S und Z0 - die vergessenen Spuren


Die Geschichte der Spuren S und Z0 in Deutschland
1902
Schoenner präsentiert erste Modelle in Spur 000 (22 mm).

1908
Märklin kommt mit der Liliput-Eisenbahn unter der Bezeichnung Spur 00 (mit 23 mm Spurweite) auf den Markt. Die Liliput-Eisenbahn wurde bis zum Jahre 1932 produziert.

1933
Märklin arbeitet parallel zur Entwicklung der späteren 00(H0)-Bahn, an einer Spur-S-Modellbahn. Die Entscheidung fällt jedoch auf die kleinere 00/H0-Bahn. Die Prototypen werden im Märklin-Werksarchiv aufbewahrt. Darunter eine BR 01, eine E-900 in grün, sowie ein Mitropa-Speisewagen, Donnerbüchsen und drei verschiedene Güterwagen.

1938
In der damaligen Tschechoslowakei erscheint unter dem Namen LASTRA (LAdislav STRAski) die erste Spur-Z0-Eisenbahn. Unter anderem eine 1C1 nach CSR-Vorbild.

1947
BUB kommt mit einer Spur-S-Eisenbahn auf den Markt. BUB setzt wie viele amerikanische Firmen auf diese Spurweite, was sich später - leider - als falsch erweisen sollte. 1958 stellt das Unternehmen die Produktion dieser "S-Bahn" wieder ein. Auch Jouef und Joustra in Frankreich bieten in diesen Jahren entsprechende Bahnen an.

1949
Mehrere Hersteller (darunter MALO, Butz, BeCo und Kirchner) bringen Modelle für die Spur Z0 (Zwischen-Null) auf den Markt. Die Z0-Modelle sind im Maßstab 1:60 gehalten und fahren auf 24 mm-Gleisen. Darunter befinden sich z.B. eine BR 64, die E 44 und E 94, sowie viele andere Lokomotiven und Waggons. Da diese Spurweite vorallem im Berliner Raum viele Anhänger findet, erhält sie auch den Beinamen „Berliner Spur“ . 1953 verschwindet die Spur Z0 wieder in der Versenkung. Einzig und alleine SIKU widmet sich ab 1954 mit seinen zahlreichen Automodellen dem Maßstab 1:60. In den ersten Jahren wird auch zahlreiches Zubehör, wie Bäume, Figuren und Gebäude produziert. Für Z0-Bahner interessant war sicher die Straßenbahn mit Beiwagen, die in den Jahren 1955 bis 1969 angeboten wurde. (Diese Modelle waren zwar maßstäblich sehr exakt verkleinert, hatten aber eine "zu große" Spurweite von rund 27 mm.) Alle Modelle waren sehr detailiert und aus Kunststoff gefertigt. Im Jahre 1975 stellte SIKU seine Produktion auf Metallmodelle im Maßstab 1:55 um.

1950
Erstmals erscheinen Normen für Modelleisenbahnen, und zwar unter dem damaligen Namen MONO (Modellbahn-Normen).
Diese werden später umbenannt in NEM (Normen europäischer Modelleisenbahnen). Hier ist auch die Spur S enthalten: Maßstab 1:64 Spur 22,5 mm
In den USA wurde die Spur S bereits 1944 in den NMRA genormt. Hier allerdings mit der Spurweite 22,2 mm.

1951
In der DDR erscheinen ebenfalls Modellbahnnormen. In den NORMAT-Normen ist sowohl die Spur S (1:64 – 22,5 mm), als auch Z0 (1:60 – 24 mm) genormt.

1952
Die DDR-Zeitschrift "Die Modelleisenbahn" lobt die Baugröße Z0 als "Die Spur der Zukunft". Sie soll als sogenannte Arbeitsgemeinschaftsanlagenspur verwendet werden. Als kleinster Kreisdurchmesser wird 3 m festgelegt. Doch schon nach ein paar Jahren ist es endgültig aus mit Z0 (siehe weiter oben).

1956
Der thüringische VEB Metallwarenfabrikation Stadtilm beginnt mit der Produktion einer Spur S – Spielzeugeisenbahn. Ein komplettes Gleissystem, diverse Lokomotiven und Waggons. Jährlich kommen neue Modelle hinzu. Aber auch dieses Projekt stand unter keinem guten Stern und so wurde die Produktion 1964 wieder eingestellt. Bis in die 80er Jahre hinein wird jedoch von der Weimarer Blechspielwarenfabrik eine Uhrwerksbahn produziert, die mit der Stadtilm-Bahn kompatibel ist. Auch aus Polen ist eine Bahn mit einer 1‘B‘-Tenderlok in Spur S bekannt.

1962
Mit dem Adler von TRIX im Maßstab 1:65 erscheint vorerst, nach 60 Jahren Spur S - Geschichte, das letzte serienmäßig in der Bundesrepublik Deutschland hergestellte Modell in dieser Baugröße. Allerdings mit einer Spurweite von 16,5 mm, da das Modell eigentlich als HO-Modell gedacht war. Aus technischen und optischen Gründen wurde es vergrößert gebaut.

