit Händen, Armen oder Kopfbewegungen drückten alles Wichtige aus: Herkunft, Reiseziel, Jagderfolge und vieles mehr. Natürlich waren diese Gesten nicht überall gleich, je nach Region und Sprache änderte sich die Bedeutung oder neue Gesten kamen hinzu. Auch Trapper - die berühmten Waldläufer - nutzten diese Zeichensprache, die von Angehörigen vieler Stämme verstanden wurde. Daneben verwendeten die Indianer auch Signalsprachen, in den baumlosen Grasebenen vor allem Feuer- und Rauchzeichen. Über große Entfernungen hin erfuhren sie so, ob Feinde heranrückten oder Bisonherden auftauchten.

Manchmal legten sie Aas in gewissen Abständen aus und steuerten so das Verhalten von aasfressenden Greifvögeln, wie Kondor und Gelbkopfgeier, die meist sehr hoch fliegen und daher gut zu beobachten sind.

                                

Jeden Morgen, wenn die Sonne am Horizont erschien, begrüßten die Indianer sich ehrfurchtsvoll. Die Sonne als Spenderin von Licht, Leben und Wärme war Teil einer übernatürlichen Macht, die die Algonkin Manitu, die Sioux Wakan nannten. Manitu konnte aber auch Tiere und Pflanzen sein, ebenso Steine und Sterne, Blitz und Donner. Manitu oder Wakan waren starke Kräfte, die dem Menschen auch gefährlich werden konnten. Opfergaben besänftigten Manitu.

Bisweilen wird Manitu als " höchstes Wesen " bezeichnet, hier vermischen sich bereits indianische mit christlichen Gottesvorstellungen. In der Subarktis, wo Jäger manchmal erfolglos jagten und dann hungerten, glaubten die Indianer auch an böse Geister.

Weit verbreitet bei vielen Jägervölkern war der Glaube an einen persönlichen Schutzgeist. Bei den Pawnee der Prärie lernten Jungen und Mädchen in ihrer Jugend, wie sie einen eigenen Schutzgeist bekommen. Ein Heranwachsender zog sich für mehrere Tage alleine in die Wildnis zurück. Geduldig fastete und betete er, bis ihm endlich in einer Vision ein Rabe, ein Wolf, ein Adler oder ein Biber erschien.

Von nun an würde ihm dieses Tier bei der Jagd, bei Krankheit und im Unglücksfall helfen; ein erlernter Ruf oder eine bestimmte Melodie holten den Schutzgeist in Tiergestalt jederzeit herbei.

Er wies den jungen Indianer auch an, bestimmte Gegenstände zu sammeln, die für ihn später besonders viel Macht besaßen : Federn, Zähne oder Vogelkrallen. In seinem persönlichen Medizinbeutel bewahrte er sie sein ganzes Leben lang sorgfältig auf. Kein Fremder durfte diesen Beutel jemals an sich nehmen oder öffnen. Einen besonders mächtigen Schutzgeist glaubten die Heilkundigen des Stammes, die Schamanen oder Medizinmänner, zu besitzen - den Bärengeist. Mit seiner Hilfe konnten sie außergewöhnliche Taten vollbringen, zum Beispiel Jagdwild anlocken oder das Wetter beeinflußen.

                               

Die wichtigste Aufgabe des Medizinmannes war es, Kranke zu heilen. Bei den Comanche zeigte der Medizinmann in einer öffentlichen Zeremonie sein Können. Er schlug die Trommel so lange, bis sich sein Geist vom Körper löste und er in Trance fiel. Nun konnte er die überirdischen Geister um Hilfe bitten. Er saugte dann scheinbar den krank machenden Gegenstand aus dem Körper seines Patienten heraus - einen Stein oder Dorn - und gab ihm daduurch die Kraft, fest an die Heilung zu glauben und wieder gesund zu werden.

Bisweilen waren Stammesmitglieder, die den gleichen Schutzgeist besaßen, in einem Medizinbund organisiert wie dem Falschgesichterbund der Irokesen. Seine  Mitglieder lernten, wie man Kranken hilft. Bei der Heilzeremonie verwandelte sich der Medizinmann in ein " Falschgesicht " und trug eine Maske mit verzerrten Gesichtszügen. Weil der Kranke dadurch Geheimnisse des Bundes erfuhr, mußte er nun auch Mitglied werden.

Bei den Navajo im Südwesten gehörte Gesang zur Krankenheilung. Zu bestimmten Liedern fertigte der Medizinmann mit seinem Helfer ein großes Sandbild auf dem Boden an. Aus farbigem Sand stellten sie Berge, Blitze, heilige Pflanzen und vor allem heilige Wesen dar. Dann setzte sich der Kranke auf das Bild, um direkten Kontakt zu den heiligen Wesen zu haben und so dank ihrer Kraft geheilt zu werden. Bei Sonnenuntergang mußte das Sandbild wieder zerstört werden.

Alle Indianer in Nordamerika legten großen Wert auf Reinlichkeit. Nicht nur Kranke, sondern  auch Gesunde benutzten regelmäßig die Schwitzhütte, um sich innerlich und äußerlich zu reinigen.

                         

Die Nachbarn der Navajo, die Hopi, glaubten nicht an Tierschutzgeister. Sie waren ja keine Jäger, sondern pflanzten Mais, Kürbisse und Bohnen an, und dafür brauchten sie dringend Regen. In ihren Zeremonien wandten sie sich an die Kachina. Das waren Ahnengeister von Verstorbenen und Geister von Tieren und Pflanzen, Steinen und Sternen. Sie lebten in der Unterwelt und vermittelten zwischen den höheren Mächten, die über Sonne, Regen und die Ernte bestimmten.

