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Meine Themen

  • Die traditionelle Gesellschaft
  • Kunst in der traditionellen Gesellschaft

    Die traditionelle Gesellschaft

    Zur Auseinandersetzung mit der Frage der Kunst in Afrika ist es unentbehrlich, die Konstitution der Weltanschauung in Afrika analysierend zu erfassen. Sie enthält jene Faktoren, die die afrikanische Weltsicht verständlich machen und greift tief in das gesamte soziale Gefüge der vorkolonialen Zeit hinein. Das traditionelle Afrika weist religiös-mystische Strukturen auf, die es gilt, hier zu analysieren. Jede Handlung im traditionellen Afrika, auch wenn von vorne herein profaner Art, läßt eine rituell-mystische Prägung erkennen, die in einem System hierarchischer Organisation eingebettet ist. Das Alter der Individuen spielte in der traditionellen Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle. Die Anfänge dieser Hierarchisierung zeigen sich schon in den engen familiären Zellen und weiten sich in den unterschiedlichsten Zweigen der Gesellschaft aus. Die Strukturen, die hier zum Vorschein kommen, werfen verschiedene Fragen auf: Wie ist die Gesellschaft organisiert? Welche Rollen und Plätze kommen dem Einzelnen in diesem gesellschaftlich-kulturellen Komplex zu? Die traditionelle Gesellschaft räumt dem Einzelnen als Individuum einen recht engen Platz ein. Er definiert und positioniert sich nur in einem weiteren Umfang, indem er kollektiv im Einklang mit den anderen wirkt. Das Individuum, egal welche Position es in der Gesellschaft inne hat, ist unter Drohung eines Ausschlusses Teil einer Gemeinschaft, in deren Name es handelt. Dies soll aber nicht zu der Annahme verleiten, daß das Individuum im Kollektiven untergeht. Es handelt sich hier nicht um einen Konformismus in allen Bereichen. Auf dem Feld von Philosophie und Kunst hatten sich Individuen von jeher ausgezeichnet, geltende Normen hinterfragt und sich den allgemein geltenden Regeln entgegengesetzt. Die traditionelle Struktur der vorkolonialen Gesellschaft läßt einen komplexen Aufbau erkennen. Der enge Raum des Dorfes mündet in ein größeres Gefüge ein, den Stamm, der wiederum einer anderen Einheit zugehörig ist. Es sind die Königtümer, die im Afrika des 9. bis zum 16. Jahrhundert zu finden waren. Das Dorf, das die kleinste Zelle der Familie enthält, wird von einem Dorfhäuptling regiert, der nach Besprechung mit anderen Dorfhäuptlingen Beschwerden und Wünsche zu dem König weiterleiten läßt. Konstitutionelle Monarchien hatten sich nach diesem Schema im traditionellen Afrika gebildet. Kein Beschluß konnte, auch wenn vom König erlassen, ohne vorherige Besprechung unter den Gesandten des Volkes, zustande kommen. Im engeren Raum des Dorfes wurde jeder Beschluß mit den Familienchefs besprochen. Meistens fungierte der Dorfhäuptling bei Streitigkeit zwischen den Dorfmitgliedern als Richter. Zu den Mitgliedern der Dorfgesellschaft werden auch die Verstorbenen gezählt. Meistens werden sie Gegenstand von Feierlichkeiten, die man zu ihrer Ehrung veranstaltet. Sie werden als Verbindung zwischen Lebenden und Göttern verstanden. Deswegen wird von ihnen in vielen literarischen Werken (vgl. Soyinka, Wole: A dance of the forest), die den Stoff der Traditionen in Afrika behandeln, geredet.

    Es ist hier notwendig, ein wenig über diese Königtümer zu berichten, da sie eine einheitliche Struktur erkennen lassen, die sich bis der Ankunft der europäischen Kolonialmächte erhalten hat. Über diese Formationen wurde viel Literatur verfasst, die die Geschichte Schwarz-Afrikas unter ein falsches Licht gestellt hat. Zunächst als eine kultur- und geschichtslose Region beschrieben, erweist sie sich als ein Ort, wo sich stabile Strukturen und organisierte Reiche gebildet hatten. Die Mossi-Mali-Songhai Reiche des 12. Jahrhunderts erhielten ihre stabile Strukturen und reichten bis ins 19. Jahrhundert mit der Bildung der Toucouleur oder Fulani Reiche von Fuuta-tooro und Macina. Über all diese Reiche zu berichten, ist nicht Sinn dieser Arbeit. Aber um einen Kontext zu schaffen, soll auf einige von ihnen eingegangen werden, um später die Bewegung der 30er Jahre, von der viele afrikanische Intellektuelle ergriffen waren, leichter verständlich zu machen.

