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Aus: Buersche Zeitung vom 6.8.01
Beim Schach gibt es für Blinde keine Probleme
Weltcup: Peru und Moldawien fehlen / Hohe Motivation und hohes Niveau
Samstag, 14 Uhr. Die Spannung steigt. Schachspieler der elf besten Teams der Blinden- und Sehbehinderten-Olympiade sowie der Erdteilmannschaft aus Indien begeben sich im Hotel Maritim auf ihre Plätze vor den Brettern.
Von Björn Steinrötter
Der Geräuschpegel ist hoch, letzte Absprachen werden getroffen, Stühle gerückt und die Holzfiguren aufgestellt. Doch plötzlich herrscht Ruhe – der vierte Mannschafts-Weltcup ist eröffnet.
Anders als bei einer ”normalen” Partie Schach hat jeder Spieler hier sein eigenes Brett vor sich und kündigt seinem Gegenüber den nächsten Zug an. Erst kurz vor Ende, die maximale Spielzeit beträgt sechs Stunden, steigt der Adrenalinspiegel wieder richtig an. Jetzt geht es um alles oder nichts...
Neben dem hochkarätig besetztem Weltcup richtet der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB) anlässlich seines 50-jährigen Bestehens ein internationales Einzelturnier aus. “Die Motivation ist hoch, das Spielniveau ebenfalls” betont der Vorsitzende des Schachbundes, Ludwig Beutelhoff.
Auch “Sehende” sehen nicht alles
Schließlich spielen viele auch, wie etwa Beutelhoff selbst, gegen sehende Denksportler. Und das nicht ohne Erfolg. “Ich bin in meinem Verein der einzige Blinde, dennoch meinen einige Sehende manchmal, Sie hätten Spielzüge von mir nicht gesehen”, schmunzelt Beutelhoff: Es gibt keine andere Sportart, bei der die Blinden so mithalten können wie beim Schach.” Ein Beleg dafür, dass das Spiel mit den 64 Feldern nicht nur Blinde und Sehende, sondern auch Menschen in aller Welt verbindet, ist durch das internationale Teilnehmerfeld gegeben.
Jedoch konnten nicht alle Spieler, die eingeladen waren, auch zum Turnier erscheinen. Finanzielle Schwierigkeiten (Peru) oder Probleme mit einem Visum (Moldawien) waren hierfür die Hauptgründe. Wir haben beide Turniere unterstützt von einigen Sponsoren, selbst organisiert” , erklärt der Vorsitzende. Damit alle Spieler auch immer auf dem neuesten Stand über Resultate und den weiteren Turnierablauf informiert sind, hat sich der DBSB einen Drucker für die Blindenschrift ausgeliehen.
Peter Staubach, Schriftführer des Verbandes, ist hierfür zuständig. “Der Computer funktioniert genau wie jeder andere auch, nur der Monitor ist ausgeschaltet, den brauche ich nicht” erläutert Staubach mit einem Lächeln. Nicht nur die Vertreter des Schachbundes, sondern auch mancher Spieler ist technisch versiert. So flüstert ein deutscher Vertreter seine nächsten Züge stets auf ein Aufnahmegerät. Die, abgesehen von der Olympiade weltweit größte Blindenschach-Veranstaltung wird am 11. August beendet sein. Bis dahin kann man sich täglich ab 14 Uhr kostenlos die Schachpartien anschauen.
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