Textbelege: 'Ding/Dingwerdung, dinghaft'

"die [Freiheit der Mitteilung] angesichts des vollbrachten Dinges."(Rilke 1983, S. 12).

Van Gogh’s Dinge: "Dinge einfach, ein Stuhl einmal, nichts als ein Stuhl, der allergewöhnlichste: und doch, wie viel ist in alledem von den >Heiligen<" (Rilke 1983, S. 20).

"zusammenhangsvolle Dinge" (Rilke 1983, S. 25).

"Bei Cézanne hört ihre Eßbarkeit überhaupt auf, so sehr dinghaft wirklich werden sie, so einfach unvertilgbar in ihrer eigensinnigen Vorhandenheit." (Rilke 1983, S. 29).

"La réalisation nannte er es, und er fand es bei den Venezianern (...). Das Überzeugende, die Dingwerdung, die durch sein eigenes Erlebnis an dem Gegenstand bis ins Unzerstörbare hinein gesteigerte Wirklichkeit." (Rilke 1983, S. 30).

"Und legt sich seine Äpfel hin (...) und was er gerade findet. Und macht (wie Van Gogh) seine >Heiligen< aus solchen Dingen." (Rilke 1983, S. 34).

"später nimmt er sie [Farbe] irgendwie persönlich, wie kein Mensch noch Farbe genommen hat, nur um das Ding damit zu machen. Die Farbe geht völlig auf in dessen Verwirklichung." (Rilke 1983, S. 38).

"wie notwendig es war, auch noch über die Liebe hinauszukommen; es ist ja natürlich, daß man jedes dieser Dinge liebt, wenn man es macht." (Rilke 1983, S. 41).

"Dieses Aufbrauchen der Liebe in anonymer Arbeit, woraus so reine Dinge entstehen" (Rilke 1983, S. 41).

"Und die Stube war voll kalter Nacht bis in die Ecken; man wußte, vom Liegen aus, daß sie auch unter dem Schrank sei, unter der Kommode und ohne Zwischenraum um die Dinge, um die messingenen Leuchter herum, die sehr kalt aussahen." (Rilke 1983, S. 46).

"Wie im Mund des Hundes bei Annäherung verschiedener Dinge verschiedene Säfte sich bilden und bereit halten: zustimmende, die nur umsetzen, und korrigierende, die unschädlich machen wollen: so entstehen im Inneren der Farbe Steigerungen oder Verdünnungen, mit deren Hilfe sie das Berührtwerden durch eine andere übersteht." (Rilke 1983, S. 60).

"Das oft verwendete weiße Tuch zunächst, das sich wunderlich mit der überwiegenden Lokalfarbe tränkt, und die hineingestellten Dinge, die nun, jedes von ganzem Herzen, sich dazu äußern und auslassen." (Rilke 1983, S. 63).

"Sie müßte entweder mit meiner Kindheit vergangen sein, oder meine Kindheit müßte von ihr abgeflossen sein später, sie zurücklassend, wirklich, neben aller Wirklichkeit, zu sehen und auszusagen sachlich wie ein Cézannsches Ding, unbegreiflich meinetwegen, aber greifbar." (Rilke 1983, S. 67).

Bestimmung des Kunst-Dings in einem Brief an Lou Andreas-Salomé (8. Aug. 1903 = Rilke 1930, 111f.):

"Denn es ist nichts Ungewisses für ihn [Rodin] an einem Gegenstande, der ihm zu[m] Vorbild dient (...) seine Aufgabe ist, wenn er danach ein Kunstwerk schafft: das Ding noch inniger, noch fester, noch tausendmal besser in den weiten Raum einzufügen, gleichsam so, daß es sich nicht rührt, wenn man daran rüttelt. Das Ding ist bestimmt, das Kunst-Ding muß noch bestimmter sein; von allen Zufällen fortgenommen, jeder Unklarheit entrückt, der Zeit enthoben und dem Raum gegeben, ist es dauernd geworden, fähig zur Ewigkeit. Das Modell scheint, das Kunst-Ding ist."

Skulptur als Ding im Rodin-Essay:

Das Werk ist in sich geschlossen und richtet sich nicht an die Welt, sondern "scheint seine Gerechtigkeit in sich zu tragen, die Aussöhnung aller seiner Widersprüche und eine Geduld, groß genug für alle seine Schwere." (Rilke 1991, III 367), sein "Ganz-mit- sich-Beschäftigtsein", seine Ruhe als sicher dastehendes Gebilde, autonomes Ding, das "unantastbar" ist, "sakrosankt, getrennt vom Zufall und der Zeit" (Rilke 1991, III 359). Auch eine unvollendete und fragmentarische Struktur kann sich als Plastik behaupten und als Bildwerk verdinglicht werden. So wird ein Körper ohne Arme möglich, ohne dass dem Betrachter das "Gefühl des Unfertigen" kommt: "es fehlt nichts Notwendiges. Man steht vor ihnen als vor etwas Ganzem, Vollendetem, das keine Ergänzung zulässt." (Rilke 1991, III 373). Das künstlerische Ganze muss nicht unbedingt mit dem Ding-Ganzen zusammenfallen. Im Kunstwerk entsteht ein Ding, etwas Wirkliches, Gestaltrealität (Hofmann). (vgl. auch Rilke 1991, III 418-423, bes. 419).

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