    Die Berichte, die heutzutage zur Verfügung stehen, stammen eigentlich von arabischen Geschichtsschreibern des 12. Jh. . Al Omari, Maqirzi, Ibn Khaldoun oder Ibn Batouta lieferten uns Teile der Geschichte dieser Reiche. Das Mali-Reich soll nach den Berichten von Westermann in der Geschichte nichts Vergleichbares gekannt haben. Dieses Reich wurde nicht nur durch seine mutigen Herrscher bekannt, sondern auch durch seinen Reichtum, der weit über seine Grenzen hinaus bekannt war. “Mali ist neben Songhai die bedeutendste Großstadt des westlichen Sudan gewesen, und kein anderes afrikanisches Reich hat sich unter den Zeitgenossen in Ägypten, Nordafrika und selbst in Europa eines gleichen Rufes, ja einer solchen Berühmtheit erfreut. Vor Songhai wie vor Gana zeichnet es sich dadurch aus, daß es von Beginn an eine Negergründung war.” Dieses Reich soll durch seine Berühmtheit seinen Namen bis nach Europa getragen haben. Außerdem werden in Forschungen, Ki-zerbos oder Diop C.Antas , die die von Westermann ergänzen, diplomatische Beziehungen des Mali-Reiches mit dem Königtum von Portugal im 14.Jh. nachgewiesen

    “Cependant Gao avait recouvré son indépendance entre la mort de Congo Mouça (kankan Mouça) et l´avènement de souleiman Mouça et , un siècle plus tard environ, l´empire mandingue allait commencer á décliner sous les coups de Songoi tout en conservant assez de puissance et de prestige pour que son souverain traitât d´égal á égal avec le roi du Portugal, alors á l´apogée de sa gloire” .

    Den Berichten nach soll der Goldwert in Ägypten nach dem Besuch des Königs von Mali jahrelang tief gesunken sein . Das Mali Reich erlebte seine größte Blüte im 12. Jahrhundert. Zu seinen berühmtesten Königen kann Soundjata gezählt werden. Vor dem Mali Reich existierte schon Gana , das auch ein ebenso großes Reich gewesen sein soll. Von dem Reich Gana sind auch viele Berichte überliefert worden. Dieses Reich wurde von den Berbern gegründet. Erst danach übernahmen es schwarze Herrscher. Der Wohlstand dieses Reiches wird von Westermann ebenfalls betont. Das Ghana-Reich soll über 200.000 Krieger verfügt haben. Der im Lande selbst gewonnene Reichtum soll aus ihm einen Knotenpunkt des Handels mit der Außenwelt gemacht haben. “Zu Füßen des Königs saß der Gouverneur der Stadt, und vor ihm hockten die Wesire. Die Tür des Zeltes wurde bewacht von großen Hunden, die Halsbänder und Schellen aus Gold und Silber trugen und ständige Begleiter des Königs waren.” Dieser kurze Blick auf einige afrikanische Reiche, die neben anderen nicht weniger glorreichen Staaten wie Macina und Fuuta Djalon existierten, zeigt wenig bekannte Seiten der afrikanischen Geschichte, die sich eigentlich nicht mit der angenommenen Struktur von völlig unabhängigen, nebeneinander existierenden Dörfern vereinbaren lässt.