1984
Markscheffel & Lennartz präsentiert die neue Spur S. Es geht leider nicht über die Ankündigung und einige Messemuster in den Jahren 1984 bis 1986 hinaus. Darunter befinden sich unter anderem der Wismarschienenbus, ein gedeckter Güterwagen, sowie Signale, Gleise und Zubehör. Die Nachfrage ist verschwindend gering und so ist dann auch zur Messe 1987 nichts mehr davon zu sehen.

2000
Der TT-Spezialist JATT kündigt den SVT 137 in Spur S an. Nachdem JATT jedoch im Herbst 2000 von Tillig übernommen wird, verschwinden die Spur S – Pläne wieder in den Schubladen.


Die Spur S im neuen Jahrtausend:

Heute, nach über 100 Jahren Spur S, gibt es lediglich in den USA einen Großserien- und ein paar wenige Kleinserienhersteller, die Modelle und Zubehör in Spur S anbieten. Leider alles ausschließlich nach US-amerikanischen Vorbildern.

Völlig vernachlässigt werden die Freunde der Spur S außerhalb der USA, vor allem in Europa. Im Bereich von 1:60 bis 1:64 herrscht fast gähnende Leere. Dabei ist dieser Bereich eine ideale Größe. Groß genug um mit relativ einfachen Mitteln Selbstbau zu betreiben und trotzdem klein genug, um entsprechende Dioramen oder Anlagen in einer Wohnung oder einem Haus aufzubauen.

Das einzige was zur Zeit erhältlich ist, sind Kartonmodellbaubögen der polnischen Firmen Loko Model und ZetKa, die exakt in 1:64 gearbeitet sind. Hier findet man die Dampflok T 3, die kleine Diesellok V 20, sowie die E 69, und zwei verschiedene Personenwagen. Alle Modelle sind relativ leicht zusammenzubauen, wobei die T 3 etwas mehr Erfahrung im Kartonmodellbau voraussetzt.
Die amerikanische Fa. S-Helper-Service bietet ein komplettes Schienensystem mit Gleisbettkörper an. Diese Gleise kann man über Händler die Kontakte zu Walthers in den USA haben beziehen.

Ersatzteile (Replika) für die Stadtilm-S-Bahn stellt die Fa. Jochen Winkler, Lange Straße 43, 09599 Freiberg/Sachsen her.

Eine Besonderheit in vielerlei Hinsicht stellt die "kleinste" zu kaufende Livesteam-Lok der Welt dar. Der Österreicher Edward Kompast baut in 1:67,7 mit einer Spurweite von 9mm (entspricht Sn2) eine kleine englische Schmalspurdampflok mit echtem Livesteamantrieb.

Anmerkungen:

Das erste nachweisbare Modell in 1:64 baute 1896 der damals 14 Jahre alte Engländer Edward Bowness.
Zwischen 1935 und 1952 wurde in England H1 (Halb-1-Spur) für Bahnen in dieser Größe verwendet. Die 1946 gegründete H1MRS (Half-One-Model-Railway-Society) normte diese Baugröße, nachdem die 1941 gegründete offizielle britische Normenbehörde BRMSB (British Railway Modelling Standards Bureau) nicht dazu bereit war.
Seit 1952 wurde dann auch in England das internationale Kürzel S verwendet. Die H1MRS wurde in SSMRS (S-Scale-Model-Railway-Society) umbenannt. Die SSMRS-Normen haben noch heute Gültigkeit.

In den USA begann Cleveland Manufact. 1937 mit der Produktion von Modellbahnen im Maßstab 1:64.
Anfangs hieß die Spur „C-D Gauge“ (nach den Anfangs- und Endbuchstaben von Cleveland). Nachdem weitere Hersteller mit Produkten in diesem Maßstab auf den Markt kamen, einigte man sich auf das heute weltweit verwendete Kürzel S. In Amerika ist die Spur S und deren Schmalspur Sn3 sowohl bei der NMRA (National Model Railroad Association), als auch bei der NASG (National Association of S Gaugers) genormt. Für die Schmalspur Sn2 gibt es einen eigenen Sn2 Standard.

Der Buchstabe S findet sich sowohl in „Sixtyfour“ (64) für den Maßstab, als auch in „sixteen“ (3/16“ Scale) und „Seven“ (7/8‘ Gauge).

Übersicht Nenngrößen Z0 und S mit Breit- und Schmalspuren:

Maßstab Bezeichnung Spurweite entspricht im Original
1:60
Z0
24
1435 (Normalspur)
1:64
Sb5½
26,16
1676 (indische Breitspur)
S (H1)
22,5
1435 (Normalspur)
Sn3½
16.5
1067 (Kapspur)
Sm
16.5
1000 (Meterspur)
Sn3
14.3
914 (3 Fuß)
Sn2½
12
762 (2,5 Fuß)
Se
12
~750 (Engspur)
Sn2
10.5
~610 (2 Fuß)
Sf (Si)
9
400 - 650 (Feldbahnspur)

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Letzte Aktualisierung: 20.08.2005
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