Vielleicht kann man die Kachina mit unseren Heiligen vergleichen, zu denen Gläubige um Schutz und Hilfe beten. So wie man sie an bestimmten Attributen erkennt (etwa den heiligen Georg am Schwert, mit dem er den Drachen tötet) , so erkannten die Hopi ihre etwa 300 verschiedenen Kachina an deren Farbe, Form und Schmuck.

Damit die Kinder lernten, sie auseinanderzuhalten, schenkte man ihnen Kachina-Figuren, die sie zu Hause aufhängten und so immer vor Augen hatten. Diese kleinen Holzfiguren waren, ähnlich wie die großen, farbig bemalt und mit Haaren, Hörnern oder Pelzstücken geschmückt.

Die Kachina waren in mehrere Bünden organisiert, zu denen nur Männer Zutritt hatten. Bei ihren Zeremonien versammelten sie sich in den unterirdischen Kivas. Hier vermittelten sie geheimes Wissen an die heranwachsenden Jungen, von denen Frauen nichts erfahren durften. War ein Junge 10 - 12 Jahre alt, so trat er dem Bund bei und galt damit als erwachsen. Nun durfte er bei den großen Festen Maske und Kostüm eines Kachina überziehen und verwandelte sich dadurch in ein Geistwesen. Jeder Kachina besaß eigene Tänze, Lieder und bestimmte typische Körperbewegungen. Manche Feiern dauerten 2 Wochen, aber nur am letzten Tag tanzten die Kachina im Dorf, wo auch Frauen sie sehn durften.

Noch heute hüten die Hopi ihr geheimes Wissen um die Kachina, und zu großen Festen fahren die Indianer, die in der Stadt arbeiten, in ihr Dorf zurück. Auch Kachina-Figuren werden noch geschnitzt - inzwischen sind sie ein beliebtes Souvenier für Touristen.

                     

Das wichtigste Fest vieler in den Plains lebenden Indianerstämme war der Sonnentanz. Bei den Cheyenne versammelte sich der ganze Stamm im Sommer an einem Ort. Durch diese Feier sollten sich Himmel und Erde erneuern mit allen Lebewesen, mit Mond und Sternen, Donner und Regenbogen. Die Cheyenne gewannen so neue Lebenskraft.

Zunächst bauten sie eine Zeremonialhütte mit offenem Dach und einem besonders gerade gewachsenen Baumstamm als Mittelpfahl, der symbolisch Erde und Himmel verband. Ohne zu essen und zu trinken, tanzten und sangen die Männer 4 Tage lang in dieser Hütte. Sie hatten sich zeremoniell bemalt und mit religiösen Symbolen geschmückt. Trommeln und Rasseln gabe den Takt an. Dabei starrten sie zum Himmel, bis sie schließlich in einen Bewußtseinszustand gerieten, in dem sie sich der höchsten Macht nahe glaubten und sie um Schutz und Hilfe für den ganzen Stamm anflehten.

Tapfere Männer, meist Krieger, legten auch ein Gelübte ab, um sich einer besonderen Prüfung zu unterwerfen. Auf Brust und Rücken ließen sie sich mit zwei Schnitten die Haut einschneiden und ablösen, durch die dann Riemen gezogen wurden. Die Riemen liefen bis zur Spitze des Mittelpfahls, so daß die Tänzer nun mit dem "Mittelpunkt der Welt " verbunden waren. Langsam schwingend und auf der Stelle tretend, tanzten sie nun viele Stunden, bis sie durch die Schmerzen Visionen hatten und magische Kräfte verspürten. Sie tanzten, bis die Riemen zerrissen; die später geheilten Wundnarben galten als Zeichen höchster Tapferkeit.

Auch heute noch versammeln sich die Indianer zum Sonnentanz. Mit dieser Feier zeigen sie, daß ihre Kultur immer noch lebendig ist.

                       

 

Vermutlich ist auch das Rauchen von Tabak eine Art Sonnenverehrung. Rauchte der Häuptling der Crow-Indianer eine Pfeife, so hielt er sie zunächst gegen die Sonne, die Spenderin allen Lebens, dann gegen den Boden zur Erde. Den Rauch blies er danach feierlich in alle vier Himmelsrichtungen und zuletzt auf den eigenen Körper - so war  eine Verbindung zwischen ihm selbst und dem Kosmos hergestellt. Anschließend machte die Pfeife die Runde. Crow und Blackfoot bauten sogar eigens Tabak an, doch nur Mitglieder des Tabakbundes durften die heilige Pflanze, eine ganz besondere Sorte, anpflanzen und ernten.

Tabak war in Nordamerika weit verbreitet. Die Männer der Ojibwa sammelten Blätter  des wildwachsenden Tabaks und mischten sie mit zerstoßener Rinde der Weide. Andere Indianer verwendeten trockene Blätter oder Sumach. Diese sehr unterschiedlichen Tabakmischungen hießen allgemein Kinnikinnik und wurden in einfachen Pfeifen geraucht. Für zeremonielle Anläße gab es das Kalumet, ein Paar bemalter und mit Federn geschmückter Stäbe, die auch als Pfeife dienen konnten.  das blau und grün bemalte Kalumet war ein Sinnbild für den Gegenstatz von Himmel - Erde, Krieg - Frieden, Tag - Nacht, Sonne - Mond, männlich - weiblich. Der Kopf der Pfeife bestand meist aus dem roten Tonschiefer Catlinit, der aus einem Steinbruch in Minnesota stammte.

Frisch gebrochen, ließ sich der Stein leicht schneiden, durchbohren und schleifen. Nur wenige Spezialisten verstanden die Kunst des Pfeifenschnitzens. Das Holzrohr schmückten sie mit Adlerfedern, Perlen oder Menschenhaar.

Ein Kalumet zu rauchen war