    Die militärischen Auseinandersetzungen der späteren Jahrhunderte sollten den Niedergang all dieser Reiche hervorrufen. Immer wieder haben sich dann kleine Formationen gebildet, die sich mehr oder minder bis in das 19.Jahrhundert wegen Glaubensfragen bekriegten. Jedoch blieben diese Reiche nicht ohne Ambitionen, was Bildung und Wissenschaft betraf. Das wissenschaftliche Zentrum des Mali-Reiches, Timbuktu, hatte im 14.Jh. Gelehrte und Handelsleute ins Land geholt, die im Bereich der Rechtsprechung, der Theologie und der Kunst tätig waren und die Beziehung zu Ägypten stärkten. Eine Anekdote erzählt, der König Malis hätte eine Schiffsexpedition zusammengestellt, die den Ozean überqueren und andere Länder entdecken sollte. Nach den Berichten ertranken jedoch die meisten Expeditionsteilnehmer. (Vgl.Westermann). Das vorkoloniale Afrika wurde von einer starken Religiosität geprägt. Formen dieser religiösen Aspekte drücken sich in einer starken Neigung zu Riten, Anbetung und Opfergaben aus. Das Individuum als Teil der Gesellschaft mußte, um in dieser gefördert und geehrt zu werden, Hürden überwinden. Auf Leistungen oder Situationen, die in der Form von Riten oder Proben konzipiert wurden, mußte jeder einzelne, gemäß seinem Alter und Geschlecht, gefasst sein. Die Beschneidung ist eine der Bedingungen, um überhaupt in die Erwachsenenwelt der Initiierten zu gelangen. Jugendliche in einem bestimmten Alter symbolisierten somit die Trennung zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Diese seit Jahrhunderten vermittelte Tradition wird dadurch erhalten, daß sie eine mythisch-mystische Begründung in sich trägt. Die Hierarchie in der Gesellschaft ermöglicht eine Weitervererbung von Traditionen von Vater zu Sohn und auf das Dorf übertragen von alt zu jung. Traditionell werden Ereignisse in Dörfern von einem Griot vermittelt. Er wirkt wie ein Troubadour (Minnesänger) spielt aber eine umfangreichere Rolle. In der modernen afrikanischen Literatur wird viel von Griots geschrieben, aber es handelt sich dabei nicht um eine in Europa unmittelbar begreifbare Figur. Erbschaften werden in den meisten afrikanischen Gesellschaften mütterlicher Seits gemacht. Die Frau spielt auf den ersten Blick in der afrikanischen Welt nur eine Nebenrolle. Aber genau gesehen täuscht diese Sicht sehr. Als Mutter und Erzieherin genießt sie in der traditionellen Familie eine große Ehre. In den meisten Königtümern in Afrika spielten Frauen eine sehr große Rolle und konnten auch Anspruch auf den Thron geltend machen. Bei den meisten Gruppen sollte der Prinz mütterlicher Seits gewählt sein.

    ” quoi qu ´il en soit chez la plupart des peuples négro-africains , on est du côté de sa mére ; et la noblesse se transmet par la mére, de même que l´héritage,” Diese Skizze über die traditionelle Gesellschaft und deren Widerspiegelung in der modernen afrikanischen Literatur liefert uns einen Einblick in das, was die Strukturen der Gesellschaft auf einfachem Niveau ausmacht. Themen, Inspirationsmodelle und Ästhetik der afrikanischen Literatur werden dadurch für ein Publikum (meistens aus Europa), das von einer Schriftkultur geprägt wird, verständlicher. Der folgende Abschnitt will die Quellen der afrikanischen Literatur zum Gegenstand machen. Die verschiedenen Themen, die wir in der traditionellen Literatur auswerten werden, greifen auf Stoffe zurück, die die afrikanische Welt im allgemeinen teilt. Unterschiedliche Formen konkurrieren, um die verschiedenen Aspekte zu liefern. Die Spezifität gewisser Varianten entnehmen wir der Analyse einiger Stoffe.

    Kunst in der traditionellen Gesellschaft



    Skulptur im traditionellen Afrika wurde als eine Kunst verstanden, die das kollektive Bewußtsein widerspiegelte. Infolgedessen hatte sie eine wesentlichere soziale Funktion als heute. Die Besonderheit bei der Skulptur lag darin, daß sie unter keinem Kriterienzwang vollzogen wurde. Der Künstler stand in freiem Genuß seiner Kunstfreiheit. Trotzdem wurden meistens Kunstwerke religiöser Prägung kreiert. Dies legte zumindest die Natur und den Ort fest, an dem das Kunstwerk aufgestellt werden sollte. “placée en un lieu sacré la statue était l´ objet d´offrandes et de libations” . Diese religiöse Prägung läßt sich dadurch erklären, daß Kunst in Afrika nicht Unterhaltung war, sondern eine gesellschaftliche, religiöse Funktion erfüllte. Die Darstellung der Figur des “Ahnens” wurde als Bindeglied und mystischer Zugang zu übernatürlichen Kräften wahrgenommen, die das Weltbild der Gemeinde bevölkerten. Daher kommt ihre immer wiederkehrende Behandlung in der vorkolonialen Kunst. Außerdem kamen Masken und Statuen vor, die das Lob der Fruchtbarkeit oder die Trauer des Todes zum Ausdruck bringen sollten. Einige Masken, wie die von den Dan (côte d´ivoire), sollten als Informationsplakat fungieren, die Naturkatastrophen wie z.B. Feuersbrünste anzeigten. Andere Funktionen übten auch diese Figuren der Skulptur aus : “Griots (dyeli) mit Vögelmasken übten animistische Riten am Hof aus, und man sah dort zwei Widder, die den “bösen Blick” abwenden sollten”.

    “si les grecs ont découvert l´anatomie et ont réalisé tant d´ oeuvres conformes aux nombres d´or , c´est parce qu´il avaient plus que quiconque le culte de la Nature et le sens de l´homme. L´homme, maître de lui et maître de son destin , était le centre du monde, il était le dieu ici bas .Réaliser son image avec perfection constituait donc le plus haut rêve, l´ultime idéal de l´artiste. "(Cheikh anta diop)

    Dieser kurze Überblick über die afrikanische Skulptur läßt deren Natur zum Ausdruck kommen. Sie versucht die Verhältnisse der unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft zu harmonisieren, indem sie kollektiv erlebte Aspekte anspricht. Dies schaffte sie durch eine Vielzahl von Formen, die jeweils unterschiedliche Botschaften bargen. Die Entschlüsselung dieser Botschaften verdeutlicht die Formen. Es gibt sehr unterschiedliche Formen in der traditionellen Skulptur , über die viel geredet wurde. Wenn in Europa Skulptur bestimmten klassischen Vorbildern gefolgt war, vollzog sie sich in Afrika, je nachdem wie sich die Gruppe ihr Leben vorgestellt hatte, immer wieder anders. Die Ergebnisse werden dadurch vielfältig. Verschiedene Richtungen, die die traditionelle Kunstkritik definiert hat, kann man aus ihren Entwürfen trotzdem entnehmen. Nach den Forschungen von Cheikh Anta Diop zum Beispiel, kommen zwei Strömungen (Realismus und Expressionismus) in den Blickpunkt. Stellvertretend für den Realismus ist die Form von Ife (Benin). Bilder werden in Sand, Stein und Bronze entworfen. Trotz rudimentärer Werkzeuge und schwer zu verarbeitendem Material gelang es die Skulpturen zu einer gewissen Vollendung zu führen. “elle est caractérisée par un réalisme, une sérénité, un équilibre qui défit l´art grec de l´époque archaïque du VI. Siecle.”

    Die Formen sind unterschiedlich und verdeutlichen die Unterschiede der Lebenskonzeptionen, die jede Gruppe prägten. In dem Stil von Ife findet man Statuen, die das königliche Leben zum Gegenstand haben. Es kommen Figuren vor, die Könige ritterlich darstellen. Neben diesen Elementen verzeichnet man Waffen unterschiedlicher Art ( Bogen, Lanzen) und Krieger, die man als Beschützer des Landes darstellte. Diese besondere Form der Darstellung findet man aber an vielen Orten Afrikas. Von Guinea bis Zentralafrika kann man diese realistische Prägung nachweisen. Die Ahnenfiguren treten auch sehr häufig auf. Der Grund für all diese königlichen Figuren liegt in dem Willen, eine gewisse Legitimation der Machtverhältnisse zu betonen und die vorherrschenden Traditionen lebendig zu halten. Die Begeisterung von Joachimides gilt diesem Stil aus Ife, der sich durch vielfältige Statuen ausgezeichnet hat.

    “Die Ife - und Benin - Bronzen aus dem 12. bis 16.Jahrhundert zeugen von einem so hohen Stand technischer und künstlerischer Fertigkeiten, daß sie mit parallel entstandenen Werken der Renaissance vergleichbar sind.”

    Eine andere Form ist der Expressionismus, wie er sich in einigen Werken zeigt. Dieser Expressionismus ist allerdings eine Besonderheit einiger Regionen. Der Stil der ethnischen Gruppe der Dogons zeugt von unterschiedlichen Formen expressionistischer Tendenzen. Nicht selten kommen menschliche Organe oder Gesichtszüge in geometrischer Form (runde Haarmasse, dreieckige Form des Gesichts usw.) vor. Aus Côte d´Ivoire und Kongo kommen ausgesprochen geometrische Formen von Nasen, Augen und Ohren. Dieser Stil hat am Anfang des 20. Jh. einen großen Einfluß in Europa ausgeübt. Aber in sehr unterschiedlichen Formen. Wenn der afrikanische Stil metaphysisch-mystisch interpretiert wurde, ließ sich der aus Europa eher empirisch erfassen.

    Der Künstler zielt nicht durch seine geometrischen Formen darauf, den Menschen oder das Tier realistisch abzubilden. Er suggeriert sie und versucht dadurch, den Geist dazu zu bewegen, über das Bild hinaus zu gehen und somit den eigentlichen Sinn zu erfassen. Malraux in seinem Werk Les voix du Silence hebt dies besonders hervor.

    “Le masque africain n´est pas la fixation d´une expression humaine, c´est une inspiration ...le sculpteur n´y géométrise pas un fantôme qu´il ignore , il suscite celui-ci par sa géométrie; son masque agit moins dans la mesure où il ressemble á l´homme que dans celle oú il ne lui ressemble pas; les masques animaux ne sont pas des animaux : le masque antilope n´est pas une antilope , mais l´esprit antilope , et c´est son style qui le fait esprit “.

    Für weitere Themen besuchen Sie uns wieder.Hier eine kurze Liste

  • Die Negritude Rezeption
  • Wole Soyinka und sein Theater 1